Dienstag 22. Juni 2010

Deutschland
Halal-Markt in Deutschland entwickelt sich langsam

In einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung werden die Gründe durchleuchtet, warum der Halal-Markt in Deutschland trotz des weltweiten Booms bisher kein Fuß fassen konnte. Zum einen sei es auf die Ressentiments der Mehrheitsbevölkerung zurückzuführen, zum anderen auf die Skepsis der muslimischen Verbraucher.

Der weltweite Umsatz im Halal-Bereich habe sich von 150 Milliarden Dollar im Jahr 2002 auf 630 Milliarden Dollar 2009 mehr als vervierfacht. Der Nestlé-Konzern, der schon in den Achtzigern in das Halal-Geschäft einstieg, habe inzwischen 85 seiner insgesamt 456 Fabriken von islamischen Fachleuten zertifizieren lassen. Die Lebensmittelwirtschaft bejubele den Halal-Markt, von dem es zu profitieren gelte.

 

Doch in Deutschland ist von dem weltweiten Boom bisher wenig zu spüren. Das liegt jedoch nicht nur an den strengen Halal-Kriterien, heißt es in dem Bericht. Denn Halal-Produkte müssen nicht nur frei von Schweinefleisch und Alkohol sein, sondern auch von Schweinederivaten oder Spuren von Alkohol. Auch dürfen die Produkte nicht mit Schweine-Genen kontaminiert werden.  

 

Auch bei der Vermarktung gebe es Schwierigkeiten. Einzelne Hersteller oder Handelsketten wie Aldi, die einzelne Halal-Produkte mit der Halal-Zertifizierung kennzeichneten, ernteten Proteste von ihren Kunden. Daraufhin nahmen sie die Halal-Produkte aus dem Sortiment oder verzichteten auf den Halal-Stempel auf dem Produkt. Verwiesen wird ferner auf Internetforen, die offen zum Protest gegen Händler und Hersteller von Halal-Food aufrufen. Aldi-Süd habe zum Beispiel ein Halal-Produkt aus dem Sortiment genommen, nachdem die Kunden-Hotline mit Beschwerden überschwemmt worden sei.

 

Ein weiterer Grund für die zögerliche Vermarktung in Deutschland sei die Skepsis der Muslime. Diesem Problem wollen die Herstellerfirmen durch Nutzung von Ethnomarketing-Strategien entgegenwirken. Ethnomarketingsfirmen sollen in türkischen Medien gezielt Werbung für die Halal-Produkte machen, um das Vertrauen der türkischen Muslime zu gewinnen, die in Deutschland die größte Zielgruppe des Halal-Markts ausmachen. So wurde für die Einführung von Haribo-Goldbären, die in der Türkei hergestellt wurden und ausschließlich Rindergelatine enthalten, von einer großen Werbekampagne der Firma Ethno IQ in türkischsprachigen Medien begleitet. Mit Ethnomarketing erreiche man die Verbraucher gezielt „ohne dass man damit seine Kernzielgruppe behelligt“, sagte der Geschäftsführer von Ethno IQ, Engin Ergün. (fy)


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