Bei dem ersten „Johannes-Rau-Gespräch“ in Berlin sprach sich der nordrhein-westfälische Ministerpräsident, Jürgen Rüttgers, für ein besseres Verhältnis zwischen christlich-jüdischer und muslimischer Tradition in Deutschland aus. Als Beispiel nannte er das heutige Verhältnis von „Christen und Juden, Deutschen und Israelis“. Der Koordinationsrat der Muslime (KRM) schloss sich unterdessen der gemeinsamen Erklärung gegen Antisemitismus und Rechtsradikalismus an.
Anlässlich des ersten Johannes Rau-Gesprächs in Berlin hat Ministerpräsident Jürgen Rüttgers unter dem Leitwort „Ohne Angst – Zusammenleben von Kulturen und Religionen“ zu aufrichtiger Toleranz zwischen den Religionen und Kulturen aufgerufen. Er sei überzeugt, dass „uns das Miteinander, das Zusammenleben der Kulturen und Religionen“ gelingt.
Er habe jedoch „ein Problem mit der Gleichgültigkeit“, wenn sich auf Bühnen oder im Fernsehen „maßlos über Religion lustig gemacht wird, wenn Glaube verspottet wird.“ Die Verhöhnung der Religion werde dann schnell im Namen der Presse- und Meinungsfreiheit gerechtfertigt. „Aber Freiheit muss gegründet sein in Redlichkeit und in Respekt. Sie muss verantwortet sein und verankert“, forderte Rüttgers. Wer ein ernsthaftes Interesse am Zusammenleben der Kulturen und Religionen habe, so der NRW-Ministerpräsident, „der muss wieder stärker diese aus Freiheit erwachsende Verantwortung erkennbar machen.“
„Wo Angst ist – da kann Zukunft nicht wachsen“
Notwendig sei eine Diskussion darüber, wo die „Berührungspunkte unserer christlich-jüdischen Traditionen mit dem Koran sind“, sagte der CDU-Politiker. Verunsicherung und Resignation im Hinblick auf die Muslime müsse abgebaut werden. „Wir haben diese Angst in bestimmten Bereichen überwunden im gemeinsamen Gespräch der Christen und Juden, im gemeinsamen Gespräch der Deutschen und Israelis“, so Rüttgers. Dies sei der Weg, „den wir nun weitergehen müssen und weitergehen wollen.“ Dies sei eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet (CDU) wies auf dem Podium die Kritik an den Bau von repräsentativen Moscheen erneut zurück. „Den Kölner Dom samt Pfarrzentrum, Familienbildungsstätte und Kindergarten würde auch niemand als Zeichen einer katholischen Parallelgesellschaft betrachten“, sagte er laut Tageszeitung „Rheinische-Post“. Seyran Ates habe die neueröffnete Duisburger Moschee zuvor als „muslimische Parallelgesellschaft“ bezeichnet. Laschet habe die Muslime ferner mit den folgenden Worten gegen einen Generalverdacht verteidigt: „Was habe ich denn als Katholik damit zu tun, wenn die katholische IRA in Irland Bomben legt?“
„Nie wieder dürfen Menschen aufgrund zugeschriebener oder tatsächlicher Merkmale diskriminiert oder verfolgt werden."

In einer Gemeinsamen Erklärung haben unter anderem Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers, Dr. h.c. Harry Radzyner als Vertreter der Jüdischen Landesverbände und Erol Pürlü für den Koordinationsrat der Muslime in Deutschland, die bleibende Verpflichtung betont, die Deutschland und Nordrhein-Westfalen aus der Zeit des Nationalsozialismus erwächst. Das Manifest, der von den Vertretern der wichtigsten gesellschaftlichen Gruppen im Anschluss an einen Festakt im Landtag sowie eine Kranzniederlegung an der Alten Synagoge in Düsseldorf unterzeichnet wurde, diene der Erinnerung an den Holocaust, als „verpflichtendes, bleibendes Erbe“. Dieses Erbe sei für das Selbstverständnis Deutschlands konstitutiv. Man werde allen Bestrebungen entschieden entgegentreten, mit denen die Ereignisse verharmlost und das Erinnern an sie verdrängt werden.
Weiter heißt es in der Gemeinsamen Erklärung, dass auch in einem von Zuwanderung geprägten Deutschland und in einer sich globalisierenden Welt „die Schwere sowie die bleibende Bedeutung und Aktualität dieses Erbes“ und die daraus erwachsende Verantwortung angenommen werden. Nie wieder dürften Menschen aufgrund zugeschriebener oder tatsächlicher Merkmale diskriminiert oder verfolgt werden.
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers zeigte sich dankbar für die Einigkeit, die es zu diesem Thema über alle Grenzen hinweg gebe. „Es ist ein bedeutsames Signal, dass sich auch der Koordinationsrat der Muslime dieser Erklärung anschließt. Das zeigt, dass wir in Nordrhein-Westfalen - über alle Unterschiede des Glaubens und der Herkunft hinweg – einig darin sind, das Erinnern an den Holocaust als unser verpflichtendes Erbe anzuerkennen.“ (sa)
Am 3. Oktober 2011 findet der bundesweite "Tag der offenen Moschee" statt. Unsere Sonderseiten zum...
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