Islam

 

Donnerstag 15. Februar 2007

Islam, Kultur
Dichtung

Von den künstlerischen Ausdrucksformen der muslimischen Gesellschaften ist die Dichtung sicherlich nicht wegzudenken. Während der Koran selten auf Musik und bildende Künste verweist, wird auf die Dichtung ausdrücklich Bezug genommen.

Die "Liebe zur Dichtung" ist, so Annemarie Schimmel, "Kennzeichen traditioneller muslimischer Kultur". (Annemarie Schimmel, Die Zeichen Gottes, Die religiöse Welt des Islam, München, 1995, S. 170)

 

Schon in der vorislamischen arabischen Gesellschaft spielte die Dichtung eine sehr wichtige Rolle im politischen Leben. Die meistgeschätzte Poesieform in der arabischen Dichtung war die Qaside, dabei handelt es sich um ein langes Gedicht, das in einem Rhythmus geschrieben ist. Unter den Umaijiden wurden neue Gedichtformen entwickelt, die literarische Prosa entstand unter den Abbasiden. Die Geschichten, die unter dem Titel Tausendundeine Nacht bekannt sind, entstanden in Indien, Persien und der arabischen Welt und wurden von Märchenerzählern verbreitet, sie gehörten aber nie zur klassisch-arabischen Literatur.

 

Während die literarische Tradition des Arabischen eher stagnierte, entwickelte sich die persische Literatur zu einer Hochblüte. Mit Firdausi’s (gest. 1020) Meisterwerk "Schahmane" (Buch der Könige) oder der neuen Versform, die als "rubai" bekannt ist, wurde die persische Literatur populär. Der berühmte Omar Chayyam (1048-1131) bediente sich dieser Versform. Ab dem 13. Jahrhundert entwickelte sich das "ghazal" zur Hauptform lyrischer Dichtung, die "mathnawi", das mit Reimpaaren arbeitet, fand in der romantischen und didaktischen Dichtung Verwendung; zu dieser Dichtungsart zählen die berühmten Werke von Nizami (gest. 1209), allen voran "Laila wa Madschnun" und "Chusrau wa Schirin" oder das Mantiq al-tair (Die Sprache der Vögel) von Farid al-Din Attar. Weitere berühmte Vertreter der persischen (tasavvuf) Literatur waren Dschalal al-din Rumi (gest. 1273), Saadi (gest. 1292) und Hafiz (1319-1390). Später wurden die Qasiden und Ghazalen dem osmanischen Türkisch angepasst. Fuzuli (gest. 1556) schrieb in türkisch, persisch und arabisch. Große Dichter dieser Epoche waren Baqi (1526-1600) Chayali (gest. 1556) Nedim (gest. 1730). Der Stil der türkischen Prosa im 16. Jahrhundert wurde geprägt von Katib Celebi (gest. 1657) und von Evliya Celebi (1611-1684). Im 19. Jahrhundert wurden verschiedene Versuche unternommen, die Literatur neu zu beleben, viele Schriftsteller versuchten ihre Sprache den Ideen der Neuzeit anzupassen oder ihre Kultur neu zu beleben...


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