Mittwoch 20. September 2006

Ramadan, Islam, Glaubenspraxis, Autoren, Ali Mete
Den Ramadan empfangen

Obwohl die so genannten gesegneten „Drei Monate“ in dieser Form in keiner Überlieferung anzutreffen sind, haben diese Monate in den muslimischen Gesellschaften eine besondere Bedeutung. Dies rührt zweifelsohne von der Anziehungskraft des Monats Ramadan her, „dem König der elf Monate“, wie er im türkischsprachigen Raum genannt wird.

Die gesegneten "Drei Monate"

Die Monate Radschab und Schaban, die 7. und 8. Monate des islamischen Kalenders, haben unter den restlichen Monaten eine insofern wichtige Funktion, als das sie Vorläufer und damit die Vorbereitungsphase für den Monat Ramadan sind. Im Laufe der Jahrhunderte und aufgrund einiger wichtiger Ereignisse, hat sich in vielen muslimischen Gesellschaften die Tradition der gesegneten „Drei Monate“ entwickelt und fest in der islamischen Kultur etabliert.

 

Um die Handlungen und Aussprüche des Gesandten Gottes (Friede sei mit ihm) richtig zu deuten, gilt es auch hier, die Grundideen seiner Lehre ganz zu verstehen.

 

In der Sure Kadr heißt es: Wir haben ihn wahrlich in der Kadr-Nacht (Nacht der Allmacht) herab gesandt. Und was lässt dich wissen, was die Kadr-Nacht ist? Die Kadr-Nacht ist besser als tausend Monate. In ihr kommen die Engel herab und der Geist, mit der Ermächtigung ihres Herrn, mit jeglichem (göttlichen) Beschluss, Friede ist sie, bis zum Anbruch der Morgendämmerung.“

 

Das heißt aber nicht, dass diese Nacht „gesegnet“ oder sogar „heilig“ ist, weil sie im Monat Ramadan liegt, genauer in einer der letzten zehn Nächte, sondern, weil in dieser Nacht die ersten Verse des Koran offenbart wurden. Der Koran, „der König der Bücher“, ist es, der diese Nacht „besser als tausend Monate“ macht. Der Mensch soll also, gemäß dem Gleichnis des auf den Mond zeigenden Fingers nicht auf den Finger, sondern auf den Mond sehen. Genauso verhält es sich mit den „drei Monaten“. Sie sind nicht wirklich „gesegnet“; und auch wenn, dann nur weil sie auf den Ramadan verweisen und vorbereiten. Deshalb betete der Gesandte Gottes, wenn der Radschab begann häufig: „O mein Herr! Segne die Monate Radschab und Schaban und lass uns den Ramadan erreichen.“

 

In diesem Rahmen müssen auch die „gesegneten Nächte“ gesehen werden, die, außer der Geburtsnacht des Gesandten Gottes, in diesen Monaten liegen: die Ragâib-Nacht, die Barâa-Nacht, die Mirâdsch-Nacht und die oben erwähnte Kadr-Nacht. Diese Nächte werden zu gemeinsamen Gottesdiensten und Versammlungen in Moscheen und individuellen Gebeten, Koranrezitationen und Bittgebeten genutzt.

 

Vorbereitung auf den Ramadan

Wie haben der Gesandte Gottes und seine Gefährten nun diese Monate verbracht und sich auf den Ramadan vorbereitet? Wenn man alle Überlieferungen bezüglich des Themas berücksichtigt, erkennt man, dass der Gesandte Gottes mit Beginn des Monats Radschab mehr fastete und Gebete verrichtete als im übrigen Jahr, was 15 Tage vor dem Ramadan seinen Höhepunkt fand. Dies war und ist nötig, um sich geistig auf den Ramadan vorzubereiten und vom Segen dieses Monats so viel wie möglich zu schöpfen.

 

Im Folgenden sollen einige Überlieferungen aufzeigen, wie der Gesandte Gottes und seine Gefährten diese drei Monate verbracht haben.

