Donnerstag 24. März 2005

Ramadan, Geschichte, Kultur, Islam
Ramadan in Bosnien

Der heilige Monat Ramadan wird auch in Bosnien mit großer Ungeduld erwartet. Die heiligen Nächte davor haben eine vorbereitende Funktion für den Monat Ramadan. Diese heiligen Nächte werden deswegen auch besonders begangen, unter anderem mit Programmen der Madrasa Schüler.

Endlich ist der lang erwartete Monat gekommen. Der erste Tag ist der aufregendste. Andere Menschen auf der Straße, auch wildfremde zu grüßen, ist unter den Muslimen in Bosnien selbstverständlich. Diese Begrüßungen werden jetzt zusätzlich mit Ramadanswünschen geschmückt. Das Lächeln, welches für die Muslime den Wert einer Almose hat, bringt eine zusäzliche Begeisterung mit sich. In vielen Ecken trifft man auf Straßenverkäufer mit ihren täglich frischen Ramadan-Fladenbroten. Durch den wunderbaren Geruch wird man dazu angehalten, ein paar für das Iftaressen zu kaufen. Der Ramadan beschränkt sich natürlich nicht nur auf die Iftarvorbereitungen und die Straßengespräche.

 

In kleinen Moscheen findet vor oder nach dem Morgengebet die sogenannte „Mukabala“ (Koranrezitation) statt. Dabei wird täglich ein Kapitel (Dschüz) aus dem Koran gelesen. Da der Koran aus dreißig Kapiteln besteht, kann man ihn, wenn man täglich an den Mukabalas teilnimmt, in einem Monat, ganz abschließen. In den großen Moscheen hingegen tragen die berühmten Imame aus Bosnien den Koran nach dem Nachmittagsgebet vor. Unterschiedliche Menschen treffen hier zusammen. Klein und Groß, Jung und Alt, Frauen und Männer kommen jeden Tag, um den ganzen Koran im Beisein des Imams abzuschließen.

 

Auch wenn man tagsüber wegen der Arbeit, der Schule oder durch die Hausarbeit aufgehalten wird, kann man noch den Abend nutzen. In jeder Moschee wird am Abend nämlich das „Tarawih“-Gebet verrichtet. Es ist ein freiwilliges Gebet, welches nach dem Nachtgebet verrichtet wird. Einige Imame verrichten dies normal, andere wiederum mit einem „Hatim“. Das heisst, der Koran wird im Terawih-Gebet über den Ramadan verteilt komplett rezitiert. Dies geschieht so, dass bei jeweils einer Gebetseinheit (Rak´a) eine Seite des Korans gelesen wird. Da das Gebet aus zwanzig Gebetseinheiten besteht und ein Kapitel zwanzig Seiten hat, bekommt der Muslim wieder die Gelegenheit geboten, durch die tägliche Teilnahme am Tarawih-Gebet, den ganzen Koran, der aus 30 Kapiteln besteht, innerhalb des Monats Ramadan abzuschließen. Die großen Moschen sind, egal ob es Winter oder Sommer ist, zu diesen Zeiten übervoll.

 

Nach dem Anblick der vollen Moscheen, zählt wohl der Anblick beim Iftaressen zu den Schönsten dieses Monats. Jede Menge Essen und das Ramadan-Fladenbrot nicht zu vergesen, befinden sich auf dem Tisch. Viele laden zum Fastenbrechen jemanden ein. Die meisten sind während des ganzen Ramadans zu Freunden, Bekannten oder Nachbarn eingeladen. Kurz vor dem Abendgebet beginnt die Hektik. Es ist die Aufregung für das Fastenbrechen.

 

Die vergangenen ersten Tage des Ramadans vermindern nicht die Begeisterung dafür. Es ist vielmehr die Gewohnheit die mit der Zeit eintritt. Nun wissen wir, dass an jeder Ecke ein Fladenbrotverkäufer steht oder eine „Mukabala“ in einer Moschee stattfindet. Die Hektik vor dem Abendgebet, Iftar-Veranstaltungen, danach Tarawih-Gebete, anschließende Unterhaltungen bei einem Glas Kaffee, sind das übliche Programm. Plötzlich wird man sich klar, dass der Monat Ramadan schon fast vorbei ist. Die letzten zehn Tage, in denen die Nacht des Schicksals fällt, die „Lailat al-Qadr“, bleiben vom Ramadan übrig. Im Koran wird gesagt, dass diese Nacht besser als Tausend Monate ist. In dieser Nacht begann die Offenbarung des Korans. Die gewohnte Aufregung erreicht nun seinen Höhepunkt. Einige, die die Tarawih-Gebete verpasst haben und aus verschiedenen Gründen außer dem täglichen Fasten und den täglichen Pflichtgebeten nichts tun konnten, kommen jetzt dazu. Diese letzten zehn Tage sind die „Itikaf“-Tage. Jeder der durch weltliche Beschäftigungen sich von dem Gebet zu Allah teala abhalten ließ, sucht nun ein ruhiges Eckchen in der Moschee, wo er seine Zeit mit Bittgebeten und Andachten verbringen kann. Die König-Fahd-Moschee in Bosnien bietet mit seiner ganzen Schönheit Gelegenheit dazu. Es werden dort Nachtgebete organisiert und gemeinsam verrichtet. So ist nachts derselbe Anblick wie Tagsüber zu sehen. Die Zahl der Betenden nimmt gegen Ende des Monats Ramadan ziemlich zu, so dass sich eine riesige Menge vor der Moschee versammelt. Im Vergleich zu den Menschenmengen vor den verschieden großen Moscheen der ganzen Welt, bleibt die Zahl natürlich gering. Jedoch ist schon das für Bosnien etwas Besonderes. Die letzen zehn Tage, in denen die Nachtgebete verrichtet werden, versuchen alle ihre Zeit mit Gebete zu verbringen. Anstelle von Müßiggang und Nichtstun, werden jetzt Wege gesucht, die Zufriedenheit Allahs zu gewinnen.

 

Die Armen aus der Gesellschaft werden natürlich nicht vergessen. Die „Sadaqat-ul-Fitr“ dient als „Reinigung und Ausgleich“ und ist der Gegenwert einer einfachen Mahlzeit, die viele Menschen im Ramdan den Armen verteilen. Das Ende des Ramadans bringt sowohl Trauer als auch Freude mit sich. Man ist traurig über das Ende der Fastenszeit, freut sich aber über das „Id al-Fitr“ (Fest des Fastenbrechens).


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