Islam
Islam (Gottergebenheit1) ist jene Haltung, die Din erfüllt in der Hingabe an Gott. Abgeleitet ist das Wort vom IV. Stamm der Wortwurzel s-l-m, was "heil, unversehrt, ganz, vollständig, sicher, frei sein" bedeutet. Islam im Sinne einer Weltreligion ist nur eine, und nicht grundlegende Bedeutung des Wortes. Auch, das alle Dinge den Naturgesetzen Gottes gehorchen, kann als Islam bezeichnet werden, bis hin zu jeder Handlung, die Gott gefällt. Nach Aussage des Koran hat der Prophet Muhammad keine neuartige Religion gebracht2, sondern vielmehr die Urreligion der Menschheit wiederbelebt3. Adam wird dabei als erster in der Reihe der Propheten gesehen4. Wörter wie Salam ("Unversehrtheit, Friede, Sicherheit") und Muslim ("der sich Gott Hingebende, Dienende") sind mit dem Wort Islam verwandt, da sie aus der gleichen Wortwurzel gebildet werden.
Zu seinem Zeichen gehört auch, dass er euch den Blitz zeigt - zu Furcht und Hoffen - und dass er Wasser vom Himmel herabsendet und ihm die Erde aus ihrer Leblosigkeit erweckt. Darin sind fürwahr Zeichen für einsichtige Leute. [30:24]
Der Begriff "Din" für Religion
Das arabische Wort Din ("Religion") ist verwandt mit dem Wort dain ("schulden") und bezeichnet sinngemäß das, was der Mensch Gott, sich selbst und der Schöpfung insgesamt schuldet. Nach islamischer Ansicht ist damit eine ethisch verantwortete Lebensweise gemeint, die alle Lebensäußerungen umfasst und auf dem Hintergrund der Beziehungen des Menschen ordnet, nämlich zu seinem Schöpfer, sich selbst, seinen Mitmenschen, den Geschöpfen und zur Schöpfung insgesamt. Din ist somit ein System gegenseitiger Verpflichtungen, sowohl zwischen Mensch und Gott, näher bezeichnet als Bund Gottes mit den Menschen (mit bestimmten prophetischen Persönlichkeiten oder mit einzelnen Völkern), und auch zwischen den Menschen untereinander.
Die Pflege dieser Beziehungen und die Wahrung der damit verbundenen Rechte und Pflichten ist die Verwirklichung des religiös-ethischen Lebensprinzips (iqamatu 'd-Din). Am "Tag des Gerichts" (yaumu'd-Din) werden die aus dem Gleichgewicht geratenen Beziehungen wiederhergestellt und die ethischen Werte und Ziele voll verwirklicht.
Die lexikalische Bedeutung
Islam bedeutet – wie bereits geklärt – "Gottergebenheit". Dass spricht der Koranvers: "inna'd-Dina inda Allahi'l-Islam" auf Deutsch "Wahrlich, die Religion bei Gott ist die Gottergebenheit" [3:20] richtig übersetzt worden.
Ein weiterer Koranvers könnte ebenfalls als Beispiel dienen: Sprich: «Wir glauben an Gott und an das, was auf uns herabgesandt worden ist und was herabgesandt wurde zu Abraham und Ismael und Isaak und Jakob und den Nachfahren, und was gegeben wurde Moses und Jesus und (anderen) Propheten vom ihrem Herrn. Wir machen keinen Unterschied zwischen ihnen, und Ihm ergeben wir uns. Und wer eine andere Glaubenslehre als die Gottergebenheit (= Islam) begehrt, nimmer soll sie von ihm angenommen werden, und im zukünftigen Leben soll er unter den Verlierenden sein.» [3:85] [3:86].
In Anbetracht der Tatsache, dass nach islamischer Auffassung Tauhid das wichtigste Glaubensprinzip ist, so dass von der Einheit Gottes, der Einheit der Menschheit und von der Einheit in der Schöpfung die Rede ist, gewinnt "Islam" eine Bedeutung, die mehr als die Einheit der "gottergebenen" Menschen darstellt. Alles was existiert (also auch ein Baum, ein Regentropfen, der Wind usw.), praktiziert den Islam, solange es seiner Bestimmung, d.h. dem Plan Gottes folgt, was wir ohne weiteres als die von Gott eingesetzten "Naturgesetze" bezeichnen können. Selbst Sonne und Mond praktizieren Islam. Somit ist jeder natürliche Prozess (z.B. Tag und Nacht) und jede natürliche Handlung = Islam.
Islam als Urreligion
Die zweite hier vorgestellte Bedeutungsebene von "Islam" bezieht sich auf das Wesen und den Kern jeder Religion.
