Der Sprecher des Koordinierungsrats der Muslime und Vorsitzender des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland, Ali Kizilkaya, hat in einem Interview mit Cicero Online vor einem Rechtsruck der Volksparteien gewarnt.
Kizilkaya erklärte, dass die Leitkulturdiskussion in allen Parteien heftig geführt werde. Auch Parteien, die in Wirtschafts- und Sozialfragen linke Positionen vertreten, rückten in sicherheitspolitischen oder Integrationsfragen häufig nach rechts. „Es sind zwei paar Dinge: Ich kann zur selben Zeit für die Anhebung des Hartz IV-Regelsatzes oder die Rente mit 67 sein und für eine Leitkultur“, betonte Kizilkaya.
Als neuer Sprecher des Koordinierungsrats der Muslime bezeichnete Kizilkaya seine Aufgabe als Schaffung einer islamischen Religionsgemeinschaft, „die mit allen Rechten und Pflichten den großen christlichen Kirchen gleichgestellt ist.“ Der Koordinierungsrat verstehe sich als Vorläufer einer solchen rechtlich anerkannten Religionsgemeinschaft, sagte Kizilkaya. Er wies auch auf die Notwendigkeit von Institutionen hin, in denen Imame und Religionslehrer ausgebildet werden. „Deswegen arbeiten wir daran, als Religionsgemeinschaft voll anerkannt zu werden in Deutschland, um die Dinge umsetzen zu können.“
Dabei hätten die Muslime Respekt etwa vor den Zeichen christlicher Religiosität. „Sie zeigen, dass andere Menschen Freude an ihrer Religion haben“. Eine Diskussion, ob es Muslime stört, wenn ihre Kinder unter einem Kreuz im Klassenzimmer sitzen, sei „herbeigeredet“.
In dem Interview bezeichnet der KRM-Sprecher die Zusammensetzung der Teilnehmer der Islamkonferenz als „nicht unbedingt zielführend.“ Die Initiierung der Islamkonferenz zeige aber, dass der Islam und die Muslime in der Wahrnehmung der Politik angekommen seien. Kizilkaya sieht darin das Bemühen der Politik, die Muslime in Deutschland zu integrieren. (sa)
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