Die Integration von Menschen mit ausländischen Wurzeln verläuft in Deutschland besser als oftmals befürchtet. Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration bilanziert in seinem Jahresgutachten einen „pragmatischen Integrationsoptimismus“ und ein „belastbares gegenseitiges Grundvertrauen“ in der Bevölkerung. Die Ergebnisse seien ein „Kontrast zum deutschen Integrationsgejammer“.
Der Vorsitzende des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), Prof. Dr. Klaus J. Bade, betonte bei der Vorstellung des ersten Jahresgutachtens des Sachverständigenrats in Berlin, dass die Integration in Deutschland, trotz einiger Problemzonen, gesellschaftlich und politisch ein Erfolgsfall ist. „Sie ist im internationalen Vergleich viel besser als ihr Ruf im Land.“ Die vom SVR präsentierten Einschätzungen und Ergebnisse widersprechen damit der in öffentlichen Debatten oft dominierenden Skandalisierung des Integrationsgeschehens unter dem Schreckbild einer „gescheiterten Integration“.
Basis dieser Einschätzung ist das Integrationsbarometer des Sachverständigenrats. Die repräsentative Befragung von über 5.600 Personen bezieht erstmals die Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund auch in ihrer wechselseitigen Wahrnehmung ein. „Das SVR-Integrationsbarometer signalisiert verhaltenen Integrationsoptimismus auf beiden Seiten der Einwanderungsgesellschaft, ein gemeinsames, pragmatisches Verhältnis zu Integrationsfragen und ein belastbares gegenseitiges Grundvertrauen“, fasste Bade zusammen.
„Politik neigt bei ihrer Selbstinszenierung Ursache und Folge zu verwechseln“
Auch die Politik sei in der Einwanderungsgesellschaft angekommen und hat Integration endlich als gesellschaftspolitisches Thema ersten Ranges akzeptiert, stellte Bade fest. Politik neige bei ihrer Selbstinszenierung aber mitunter dazu, Ursache und Folge zu verwechseln. Für das jahrzehntelange friedliche Zusammenwachsen der Einwanderungsgesellschaft sei Politik wenig richtungsweisend gewesen. Vielmehr habe sie sich zumeist verspätet und oft eher widerwillig der Entwicklung angepasst und erst in den letzten 10 Jahren kraftvoll von einem lange angstvoll-defensiven auf einen pro-aktiven Integrationskurs umgesteuert. Hinzu komme, dass das „Leuchtfeuer der Integrationspolitik“, der Nationale Integrationsplan, zwar in der Mehrheitsbevölkerung wichtige Anstöße, vor allem zur Vernetzung der entsprechenden Aktivitäten gegeben habe, aber, wie die Deutsche Islam Konferenz, in der Zuwandererbevölkerung zum überwiegenden Teil wenig oder auch gar nicht bekannt geworden sei.
Noch könne aber weder von gleichen Bildungschancen noch von gleichen Bildungserfolgen und damit Lebenschancen von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund die Rede sein. Bade sprach hier von einem „doppelten Integrationsparadox“.
In der Einwanderungsgesellschaft gebe es einen friedlichen und zunehmend pragmatischen Umgang mit Integration. Zugleich aber wachse an der Basis der Sozialpyramide bei zunehmender sozialer Polarisierung die Zahl perspektivloser sozialer Verlierer mit und ohne Migrationshintergrund. Die dort zunehmende aggressive Spannung könne den sozialen Frieden gefährden, während die unzureichende Qualifikation vieler Jugendlicher deren Erwerbschancen blockiere, das Arbeitskräfteangebot begrenze und den Sozialetat belaste. Nötig sei hier eine gezielte, auch nachholende Bildungs- und Qualifikationsoffensive, die auch die Vererbung der sozialen Startnachteile begrenze. „Bildungsinvestitionen sind nachhaltiger als Bankensubventionen“, pointierte Bade. (sa)



