Ob er wohl anders ist, der Ramadan in Istanbul. Letztendlich ist man derselbe Mensch, formell ist es dasselbe Fasten, also so unterschiedlich kann es nicht sein. Ich hatte bisher nicht die Möglichkeit, einen Ramadan in der Türkei zu verbringen. Doch wahrlich, es ist ein anderer Ramadan, dem man in Istanbul begegnet.
Es ist Sahur-Zeit, als ich meinen Fuß auf Istanbuler Boden setze. Ich bin noch rechtzeitig zu Hause, um einige Happen zu mir zu nehmen. Alles ist wie sonst, würde ich das Essen diesmal nicht mit einem süßen Schauer beenden, der mit über den Rücken läuft. Nicht der obligatorische Blick auf die Uhr beendet das Essen und läutet die Fastenzeit ein. Es sind die Stimmen der Muazzine, die draußen zum Azân ansetzen und nicht nur die Luft vor dem Fenster, sondern auch mein Herz erbeben lassen.
Erinnerungen an einige Hadîthe werden vor meinem inneren Auge wach. Hadîthe, in den Prophetengefährten von ihren Ramadantagen berichten. Wie sie diese begannen, mit dem Azân und beendeten mit dem Azân. Öfter mal hatte ich diese Überlieferungen gelesen, doch nie waren sie so lebendig wie jetzt. Und nie war das eigene Erleben so nah an diesen Erzählungen dran. Der bisherige Blick auf die Uhr kühlte wohl diesen Moment des Fastenbeginns immer etwas ab. Er machte ihn zu etwas Mechanischem. Vom Muazzin an den Eintritt der Imsâk-Zeit erinnert zu werden, ist jedoch viel lebendiger und wärmer. Es gibt eine richtige Zäsur zum Fasten, das somit mit den Lobpreisungen im Azân, dem Glaubenskenntnis, dem erneuten bewusst werden Allah tealas beginnt. Es ist nicht der mechanische Zeigerschlag, der das Fasten einleitet.
Es zieht mich zum Fenster und dort überwältigt mich dieser Moment erst recht. Vor mir liegt eine Millionenstadt, die endlich etwas zur Ruhe gekommen ist, ihre Hektik verloren hat. In diese Ruhe hinein erschallt von allen Seiten der Gebetsruf in die ersten Momente der Morgendämmerung hinein. Es erscheint paradox, aber die Stimmen stören diese Ruhe nicht, sie festigen sie nur noch mehr.
Es ist jedoch nicht nur dieser Azân, der die Gläubigen hier von der Gängelleine der Zeit lässt. Den ganzen Tag über stehen die Azane zu den verschiedenen Gebetszeiten den Gläubigen bei. Hier ist es nicht der überexakte Sekundenzeiger, der die Zeit des Gebets bestimmt. Die Seele ist nicht allein in ihrem Kampf gegen die innere Ignoranz und Beiläufigkeit. Nie fiel das Aufbrechen zum Gebet leichter als nach solch einer innig vorgetragenen Einladung. Ein besonderer Moment ist es, wenn diese Einladung den Gläubigen im Freien, vor einer Moschee erreicht. Der Körper kann dann kaum mit dem Streben des Herzen mithalten, so schnell wie dieses durch die Pforte des Gotteshauses treten will.
Das Fasten intensiviert diesen Gefühlszustand nur noch mehr. Die Erregung, die mit dem Azân eintritt, legt sich erst mit dem ersten Schritt in die Moschee. Ein angenehmer, warmer Luftzug streicht über die Seele, ein Sog des Willkommenseins zieht mich weiter und weiter in das Innere des alten Gemäuers. Die Hektik der Straße bleibt draußen vor der Tür zurück. Umgeben von einer heiligen Ruhe wende ich mich gen Mekka. Die Hände fahren zum eröffnenden Takbir in die Höhe. Nun bin ich vollends allein, nur ich und mein Schöpfer. Allein stehe ich vor ihm, doch nicht einsam. Hoffnung durchfließt meine Seele, und Zuversicht. Und immer wieder gibt mir der Azân die Möglichkeit, vor den Herrn zu treten.
Zur Neige geht der Fastentag so, wie er begonnen hat. Nicht die Blicke zum Handgelenk bestimmen diese letzten Momente, kein Blick schweift zur Uhr an der Wand. Ich weiß gar nicht, ab welcher Minute genau ich wieder Essen darf, noch nach welcher 59. Sekunde ich zur Dattel greifen kann. Am Tisch sitzend, die Augen geschlossen, schweifen meine Gedanken zum Azân für das Abendgebet, an seine Worte, an das Gebet in diesem. Nicht Ungeduld, sondern Zufriedenheit ist das vorherrschende Gefühl – und Dank für diesen wertvollen Fastentag. Das Allâhu akbar des Azâns ist es, das mich wieder an den Tisch holt. Der Fastentag ist zu Ende. Begonnen hatte er mit einem Allâhu akbar und der Absicht, den Tag über für Allah zu fasten, geendet hat er wieder mit einem Allâhu akbar und dem Dank an den Herrn für diesen, aber auch für all die anderen Tage.
Am 3. Oktober 2011 findet der bundesweite "Tag der offenen Moschee" statt. Unsere Sonderseiten zum...
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Hier können Sie auszugsweise einen Blick in "Die Lehre des Islam" von Prof. Dr. Muhammed Hamidullah werfen. Das vorliegende Buch beinhaltet zwei Abschnitte von Prof. Hamidullahs Werk „Der Islam – Geschichte,Religion, Kultur".





























