Mittwoch 03. Februar 2010

Deutschland, Gemeinschaft, Islam
Muezzinruf als hörbares Signal der Integration

Die Stadt Rendsburg hat am Dienstag dem Islamischen Zentrum in Rendsburg den Gebetsruf erlaubt. Die Genehmigung gilt für fünf Gebetsrufe täglich in der Zeit von 06.00 Uhr bis 22.00 Uhr. Die Parteien begrüßten die Rendsburger Entscheidung.

Damit werde dieser Teil der Religionsausübung der Muslime auch Teil der Normalität in Rendsburg, wie er schon jahrelang Teil des Alltags in Neumünster ist. Es habe keine sachlichen Argumente, die ein Verbot oder eine Einschränkung über die Nachtruhezeit hinaus gerechtfertigt hätten, gegeben. „Die pragmatische Lösung in Rendsburg ist ein Zeichen der Toleranz gegenüber religiös Andersgläubigen. In einer freiheitlichen Gesellschaft muss es möglich sein, dass Menschen ihren religiösen Riten folgen können, zumal dann, wenn diese die Gemeinschaft nicht beeinträchtigen. Dies kann in Rendsburg nun geschehen. Die Stadt ist damit Vorbild für andere“, betonten die beiden SPD-Politiker. Die integrationspolitische Sprecherin der Grünen, Luise Amtsberg, hofft, dass die Diskussion über die Zulässigkeit des Rufs nun ein Ende hat. „Denn die eigentliche Arbeit fängt erst jetzt an. Die erhitzten Rendsburger Gemüter sollten nun in einen interkulturellen Dialog treten - mit allen Beteiligten, aber ohne Scheuklappen.“

 

Der innen- und rechtspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Gerrit Koch, bezeichnete den Ruf des Muezzin in Rendsburg als „ein hörbares Signal für Toleranz und Integration in Schleswig-Holstein.“ In der heutigen Zeit müsse auch der Ruf zum islamischen Gebet ein Teil der Normalität in unserer Gesellschaft sein, sagte Gerrit Koch.

 

Auch die kirchenpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Herlich Todsen-Reese, erklärte, dass es ihrem demokratischen Grundverständnis entspreche, „dass auch die islamischen Gemeinden in unserem Land offen und vor allem öffentlich leben dürfen.“ Die Reaktion der Bevölkerung zeige jedoch, dass noch ein weiter Weg des Dialogs vorliegt, bis die Integration wirklich gelingen kann. „Ich hoffe deshalb, dass der Muezzin die Gläubigen nicht nur zum Gebet ruft, sondern sich auch in der Moschee kraftvoll für den Dialog einsetzen wird“, so die CDU-Politikerin. Nur wenn alle aufeinander zugehen, könne Integration gelingen. (sa)


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