Donnerstag 26. Juni 2008

Kommentar, Islam, Glaubenspraxis, Sunna, Kultur, Autoren
Der Vorbote der gesegneten drei Monate: Die Regâib-Nacht

Wir nähern uns den segenreichen drei Monaten, der Quelle geistiger Nahrung, die wir seit jeher sehnsüchtig und in freudiger Aufregung erwarten. Die gesegnete Regâib-Nacht läutet den Beginn der gesegneten Monate Radschab, Schabân und Ramadan ein.

Die segenreichen Nächte Regâib, Mirâdsch, Berât und Kadr machen diese Monate zu etwas Besonderem. Diese Nächte sind wie die strahlenden Sterne in der seligen Atmosphäre der gesegneten Monate. So machte unser geliebter Prophet, der Gesandte Gottes Muhammad (saw) in diesen Monaten mehr Gottesdienste (Ibâda) als sonst und betete zu Allah: „Allah, segne uns die Monate Radschab und Schabân und führe uns in den Ramadan.“ (Ahmad bin Hanbal, Musnad, 1/2591) Demnach sollten wir uns in den gesegneten Monaten, die wir bald erreichen werden, an unsere Pflichten gegenüber unserem Schöpfer, unserer Familie, unseren Mitmenschen und unserem Land erinnern, Zuflucht in der Barmherzigkeit Allahs suchen, uns von all unseren Sünden und Fehlern abwenden und Reue zeigen. Schließlich erwartet auch der Koran solch eine Handlungsweise von uns:  „O meine Diener, die ihr euch gegen euch selber vergangen habt! Verzweifelt nicht an Allahs Barmherzigkeit; seht, Allah verzeiht die Sünden allzumal. Er ist gewiss der Vergebende, der Barmherzige.“ [39:53]

 

Die erste Nacht zum Freitag im ersten der gesegneten Monat Radschab ist die Regâib-Nacht. Das Wort Regâib hat seinen Begriffsursprung in dem arabischen Wort „ra-ğa-ba“, was „etwas wollen“, „etwas verlangen“ und „Mühe zeigen, um das gewünschte zu bekommen“ bedeutet. „Rağîb“ und „marğub“ sind Ableitungen des Wortes „rağaba“ und tragen die Bedeutungen: „das Erwünschte“, „das Verlangte“, „das Ersuchte“.

 

Was bedeutet „Regâib“

Wenn das Erwünschte im Femininum steht, wird aus dem Wort „rağaba“ „rağîba“, mit der Pluralform Regâib. Dies ist der Begriffsursprung des Wortes Regâib.

 

Man bezeichnet damit eine der bedeutenden Nächte in den gesegneten drei Monaten, die im Türkischen Kandil-Nächte genannt werden. Nach der Hidschra-Zeitrechnung ist diese Nacht die erste Nacht zum Freitag im Monat Radschab. In dieser Nacht umhüllt Allah die Menschen mit seiner Barmherzigkeit, Güte und Segen.

 

In dieser Form ist das Wort Regâib im Koran nicht vorzufinden. Doch Ableitungen des Wortes „rağaba“, die aber dieselbe Bedeutung tragen, tauchen an acht verschiedenen Stellen im Koran auf. Eine der Verse ist folgender: „Wären sie doch nur mit dem zufrieden, was ihnen Allah und Sein Gesandter gibt, und sprächen: ‚Allah genügt uns. Fürwahr, Allah wird uns aus Seinem Überfluss geben und ebenfalls Sein Gesandter. Siehe, zu Allah beten wir in Inbrunst.“[9:59]

 

Seit wann wird die Regâib-Nacht gefeiert?

Mitte des 12. Jahrhunderts wurde erstmals die Regâib-Nacht gefeiert, aber erst  ab dem 18. Jahrhundert begann man diese Nacht mit großen feierlichen Zeremonien in Derwischklostern zu feiern. Sufis schrieben anlässlich dieser Nacht Gedichte, die so genannten „Rağâibijja“, von denen einige komponiert und bei den Feierlichkeiten vorgetragen wurden. Genauso wie in den anderen Kandil-Nächten wurde es  Brauch kleine Öllampen (Kandil) an den Minaretten anzubringen. Unter dem Volk verbreitete sich der Brauch die Regâib-Nächte mit gottesdienstlichen Handlungen zu verbringen, viel zu beten, Süßigkeiten und ein besonderes Gebäck, das nur zu diesem Anlass gebacken wurde, zu verteilen. Diese Gewohnheiten werden selbst heute noch gepflegt. Diese Nächte im Gebet zu verbringen und Reue (Tawba) für seine Sünden zu zeigen, wurden von der Allgemeinheit der Gelehrten akzeptiert.

 

Eigentlich misst Allah jedem Zeitabschnitt den gleichen Wert bei. Es gibt jedoch solche Momente, in denen solche Ereignisse geschehen, die diesen Zeitabschnitt zu etwas Besonderem machen. Die Regâib-Nacht, die erste Freitagnacht im Monat Radschab, ist einer dieser besonderen Zeitabschnitte. An und für sich haben die Nächte zum Freitag eine besondere Stellung. Wenn zudem noch die Regâib-Nacht hinzukommt, wird die Nacht zu etwas Wertvollerem aufgewertet.

