Dienstag 17. Oktober 2006

Gemeinschaft, Deutschland, Islamrat
Islamrat und IGMG kritisieren Appell an muslimische Frauen, das Kopftuch abzulegen

IGMG Vorsitzender Karahan: Anstatt sich mit den Tüchern auf den Köpfen von muslimischen Frauen zu beschäftigen, sollten sich diejenigen, die dazu aufrufen, um die Bretter vor ihren eigenen Köpfen kümmern

Der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland und die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) kritisierten den Appell Deutsch-Türkischer Politiker an muslimische Frauen, als Zeichen ihrer Integrationsbereitschaft das Kopftuch abzulegen. Dies sei „ein Versuch der Bevormundung der muslimischen Frauen“, sagte der Ratsvorsitzende Ali Kizilkaya. Der Islam könne nicht über Assimilation integriert werden. Integration bedeute vielmehr, „dass man auch die Identität bewahren darf und soll“, so Kizilkaya.

 

Der Vorsitzende der IGMG Yavuz Celik Karahan bezeichnete den Appell als „ein Armutszeugnis für das Demokratie und Menschenrechtsverständnis“ . „Anstatt sich mit den Tüchern auf den Köpfen von muslimischen Frauen zu beschäftigen, sollten diejenigen, die dazu aufrufen, sich um die Bretter vor ihren eigenen Köpfen kümmern“, sagte der IGMG-Vorsitzende. Man könne nicht Menschen integrieren, indem man sie dazu aufruft, zuvor ihre Identität aufzugeben. „Politisch verantwortliches Handeln würde gebieten, diese Menschen mit ihren Unterschieden in die Gesellschaft zu integrieren. So muss man muslimischen Frauen das Gefühl geben, dass sie auch mit ihrem Kopftuch am öffentlichen Leben teilnehmen können. Nur dadurch könne die Integration gefördert werden, nicht durch Ausgrenzung“, so Karahan.  Der IGMG-Vorsitzende riet den Deutsch-Türkischen Politikern, sich mehr um die Kommunikation mit den Muslimen zu bemühen, um die tatsächlichen Hindernisse der Integration auf die Tagesordnung zu setzen, „anstelle sinnlose Aufforderungen über die Medien zu lancieren“.  

 

Deutsch-türkische Politiker hatten muslimische Frauen in Deutschland aufgefordert, als Zeichen ihrer Integrationsbereitschaft das Kopftuch abzulegen. Die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Ekin Deligöz, sagte: „Das Kopftuch ist ein Symbol der Frauenunterdrückung. Wer von Frauen verlangt, dass sie ihren Kopf und das Haar verhüllen, macht sie zu einem Sexualobjekt.“ Zu den muslimischen Frauen appellierte sie: „Kommt im Heute an, kommt in Deutschland an. Ihr lebt hier, also legt das Kopftuch ab!“

 

Mehmet Daimagüler, Ehrenvorsitzender der Liberalen Türkisch-Deutschen Vereinigung, sagte, jede Frau solle sich überlegen, ob sie sich von den Traditionen in Deutschland „bewusst abgrenzen möchte, wenn sie sich verschleiert oder Kopftuch trägt“. Lale Akgün von der SPD schloss sich dieser Aufforderung an. (hv)


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