Das Almosengeben, arabisch Infâk, bedeutet „beenden, auflösen, unterhalten, vollständig verbrauchen und in Armut sein.“ Dennoch wird dieser Begriff hauptsächlich für das „Geben von Geld oder Gut“ verwendet. In der religiösen Terminologie gebraucht man diesen Begriff für jede Wohltat, die für das Erlangen des Wohlwollen Allahs gemacht wird.
Obwohl Infâk in der Sure Isrâ, Vers 100 als Verarmung dargestellt wird: „Sprich: Besäßet ihr auch alle Schätze der Wohltätigkeit meines Herrn, wahrlich, ihr würdet damit knauserig sein, aus Furcht, zuviel auszugeben; denn der Mensch ist geizig“, wird das Wort in siebzig anderen Versen als Ausgeben gebraucht.
Dem islamischen Glauben nach ist der einzige Besitzer aller Eigentümer Allah. Der Mensch ist das Geschöpf, dem das Gut anvertraut wird. Jedes Treugut hat besondere Aufbewahrungsmethoden. Die Aufbewahrung vom Besitz geschieht, indem man einen Teil dessen abgibt. Denn im Koran heißt es: „… Und wenn welche von denen, die euere Rechte besitzt, eine Freilassungsurkunde begehren - schreibt sie ihnen, wenn ihr Gutes von ihnen haltet, und gebt ihnen von Allahs Gut, das Er euch gewährt…“ [24:33]; „Glaubt an Allah und Seinem Gesandten und spendet von dem, was Er euch zur Verfügung gestellt hat. Denn denjenigen von euch, welche glauben und spenden, ist großer Lohn bestimmt.“ [57:7]
Die unteren Verse der Sure Bakara weisen auf die Bedeutung des Gebens und die Art des Gebens des bestimmten Gutes hin. In erster Linie ermutigt man hier das Almosengeben. Denn wenn man den Geboten des Islams entsprechend die Almosen aufrichtig gibt, wird die Armut fast gänzlich bekämpft. Für die Gebiete, in denen keine ausreichenden Almosen gegeben werden, kommen die Stiftungen zum Einsatz.
„Die ihr Vermögen auf Allahs Weg ausgeben, gleichen einem Korn, das in sieben Ähren schießt, in jeder Ähre hundert Körner. Und Allah gibt doppelt, wem Er will, und Allah ist umfassend und wissend. Die ihr Vermögen auf Allahs Weg ausgeben und, nachdem sie gespendet haben, ihr Verdienst nicht herausstellen und keine Gefühle verletzen, die finden ihren Lohn bei ihrem Herrn. Keine Furcht wird über sie kommen, und sie werden nicht traurig sein. Freundliche Worte und Verzeihung sind besser als ein Almosen, dem Verletzendes folgt. Und Allah ist reich und milde. O ihr, die ihr glaubt! Entwertet euere Almosen nicht durch Vorhaltungen und Verletzen von Gefühlen, wie derjenige, der Geld spendet, um von den Leuten gesehen zu werden, und nicht an Allah und den Jüngsten Tag glaubt. Sein Gleichnis ist ein Felsen mit Erdreich darüber. Es trifft ihn ein Platzregen und lässt ihn hart. Sie richten mit ihren guten Werken nichts aus. Allah leitet nicht das ungläubige Volk.“ [2:261] [2:264]
Aus diesen Versen können wir diese Schlüsse ziehen: Das Geben soll in aller Ruhe und fern von fremden Augen geschehen, um das Wohlwollen Allah zu erlangen. Der Gebende soll sich davor hüten, dem Nehmenden die Ehre zu verletzen. Die Almosen sollen aus bestem und feinstem Gut sein. Die Gabe soll demjenigen dienen, der es am nötigsten hat. Ist jemand nicht Berufstätig sondern verbringt seine Zeit mit sozialen Aktivitäten bei einer Stiftung, die für die Menschen nützlich sind, haben auch diese das Recht Almosen zu bekommen. Aus diesem Grund sollte man es auch nicht vernachlässigen, Stiftungen und aktiven Menschen Almosen zu geben.
Die Verse „Und von ihrem Vermögen war ein Teil für den Bittenden und den verschämten Armen.“ [51:19] und „Und von deren Vermögen ein Teil, für den Bittenden und den verschämten Armen bestimmt ist…“[70:24] [70:25] zeigen dies in offener Weise.
Wenn wir diese Verse im Koran beachten, sehen wir, dass unser Besitz das Geschenk Gottes an uns Menschen ist. Wir sind genauer betrachtet nur die Treuhänder dieser Güter, denn der Rechthabene ist der eigentliche Besitzer aller Welten. Je mehr wir unseren Besitz rechtmäßig verwalten, desto mehr werden sich uns Möglichkeiten bieten, sagt der Besitzer allen Besitzes. Denn vom Besitz etwas zu geben, mindert nicht den Besitz, im Gegenteil er vermehrt sich. Allah sagt uns, dass er alles sieht und uns demnach belohnen wird: „… Und was ihr an Gutem spendet, das ist für euch selbst. Und spendet nicht, es sei denn aus Verlangen nach Allahs Angesicht. Und was ihr an Gutem spendet, soll euch erstattet werden. Und euch soll kein Unrecht geschehen.“[2:272]
Nach all diesen Versen und Hadîthen zufolge sehen wir, dass Allah von uns erwartet, das von ihm geschenkte Besitz für sein Wohlwollen weiterzugeben. Wie auch in dem Hadîth „Almosen zu geben, vermindert nicht den Besitz“ zu sehen ist, vermindern Almosen nicht den Besitz, sondern helfen bei seiner Aufbewahrung.
Daher sollten wir die wertvollen Ramadantage ausreichend nutzen. Lasst uns unseren Brüdern, die ein schwieriges Leben heute auf der Welt führen, helfen. Lasst uns ihr Leid ein wenig mit unseren Almosen lindern, um nicht zuletzt uns und unseren Besitz mit diesen Gaben zu schützen.
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Hier können Sie auszugsweise einen Blick in "Die Lehre des Islam" von Prof. Dr. Muhammed Hamidullah werfen. Das vorliegende Buch beinhaltet zwei Abschnitte von Prof. Hamidullahs Werk „Der Islam – Geschichte,Religion, Kultur".





