 

Überlieferungen bezüglich der Regâib-Nacht

Es gibt viele Überlieferungen bezüglich der Namensgebung dieser Nacht. Eine davon ist, dass Hz. Âmina ihre Schwangerschaft bemerkte. Doch der Wahrheitsgehalt dieser Überlieferung wurde von den meisten angezweifelt. Es wird vielmehr angenommen, dass in dieser Nacht Allahs Gaben, Milde und Vergebung zunehmen, diese Nacht die anderen gesegneten Nächte ankündigt und Muhammad (saw) mit dem Eintreffen dieser Nacht anfing seine Gebete zu vermehren. Infolgedessen wurde dieser Nacht erhöhte Aufmerksamkeit zuteil. Denn schließlich betete Muhammad (saw) im Monat Radschab, in der sich die Regâib-Nacht befindet, sehr oft, verrichtete Gebete, fastete, tat viel Gutes jeglicher Art und spendete. Es wird überliefert, dass Allahs Gesandter am ersten Donnerstag im Radschab fastete und in der Nacht viele freiwillige Gebete verrichtete. Folgende Hadîthe wurden bezüglich dieser Angelegenheit überliefert:

 

„Es gibt fünf Nächte, in denen die Gebete nicht zurückgewiesen werden: die Regâib-Nacht, die Nacht zum fünfzehnten des Monats Schabân, jede Nacht zum Freitag, die Nacht zum Ramadanfest und die Nacht zum Opferfest.“(Ibni Athâkir)

 

Das Fasten am ersten Tag des Radschab tilgt die kleinen Sünden von drei Jahren, das Fasten am zweiten Tag tilgt die kleinen Sünden von zwei Jahren, das Fasten am dritten Tag tilgt die Sünden von einem Jahr und das Fasten an den folgenden Tagen tilgt jeweils die kleinen Sünden eines Monats.”(Dschamîus-Sağîr)

 

Ibni Abbâs berichtet: Der Gesandte Gottes fastete in manchen Jahren im Radschab so oft, dass wir dachten: „Er wird das Fasten gar nicht mehr beenden”. In manchen Jahren fastete er so wenig, dass wir dachten: „Er wird gar nicht mehr fasten”.” (Muslim)

„Radschab ist Allahs Monat, Schabân ist meiner und der Ramadan ist der Monat meiner Umma.“ (Adschlûnî, Kaschful Chafâ, 1/423)

 

Wie soll man diese Nacht verbringen?

In den drei Monaten und den gesegneten Nächten werden die Bittgebete an Allah gerichtet, Sünden finden Vergebung und gottesdienstliche Handlungen (Ibâda) werden mehrfach belohnt. Folglich stellt diese Zeit den Gläubigen eine gute Gelegenheit dar.

 

So sollten wir anlässlich der Regâib-Nacht, dem ersten der gesegneten Nächte, unsere Herzen und Seelen von schlechten Gedanken und Gefühlen befreien und dem Ego, welches uns vom Genuss der gottesdienstlichen Handlungen fern hält, Einhalt gebieten. Unser Herz von niederen Gefühlen wie Neid, Missgunst, Rachsucht und Feindseligkeiten bereinigen. All dies erreichen wir, indem wir diese Nacht in fastendem Zustand empfangen. Wir sollten aufgeschobene Gebete, falls vorhanden, in dieser Nacht verrichten und zumindest das Morgen- und Nachtgebet in der Moschee in der Gemeinschaft beten. Wir sollten uns bemühen viel Koran zu lesen, Segenswünsche auf den Gesandten Gottes Muhammad (saw) zu sprechen und viele Bittgebete für die Erlösung der Umma von Unheil und Übel auf der Welt und für ein Leben in Frieden und Harmonie zu beten. Es ist die Zeit über unser vergangenes Leben zu reflektieren, die Alten und Kranken in unserer Umgebung zu besuchen und die Armen und Waisen mit Geschenken und Spenden zu erfreuen. Wir sollten unsere Verwandten und Freunde besuchen und nach Wegen suchen die Zerstrittenen wieder zu versöhnen. Zudem sollten wir unsere älteren Bekannten anrufen und uns nach ihrem Befinden erkundigen. Es wäre anzuraten unsere eigenen Interessen beiseite zu legen und uns in Toleranz und Brüderlichkeit zu üben. Finanzielle und körperliche Gottesdienste sollten vermehrt werden.

 

Wir sollten uns erinnern, dass der gesandte Gottes folgendes sagte: „Allah vergibt die Sünden jener, die im Monat Radschab fasten.“(Gunja) „Wer zu Anfang, in der Mitte und am Ende des Monats Radschab einen Tag lang fastet, dem werden Wohltaten gutgeschrieben, als hätte er den ganzen Monat durch gefastet.” (Miftahul-Dschanna) Es liegt an uns die und gegebene Gelegenheit zu ergreifen.

 

Wir beglückwünschen all unsere Glaubensgeschwister zu den gesegneten Nächten und beten zu Allah, dass er uns den Nutzen und den Segen dieser besonderen Zeit nicht verwehre.


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