 

Aischa (ra) berichtet folgendes: „Der Gesandte Gottes fastete manchmal so oft, dass wir dachten „Diesen Monat wird er gar nicht mehr aufhören“ und manchmal aß er durchgehend, so dass wir dachten „Diesen Monat fastet er gar nicht mehr“. Ich habe ihn – außer im Ramadan – keinen Monat durchfasten sehen. Ich habe ihn auch nicht öfter fasten sehen, als im Schabân.“

 

Eine ähnliche Überlieferung kommt von Ibni Abbâs, der folgendes berichtet: „Der Gesandte Gottes fastete in manchen Jahren im Radschab so oft, dass wir dachten „Er wird das Fasten gar nicht mehr beenden“. In manchen Jahren fastete er so wenig, dass wir dachten „Er wird gar nicht mehr fasten“.

 

Usama (ra) überliefert folgendes: „Ich habe den Gesandten Gottes gefragt: „Ich sehe dich nicht öfter fasten als im Schaban, was ist der Grund dafür?“ Er antwortete: „Dies ist der Monat zwischen Radschab und Ramadan, an dem die Menschen achtlos vorbeigehen. Aber dieser ist ein Monat, in dem die guten Taten den Schöpfer erreichen. Ich habe es gern, dass meine Taten erhöht werden, während ich faste.“

 

Diese Überlieferungen verdeutlichen die Praxis des Gesandten Gottes, ohne aber eine Verbindlichkeit zu definieren. AbuDâwûd zieht aus dem ersten Hadis die Schlüsse, dass es erstens jemandem persönlich überlassen ist, im Schaban zu fasten und zweitens, dass das Fasten in diesem Monat im Vergleich zu den restlichen Monaten besonders verdienstvoll ist.

 

Diese Aussagen werden von folgender Überlieferung von Anas (ra) bestätigt: „Der Gesandte Gottes wurde gefragt: „Welches Fasten – nach dem Fasten im Ramadan – ist am verdienstvollsten?“ Der Gesandte Gottes antwortete: „Das Fasten im Monat Schaban, um den Ramadan zu empfangen.“ Er wurde wieder gefragt: „Welche Sadaka ist am verdienstvollsten?“ „Die Sadaka, die im Ramadan gegeben wird“, antwortete er.“

 

Somit liegt der Sinn des Fastens im Radschab und Schaban also in der geistigen Vorbereitung auf den Ramadan. Entsprechend haben der Gesandte Gottes und seine Gefährten in diesen Monaten mehr Zeit für das Lesen und Verstehen des Koran aufgebracht und sich intensiven freiwilligen (nächtlichen) Gebeten gewidmet.

 

Wir haben in diesem Text versucht, aufzuzeigen warum der Gesandte Gottes die so genannten „drei Monate“ besonders geschätzt und wie er sie verbracht bzw. sich auf den Ramadan vorbereitet hat. Dabei ist es wichtiger den Grund für diese Praxis herauszuheben, anstatt sich auf die Art und Weise der Vorbereitungen zu konzentrieren. Denn abgesehen davon, dass die Überlieferungen den „freiwilligen“ Charakter des Fastens im Radschab und Schaban sowie der Gebete bestätigen, sollte jeder überlegen, wie er sich gemäß seinen Umständen, aber – und das ist das Wichtigste – dem Ramadan angemessen, vorbereiten kann.

 

Der Begriff Sadaka wird gewöhnlich mit Almosen oder Spende übersetzt. Da diese Übersetzung jedoch zu eng ist und eine materielle Dimension aufoktroyiert, wird hier die arabische Bezeichnung benutzt. Sadaka ist insofern nicht nur mit materiellen Zuwendungen gleichzusetzen, als dass auch Gebetsformen, Verhaltensweisen und gottgefällige Handlungen bzw. Enthaltungen als Sadaka definiert werden.


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