In der Religionswissenschaft, aber auch in der Religionsethnologie wird die Frage gestellt, ob die Menschheit ursprünglich polytheistisch oder monotheistisch gewesen ist. Aus islamischer Sicht ist es etwas völlig natürliches, dass es Gemeinsamkeiten zwischen den menschlichen Kulturen und Religionen gibt, denn laut Koran wurden zu allen Völkern zu verschiedenen Zeiten Gesandte Gottes geschickt5 mit der Botschaft Gottes in der jeweiligen Sprache des Volkes6, und jedem Volke wurden je eigene Andachtsübungen aufgetragen7.
Ein weiterer Aspekt, der in diesem Zusammenhang erwähnt werden muss, ist die Tatsache, dass aus islamischer Sicht jeder Mensch mit der fitra, d.h. der "natürlichen Veranlagung" der Gottergebenheit geboren wird. Somit sind alle Kinder von Geburt an "Muslime".
"Islam" bekommt hier also eine umfassendere Bedeutung, da Gott kein Volk ohne Rechtleitung gelassen hat. Wie im oben zitierten Vers [3:85] zu lesen ist, glauben die Muslime (Gottergebene) auch an das, was den anderen Propheten von dem einen Gott gegeben wurde. Somit sind auch die anderen Propheten, z.B. Adam, Noah, Abraham, Moses und Jesus , nach islamischem Selbstverständnis Muslime (Gottergebene), und das, was sie verkündet haben, ist nichts anderes als Islam (Gottergebenheit). Jesus z.B. spricht in Sure [3:52]:
"Wer sind meine Helfer zu Gott ? Die Jünger sagten: Wir sind die Helfer Gottes . Wir glauben an ihn. Bezeuge, dass wir (ihm) ergeben sind" (vgl. auch 61:14).
Aber nicht nur der Glaube an alle Propheten und Offenbarungen bildet eine gemeinsame Grundlage, sondern auch religiöse Praktiken wie beten und fasten, sind allen Religionen gemein. Somit ist es möglich, sogar mit Menschen, die sich als Atheisten bezeichnen, Gemeinsamkeiten zu finden, da es keine Kultur ohne Religion gibt und alle Menschen gewissen ethischen Grundlagen folgen, die auf den "Urbund8" mit Gott zurückzuführen sind. Schließlich wollen alle Menschen, ob sie an den einen Gott glauben oder nicht, in Frieden und in Freiheit leben. Nicht ohne Grund ist der Begriff "Islam" für viele Muslime auch identisch mit dem Begriff Silm (Frieden), der aus der gleichen Wortwurzel s-l-m gebildet wird.
Historische und kulturelle Größe
Wir beobachten heute eine kulturelle Vielfalt unter den Muslimen, die durch historische Entwicklungen und vorislamische Traditionen beeinflusst ist. Die ersten Muslime sind bereits im 7. Jh. aus der arabischen Halbinsel heraus in nicht-islamische Länder gegangen. Dabei wurden sie von verschiedenen Motiven angetrieben. Die einen reisten, um den Islam zu verkünden, andere reisten für Handelszwecke und wieder andere – dem Ausspruch des Propheten folgend, nach Wissen zu suchen, selbst wenn es in China wäre - um Wissen zu erwerben.
Der Islam ist nach Afrika und Asien hauptsächlich über die sogenannten Wanderprediger (Sufis) und Händler gelangt. Eine Ausbreitung des islamischen Glaubens durch Kriege hat es nie gegeben. Die Ausbreitung des Machtbereichs hatte niemals die "Bekehrung" anderer zum Ziel. So haben die Muslime in vielen Ländern, in denen sie herrschten, über mehrere Jahrhunderte hinweg, als Minderheit gelebt. Die Geschichte Andalusiens ist ein Zeugnis islamischer Toleranz gegenüber Juden und Christen, die in der Menschheitsgeschichte, bis heute, seinesgleichen sucht.
Am 3. Oktober 2011 findet der bundesweite "Tag der offenen Moschee" statt. Unsere Sonderseiten zum...
Publikationen
Hier können Sie auszugsweise einen Blick in "Die Lehre des Islam" von Prof. Dr. Muhammed Hamidullah werfen. Das vorliegende Buch beinhaltet zwei Abschnitte von Prof. Hamidullahs Werk „Der Islam – Geschichte,Religion, Kultur".
Ausgesuchtes
In der islamischen Glaubenslehre (arab. aqida) sind sechs Glaubensartikel enthalten.
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Donnerstag 08. Februar 2007
Koran (auch Kalam Allah – 'Wort Gottes') bedeutet 'Lesung, das Vorgetragene'. Er ist in arabischer Sprache geoffenbart und gilt als das authentische Wort Gottes (Verbalinspiration). Er enthält 114 Suren (Kapitel), über 6200 Verse...
[mehr]Die Geschichte des Islams umfasst nun mehr als vierzehn Jahrhunderte der Weltgeschichte. Sicherlich wird eine kurze Einführung wie diese nicht annähernd ausreichen, die gesamte Geschichte des Islams wiederzugeben, sie soll nur...
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