Wenn der gesegnete Monat Ramadan an der Tür steht, werden man immer wieder solche Sätze hören wie: „Ach wo ist der alte Ramadan?“ Eigentlich sind dies die Sehnsüchte der Menschen, die den Ramadan früher anders erlebt haben. Im großen Reich der Osmanen war man sowohl als Individuum als auch in Gesellschaft durch die Religion angeregt. Die Sultan Ahmet Moschee, die Leuchtspruchbänder zwischen den Minaretten, die Trommelschläger und die Hagia Sophia; sie alle erzählen uns vom Ramadan und wie er in den alten Zeiten erlebt wurde.
Es fing alles nach der Berât-Nacht an. Die Häuser wurden zwei Wochen lang geputzt und man kaufte für Ramadan ein. In diesem Zeitraum beobachtet man auch in den Behörden ein emsiges Treiben. Man beugte gegen Lebensmittelengpässe und zu hohen Preisen vor. Deshalb regulierte man die Preise, die während Ramadan eingehalten werden sollten. Dafür wurden eigens zuständige Personen eingestellt, damit auch die Regeln befolgt wurden. Außerdem wurden Schafe aus Thrakien in die Einwohnergebiete transportiert, damit keine Fleischmangel entstand. Insbesondere wurden die Straßen um die Moscheen herum repariert, da diese besondere Versammlungsplätze der Menschen waren.
Auch innerhalb der Moscheen beobachtet man ein emsiges Treiben. Zwischen den Minaretten hingen Leuchtbänder. Es war ein Kunstakt, die Schriften mit Öllämpchen an den Seilen zwischen Minaretten zu schreiben. Diese Schriften wurden von Kalligraphen angefertigt. Diesen Arbeiten wurde eine besondere Bedeutung zugeschrieben, in dem Maße, dass ein Berufszweig als Leuchtschriftschreiber entstand.
Nun kommen die Vorbereitungen zu einem Ende, da auch Ramadan an der Tür steht. Obwohl der Ramadan mit den astronomischen Rechnungen erfasst wird, ist man verpflichtet den Mond als eine Sichel mit bloßem Auge zu sehen. Mit dieser Aufgabe ist der Kadi von Istanbul zuständig. Die besten Sichtungspunkte in Istanbul sind der Feuerturm von Beyazıt, die Minaretten der Süleymaniye, Fatih, Cerrahpaşa, Sultan Selim ve Edirnekapısı Moscheen. Die dahin entsandten Beamten, Moscheemitarbeiter und neugieriegen Menschen versammeln sich hier. Jeder wartet nun auf den Abend. Wenn es soweit ist und der Mondsichel gesichtet wird, aber immer noch nicht der Ramadan ausgerufen, ist es Zeit für das Gericht? Diejenigen, die den Mondsichel gesehen haben, werden hier erhört. Die Befragung fängt somit an.
Nachdem der Ramadan ausgerufen wird, berichtet man den Oberleuchtschriftenschreiber der Sultan Ahmet Moschee davon. Wenn die Leuchtschrift dieser Moschee leuchtet, folgend dieser auch die anderen. Nun kommen die Trommelschläger an die Reihe. Sie überbringen die freudige Nachricht der ganzen Stadtviertel. Kinder folgen diesen Trommelschlägern eifrig hinterher.
Bei den Osmanen sind eigentlich die Trommelschläger gleichzeitig Bezirkswächter. Diesem Beruf, der von Generationen ausgeübt wird, kommt im Ramadan eine besondere Bedeutung zu. Dies ist die Menschen auf eine freundliche Weise zum Essen vor Tagesanbruch zu wecken. Jeden Tag wurden andere Gedichte aufgesagt. Auf diese Aufgabe wurden außerdem viele Jugendliche mit schönen Stimmen aufmerksam. Das Gedichteaufsagen um diese Zeit war eine sehr amüsante Beschäftigung. Jedoch waren es die Trommelschläger, die das Trinkgeld bekamen.
