Freitag 07. Oktober 2005

International
Wachsende Nachfrage nach Scharia-konformen Anlagen

Immer mehr westliche Banken reagieren auf die wachsende Nachfrage der Muslime nach islamischen Anlagen

Die wachsende Nachfrage nach Scharia-konformen Anlagen unter Muslimen bewegt viele westliche Banken dazu, laufend neue Bankdienstleistungen und Produkte zu lancieren, die den islamischen Religionsgesetzen entsprechen. Auch viele Nichtmuslime sind an den islamischen Finanzprodukten interessiert.

An einer Euroforum-Tagung zum islamischen Bankwesen in Zürich erläuterte Nizar Alshubaily, Global Head of Islamic Finance der Deutschen Bank, dass das Emissionsvolumen der islamischen Anleihen, den so genannten Sukuks, bereits 6,7 Mrd. Dollar beträge. Zudem befänden sich Emissionen im Gesamtumfang von mindestens weiteren 1 bis 2 Mrd. Dollar in Vorbereitung, sagte Alshubaily. Mittlerweile emittieren staatliche, parastaatliche und private Schuldner islamische Anleihen. Unter ihnen auch das deutsche Bundesland Sachsen–Anhalt.

Genau genommen handelt es sich bei den Sukuks um eine Art Beteiligungen von Investoren an Besitztümern des „Schuldners“, die Einkünfte abwerfen, welche an den Sukuk-Halter weitergegeben werden. Wenn islamische Banken Kredite vergeben, werden sie zu Miteigentümern an der beliehenen Sache und bekommen deshalb Gewinnanteile. Die Kontoinhaber zählen zu Miteigentümern an Teilen der Bank und bekommen statt Zinsen Gewinnanteile.

Hierbei werden einige verbindliche Richtlinien der Scharia beachtet. Dazu gehören ein Verbot von Zinsen („riba“), ein Verbot von Einzahlungen, wenn unsicher ist, ob je Erträge zurückkommen („gharar“; führt zu einem Verbot von Versicherungen nach westlichem Standard) und ein Verbot von Glücksspielen („maysir“; führt zu einem Verbot von Derivaten). Außerdem dürfen sich Muslime an keine Unternehmen beteiligen, die an Alkohol, „unsauberen“ Lebensmitteln wie Schweinefleisch oder an Glücksspielen verdienen. Versicherungsgesellschaften, konventionelle Banken und stark fremdfinanzierte Unternehmen, sollten ebenfalls vermieden werden.

Da aber nicht alle Anlageprodukte bei den muslimischen Religionsgelehrten unumstritten seien, entscheide im Einzelfall ein Scharia-Board, eine Kommission muslimischer Religionsgelehrter, was als rein („halal“) gelte, erklärte Mohd Daud Bakar, Präsident und CEO des International Institute of Islamic Finance in Kuala Lumpur.

Deshalb müssten die Anbieter von islamischen Finanzdienstleistungen, um glaubwürdig zu sein, mit einem Scharia-Board zusammenarbeiten, so Daud Bakar.

Islamische Banken machen zurzeit nur einen kleinen Teil des internationalen Bankwesens aus. Es gibt 275 Institute in 80 Ländern, die rund 300 Mrd. Dollar an Vermögenswerten verwalten. Der Markt für die islamischen Anleihen wächst jedoch jährlich um 20 bis 25 Prozent. Viele westliche Banken reagieren darauf mit islamischen Tochtergesellschaften oder bieten Anlagekunden nach Bedarf Scharia-konforme Investitionsmöglichkeiten an. Auch der Index-Anbieter Dow Jones führt eine Serie islamischer Aktienindizes, in die er nur „halal“-Unternehmen aufnimmt.

Eine Umfrage ergab, dass Scharia-konforme Finanzprodukte vor allem bei jungen Muslimen beliebt sind. 90 Prozent der 6000 Befragten hielten Scharia-konforme Finanzgeschäfte für wichtig und 65 Prozent würden sogar islamische Anlageprodukte kaufen, auch wenn sie dadurch weniger verdienen würden als bei konventionellen Geschäften. (hv)


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