Mittwoch 15. Juli 2009

Deutschland
Kretschmann: Kopftuch wird durch Verbote stigmatisiert

Während Entsetzen und Trauer über den Tod der Ägypterin Marwa anhalten, werden Fragen zu den Hintergründen der Tat und der zunehmenden Islamfeindlichkeit in Deutschland laut. Grünen-Fraktionsvorsitzende Winfried Kretschmann zufolge tragen Kopftuchverbote zur Stigmatisierung des Kopftuchs bei, was im Fall der Ägypterin tragische endete. Die Berliner Erziehungswissenschaftlerin und Forscherin Iman Attia sieht dies ähnlich und beruft sich auf Ergebnisse der Untersuchungen über antimuslimischen Rassismus in Deutschland.

In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau sagte Kretschmann Kopftuchverbotsgesetze würden nicht nur zur Stigmatisierung beitragen sondern auch die Ausgrenzung von kopftuchtragenden Musliminnen in der Gesellschaft zufolge haben.  Der Grünen-Politiker hatte sich bereits 2006 gegen ein generelles Kopftuchverbot ausgesprochen und die Entpolitisierung des Kopftuchs gefordert.

 

Auf die Frage, ob die Entpolitisierung gelungen sei, antwortete der Politiker:  „Bei den Kopftuchträgerinnen jedenfalls kann ich ganz klar feststellen, dass das Kopftuch entpolitisiert ist. Ich hatte unlängst eine Veranstaltung mit gut hundert jungen Kopftuchträgerinnen. Es ist ganz eindeutig, dass diese jungen Frauen das aus religiösen Gründen tragen, aus Gründen ihrer eigenen Identität. Und dass es mit einem politischen oder extremistischen Islam für diese Frauen nichts zu tun hat.“

 

Die Folgen des Verbots seien „fatal“. So erschwere es die berufliche Situation und den Alltag der Musliminnen, verletze das Gleichbehandlungsgesetz und stigmatisiere.  

 

Auch der Berliner Forscherin Iman Attia zufolge sind die muslimischen Frauen die größten leidtragenden der islamfeindlichen Haltung in Deutschland. „Leider müssen diese Frauen damit rechnen, öffentlich bemitleidet, beleidigt und angepöbelt zu werden. Untersuchungen zeigen, dass sie es schwerer haben einen Ausbildungsplatz- oder selbst wenn sie studiert haben- eine Arbeitsstelle zu bekommen.“, so Attia. Insgesamt habe Islamfeindlichkeit in Deutschland zugenommen bekundete sie ferner und berief sich dabei auf die Studien der Antidiskriminierungsstelle des Europäischen Rats und des Bielefelder Soziologen Wilhelm Heitmeyer. In Heitmeyers Studie aus dem Jahre 2007 gaben 60 % der Befragten an, der Islam passe „überhaupt nicht“ oder „eher nicht“  in „unsere westliche Welt“ und lasse sich nicht mit europäischen Werten vereinbaren.

 

Eine weitere Beobachtung sei, dass alle möglichen Verhaltensweisen mit dem Islam in Verbindung gebracht würden. So werde beispielsweise der Islam oder die Herkunft für den schlechten Bildungsstand der muslimischen Kinder verantwortlich gemacht, aber nicht das deutsche Bildungssystem. (fy)


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