Freitag 03. Oktober 2003

Deutschland, TOM
Freitagsansprache zum Tag der offenen Moschee - Unsere Beziehungen zu Nichtmuslimen und der “Tag der offenen Moschee”

Sure 3:64: „O Leute der Schrift! Kommt herbei! Einigen wir uns darauf, dass wir Allah alleine dienen und nichts neben Ihn stellen und dass die einen von uns die anderen nicht zu Herren neben Allah nehmen.“ Und wenn sie den Rücken kehren, dann sprecht: „Bezeugt das wir Muslime (d.h. Gottergebene) sind.“

Verehrte Gläubige,

unsere Religion macht es uns zur Pflicht, mit allen Menschen gut auszukommen, mit ihnen freundschaftliche Beziehungen zu pflegen, im Guten zu wetteifern, einander beizustehen und sich zu beraten, ohne einen Unterschied zwischen ihnen zu machen.

Der Islam möchte für alle Menschen, ungeachtet ihrer Herkunft und Religion, das Gute.

Dennoch bringt das Leben als muslimische Minderheit in nicht-islamischen Gesellschaften, auch Probleme mit sich. Daraus ergeben sich für uns Muslime auch gewisse Pflichten. Da es Allahs Wille war, das wir uns in dieser Lage befinden, gehört es zu unseren Pflichten, ein vorbildhaftes Leben zu führen und ein positives Verhältnis zu unseren Mitmenschen zu haben, sowie im Dialog mit ihnen zu sein. Unsere Mitmenschen können nur dann Zeugen der Werte unserer Religion und unseres geistigen Reichtums sein, wenn wir unsere Pflichten ihnen gegenüber erfüllen. Somit können wir auch dem Aufruf unserer Religion gerecht werden, die Menschen über den Islam aufzuklären.

Wenn wir unseren zwischenmenschlichen Pflichten nachkommen, können wir den Weg für eine friedliche Koexistenz der Menschen ebnen und eine bessere Welt schaffen. Der Lohn für die Erfüllung dieser Pflichten wäre sowohl im Diesseits als auch im Jenseits unermässlich. Sollte dies alles jedoch nicht zur Kenntnis genommen werden, so wären weder die individuellen Pflichten noch die gesellschaftlichen Pflichten erfüllt. So könnten weiterhin islamfeindlich eingestellte oder unwissenden Personen wie Gruppen, den Islam in entstellter Weise darstellen, so dass in euren Häusern die Nachbarn, am Arbeitsplatz die Arbeitskollegen, in der Schule die Schulkameraden oder auf der Straße die Menschen euch mit falschen Augen sehen.

Erhabene Muslime,

Allah befiehlt uns ein Leben in Gemeinschaften und Gesellschaften und spricht in Sure 3, Vers 64: Sprich: „O Leute der Schrift! Kommt herbei! Einigen wir uns darauf, dass wir Allah alleine dienen und nichts neben Ihn stellen und dass die einen von uns die anderen nicht zu Herren neben Allah nehmen.“ Und wenn sie den Rücken kehren, dann sprecht: „Bezeugt das wir Muslime (d.h. Gottergebene) sind.“

Damit wird ausgedrückt, das es zu den Grundlagen des Islam gehört, das sich die Menschen zu ihrem Wohl im Diesseits wie im Jenseits, auf gemeinsame Grundlagen einigen und auf dem Wege des Dialogs, gemeinsame Grundwerte teilen. Sollte es Menschen geben, die diesem Aufruf nicht folgen und sich abwenden, so obliegt uns zu sagen: “Bezeugt, das wir Muslime sind”. Dies wiederum erfordert, das wir ein ethisches, vorbildhaftes Leben führen und den Menschen verdeutlichen, dass sie sowohl vor unseren Händen und vor unseren Zungen sicher sind und das wir niemanden zu etwas zwingen, sondern lediglich unseren Prinzipien treu sind.