Nun füllen sich die Moscheen mit Menschen, die sich für das Abendgebet versammeln. Der Imam hält eine bewegende Predigt und rät dem Publikum das Halten der islamischen Gebote im Ramadan besonders zu beachten.
Im Verhältnis zu dem Abendessen wird morgens nicht so üppig gegessen. Wenn der Gebetsruf nun von den Minaretten erhört wird, fängt man mit dem Fasten an.
Obwohl die Menschen nun den ganzen Tag lang nichts gegessen haben, erwartet man freudig den Abend. Einige machen sich schon auf den Weg nach Eyüp Sultan, Hagia Sophia oder Sultan Ahmet Moschee, um rechtzeitig einen Platz für das Abendgebet zu ergattern. Diese brechen ihr Fasten nur mit Datteln und Trauben.
Bei den Osmanen maß man verschiedenen Moscheen unterschiedliche Bedeutungen zu. Wenn man zum Beispiel in der Kadir-Nacht in der Hagia Sophia Moschee betete, so wurde erhofft, dass alle Gebete erhört wurden. Dies führte allerdings dazu, dass sich ein großer Andrang im und um der Moschee herum bildete. Dass Menschen auch außerhalb Istanbul zum Morgengebet nach Hagia Sophia kamen, führte dazu, dass es um Sultan Ahmet Moschee herum viele Frikadellen- und Süßwarenläden gab. Es war außerdem unentbehrlich, die Freitagsgebete in der Süleymaniye Moschee zu errichten und die Grabmal Eyüp Sultans zu besuchen.
Andere wiederum kümmern sich darum, zum Abendessen Proviant einzukaufen. Selbstverständlich lud man etliche Verwandte und Bekannte zum Essen ein. Es entstand eine großartige Stimmung.
Die größte Freude gehörte aber den ärmeren Menschen. Diese waren nämlich zu den prächtigen Häusern in Istanbul eingeladen. Der Tafel machte sein Namen alle Ehre. Nach dem Essen bekam man außerdem Kaffee und Tabak versorgt und wurde mit reichlich Geld beschenkt.
Ramadan beinhaltet auch das Fest am Ende des Fastens. Feste müssen aber vorbereitet werden. Man fing mit den Kleidern an. Sehr unterschiedliche Sorten von Waren aus den Ländern wie Indien oder Jemen wurden an den Höfen von der Beyazıt und Fatih Moschee zur Schau gestellt.
Wenn wir nun die osmanischen Paläste betrachten, sah man im Ramadan die seelische Atmosphäre auch hier. Es war damals ein Brauch geworden, dass der Sultan alle zehn Janitscharen ein Tablett voll Baklava schickte. Wenn sie mit der Führung zufrieden waren, aßen sie alles auf, wenn nicht ließen sie alles auf dem Tablett stehen.
Dies alles ist ein sehr deutlicher Gegensatz zu den Ramadanzeiten, die heute ausgelebt werden. Immer einsamer werdenden Leben, derer wir heutzutage ausgesetzt sind, sehen wir den Ramadan als eine Last. Damit wir immer weniger mit uns selbst Abrechnungen machen, stehen wir später auf. Gäste werden auch nicht mehr so freundlich empfangen wie früher. Man meint von weitem den Ramadan zuhören, wo die früheren Menschen seien.
Am 3. Oktober 2011 findet der bundesweite "Tag der offenen Moschee" statt. Unsere Sonderseiten zum...
Zu den aufregensten Zeiten des Monats Ramadan gehören das Sahûr- und das Iftâr-Essen. Unser Prophet...
Diskriminierung
Keine Nachrichten in dieser Ansicht.
Publikationen
Hier können Sie auszugsweise einen Blick in "Die Lehre des Islam" von Prof. Dr. Muhammed Hamidullah werfen. Das vorliegende Buch beinhaltet zwei Abschnitte von Prof. Hamidullahs Werk „Der Islam – Geschichte,Religion, Kultur".





























