In einer gemeinsam veröffentlichten Broschüre der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung und der Integrationsbeauftragten des Landes Berlin, bezeichnet die Berliner Senatorin Dr. Heidi Knake-Werner die Bekämpfung von Ungleichbehandlungen gegenüber muslimischen Frauen als ein politisches Ziel des Senats. Kritiker wie Seyran Ates beanstanden nun, das Kopftuch tragende Frauen als Opfer dargestellt würden.
Tatsache sei, „dass Musliminnen aufgrund des Kopftuchs immer wieder auf Unverständnis sowie Vorurteile stoßen und gerade auch im Erwerbsleben manifeste Benachteiligungen und Diskriminierungen erfahren“, so die Berliner Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Dr. Heidi Knake-Werner. Speziell muslimische Frauen mit Kopftuch würden oft pauschalisierend als unemanzipiert und als nicht integriert bezeichnet. Vielerorts würden sie aufgrund ihres Kopftuchs sogar auf Ablehnung stoßen. Beispiele von Diskriminierungserfahrungen, die der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung bekannt geworden sind, zeigten, dass in den letzten Jahren diese Ablehnung auf erschreckende Weise zugenommen hat.
Mit der Broschüre, die seit Juli bei der Senatsverwaltung für Integration erhältlich ist, beabsichtigt Knake-Werner, „über Diskriminierungen Kopftuch tragender Frauen aufzuklären und Perspektiven für die Handlungsebene zu entwerfen“. Ferner soll den betroffenen Frauen Mut gemacht werden, damit sie sich besser gegen Diskriminierungen zu Wehr setzten und ihre Rechte einfordern können. Auch soll zur Verbesserung ihrer gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Partizipation beigetragen werden. Dabei beruft sich die Senatorin auf das Grundgesetz sowie auf diverse EU-Richtlinien und spezialgesetzliche Regelungen auf Bundesebene.
Tragen des Kopftuchs vordringlich religiös begründet
Kritiker wie Seyran Ates oder die frühere Präsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses und Schulsenatorin Hanna-Renate Laurien lehnen den Einsatz von Knake-Werner für die Gleichbehandlung von muslimischen Frauen strikt ab. Sie begründen ihre Ablehnung mit dem Hinweis, dass etwa das Kopftuch kein religiöses, sondern ein politisches Symbol sei. Weiter wird ausgeführt, dass ein Kopftuch Zwang und Unterdrückung bedeute.
Die der Broschüre zugrunde gelegenen Befragungen von muslimischen Frauen ergeben dagegen, dass für viele muslimische Frauen das Tragen des Kopftuchs das Ergebnis eines „individuellen Entscheidungsprozesses“ ist. Für viele Frauen sei das Tragen des Kopftuchs vordringlich religiös begründet, gemäß ihrer Interpretation des Islams, die das Tragen des Kopftuchs vorschreibt. Die Ergebnisse der Studien belegten, dass die häufig vertretene Annahme, dem Tragen des Kopftuchs liege immer Unterdrückung oder Zwang zugrunde, sich so nicht halten lässt.
Wie der Broschüre weiter zu entnehmen ist, zeigen Ausführungen von befragten Musliminnen, dass eine pauschalisierende Betrachtung oder Beurteilung der Komplexität der Thematik nicht gerecht wird und weder zum Abbau der tatsächlich bestehenden Diskriminierung Kopftuch tragender Frauen beiträgt, noch der Schaffung von Gegebenheiten zuträglich ist, die jeder Frau eine selbstbestimmte Entscheidung ermöglichen. (sa)
- Dateien:
Mit_Kopftuch_aussen_vor.pdf
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Diskriminierung
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