Geschätzte Gläubige,

mit wem ihr auch zu tun habt – unabhängig von seiner Religion, Sprache, Hautfarbe oder seinem Geschlecht – solange ihr nicht angegriffen oder unterdrückt werdet, müsst ihr eure Mitmenschen auf die beste Weise behandeln. Dies solltet ihr euch zur Grundlage machen. Seht doch, was Allah, der Schöpfer und Erhalter aller Menschen, in Sure 26, Vers 46 sagt: „Und diskutiert mit den Leuten der Schrift nie anderes, als auf eine bessere Art – mit Ausnahme derer von ihnen, die Frevler sind. Und sprecht: Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt wurde und was zu euch herabgesandt wurde. Unser und euer Gott ist ein und derselbe und Ihm sind wir ergeben

Als eines Tages an unserem Propheten ein Beerdigungszug mit der Leiche eines Nichtmuslims vorbeizog und er dabei aufstand, hatten ihn seine Gefährten gefragt: “O Gesanter Gottes! Das war doch ein Nichtmuslim”, der Prophet sprach: “Ist er nicht dennoch ein Mensch?” Damit hat er gezeigt, das wir alle Menschen als Menschen respektieren sollten.

Liebe Muslime,

für das Zusammenleben von Menschen verschiedener Religionszugehörigkeit gibt es einige wichtige Grundregeln. Diese lassen sich in folgenderweise ordnen:

1. Es müssen Gemeinsamkeiten gefunden werden, die als Basis des Zusammenlebens dienen. So wie in dem ersten Vers, der weiter oben zitiert wurde. Dabei müssen vor allem Werte wie der Schutz des Lebens, der Religion, der Würde, der Nachkommenschaft sowie des Besitzes für alle Menschen die gleiche Verbindlichkeit haben.

2. Die Menschen müssen auf die beste Art und würdevoll miteinander umgehen. In Sure 16, Vers 125 lesen wir: “Lade zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung ein und diskutiere mit ihnen auf die beste Art und Weise...”

3. Die Menschen müssen respektvoll und sozial miteinander umgehen und sich gegenseitig unterstützen. In der Sure 5, Vers 2 lesen wir: “...Helft einander zur Rechenschaft und Gottesfurcht und nicht zur Sünde und Feindschaft.”

4. Die Menschen müssen sich für Gerechtigkeit und Menschenrechte und zwar für alle Menschen, einsetzen.

5. Sich das Prinzip der Toleranz und Verständnis füreinander zur Grundlage machen, denn in Sure 21, Vers 107 sagt Allah zu unseren Propheten, der ein Vorbild für uns ist: “Und Wir entsandten dich führwahr als eine Barmherzigkeit für alle Welt.”

In einer Gesellschaft, die auf diesen Prinzipien und Werten fußt, herrscht nicht Kampf, sondern Frieden. Und dieser Frieden gibt dem Leben aller Menschen seinen Sinn.

Verehrte Gläubige,

unsere Gemeinschaft folgt – wie in der Khutba an diesem 03. Oktober betont – den Anweisungen des oben zitierten Verses, indem Muslime zum Dialog aufgerufen werden. Jährlich werden unsere Moscheen von tausenden Menschen besucht, die ein Interesse am Islam und den Muslimen haben. Dadurch erhalten sie von uns Informationen zu ihren Fragen und wir helfen ihnen, ihre Vorurteile abzubauen. Sie lernen dadurch die schönen Dinge im Islam kennen und sind positiv beeindruckt. Auch in diesem Jahr öffnen wir die Türen unserer Moscheen jenen Menschen, mit denen wir in dieser Gesellschaft in Nachbarschaft zusammenleben, mit denen wir zusammenarbeiten, zur Schule gehen und mit denen wir dieses Land teilen und gemeinsam gestalten. Wir werden unsere Türen öffnen, damit sie uns besser kennenlernen und von unserer Gastfreundschaft profitieren und mit uns über Themen, die unseren Glauben betreffen, sprechen.


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