Für Muslime ist der Ramadan eine ganz besondere Zeit. Es ist der Monat des Jahres, indem unsere Bittgebete (Duâ) erhört und angenommen und Gottesdienste (pl. Ibâdât) besonders hoch vergolten werden. Vor allem die Bittgebete vor dem Iftâr haben bei Gott einen hohen Stellenwert, wie uns der Gesandte Gottes in einem Hadîth mitteilt: „Das Bittgebet dreier Personen wird nicht zurückgewiesen: 1. Das Bittgebet des Fastenden vor dem Iftâr, 2. Das Bittgebet des gerechten Herrschers, 3. Das Bittgebet des Unterdrückten.“ (Tirmizî, Daawât, 128)
Der Ramadan ist eine Zeit des Teilens. Gleichzeitig behebt er unsere Zerstreutheit; die Zerstreutheit unseres Verstandes, unserer Sinne und Gedanken, unserer Seele und sogar unseres Körpers. Der Ramadan stärkt vor allem unsere familiären und verwandtschaftlichen Beziehungen. Dies ist vor dem Hintergrund der immer schwächer werdenden Bedeutung von Familie von besonderer Bedeutung.
Fastende zum gemeinsamen Iftâr einzuladen ist nicht nur eine Wohltat, sondern eine von uns nicht zu vernachlässigende Tradition. Demnach sollte sich jeder nach Kräften bemühen, Fastende zum Iftâr in seinem Haus oder Auswärts zu bewirten. Der Gesandte Gottes sagte: „Wer einen Fastenden zum Fastenbrechen einlädt, wird belohnt wie der Fastende selbst. Die Belohnung des Fastenden wird nicht vermindert.” (Tirmizî, Sawm, 82, (807); Ibni Mâdscha, Sijâm, 45, (1746))
Inspiriert von diesem Ausspruch des Propheten haben die Muslime stets versucht, Fastenden ein angenehmes Fastenbrechen zu ermöglichen, um sich die Belohnung, die der Gesandte Gottes verspricht, zu sichern. In den Armenküchen der Osmanen wurden im Ramadan mehr Speisen angeboten als sonst, und auch heute steigt im Ramadan die Vielfalt der Speisen. Dieser Umstand ist nicht zuletzt ein Zeichen der Spenden, die den Armen und Bedürftigen zugute kommen. Die Beziehungen, die in dieser gesegneten Atmophäre und Zeit geknüpft werden, sind der Grund für die freundschaftlichen Beziehungen über das ganze Jahr hinaus.
Eine der vielen Weisheiten hinter dem Gebot des Fastens ist, dass die wohlhabenden Fastenden sich in die Situation bedürftiger Menschen versetzen, um ausgehend von dieser Erfahrung die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, damit soziale Gerechtigkeit hergestellt werden kann. Einen Tag lang hungernd auszuharren, die Situation von mittellosen Menschen zu verinnerlichen und am Abend zu vergessen, woran man den ganzen Tag über gedacht hat und sich mit Essen quasi vollzustopfen, ist ein zutiefst widersprüchliches Verhalten.
Seit etwa fünfzig Jahren leben muslimische Minderheiten in Europa und versuchen hier ihren Glauben zu leben, indem sie unter anderem Moscheen errichten. Obwohl der Islam auch vor der Arbeitsmigration in Europa vorhanden war, konnten islamische Begriffe und Traditionen aus verschiedenen Gründen keinen Eingang in die europäische Kultur finden. Erst mit der Migration von Muslimen nach Europa konnte der Islam differenzierter wahrgenommen werden.
In diesem Sinne haben zahlreiche muslimische Traditionen vor allem in Westeuropa Fuß gefasst. Eines dieser Traditionen sind die Iftâr-Essen. Nahezu in jede Moschee werden sowohl Muslime, als auch Nichtmuslime zu den Iftâr-Essen eingeladen. Die Erfahrung zeigt, dass diesen Einladungen gerne Folge geleistet wird. Die Iftâr-Einladungen sind auch eine gute Gelegenheit, die Gemeinde vorzustellen. Es besteht die Möglichkeit, mit Vorurteilen gegenüber dem Islam und den Muslimen aufzuräumen. Die Iftâr-Einladungen sind geradezu ein lebendiges Beispiel dafür, dass das Fasten nicht einfach „Hungern“ bedeutet.
Die Gemeinden laden insbesondere Personen des öffentlichen Lebens zum Iftâr ein. Zu diesen Veranstaltungen sollten jedoch auch Nachbarn und andere eingeladen werden, um ihnen die Kultur der Muslime vorzustellen und einen Einblick in das muslimische Gemeindeleben zu geben. Außerdem sollten neben den muslimischen Gästen auch nichtmulimische Freunde und Kollegen zum Iftâr in das private Heim eingeladen werden, um sie besser kennenzulernen, sich besser vorzustellen und sie den Segen des Ramadan fühlen zu lassen.
Eine andere Tradition, die sich mittlerweile in zahlreichen Städten etabliert hat, sind die Iftâr-Zelte. Diese sind ein wahres Symbol für Geschwisterlichkeit und Eintracht. Die Muslime und ihre Gemeinden, die diese Tradition pflegen, sind sich der Wirkung ihres Dienstes bewusst. Eine schöne Entwicklung ist auch, dass die Iftâr-Zelte in Zusammenarbeit von verschiedenen muslimischen Gemeinden organisiert werden. All diese Bemühungen zeigen, wie der Segen des Ramadan Menschen aus verschiedenen Religionen und Kulturen zusammenbringt.
Darüber hinaus demonstrieren diese Entwicklungen auch, dass die Muslime dank dieser Erfahrungen folgenden Hadîth besser zu verstehen begonnen haben: „Das gültige Fasten ist jenes, dass ihr gemeinsam fastet. Das gültige Iftâr-Essen ist jenes, das ihr gemeinsam esst. Das gültige Opfer ist jenes, dass ihr gemeinsam darbringt.“(Tirmizî, Sawm, 11, (697); Abû Dâwûd, Sawm, 5, (2324)) (am)
Am 3. Oktober 2011 findet der bundesweite "Tag der offenen Moschee" statt. Unsere Sonderseiten zum...
Diskriminierung
Keine Nachrichten in dieser Ansicht.
Publikationen
Hier können Sie auszugsweise einen Blick in "Die Lehre des Islam" von Prof. Dr. Muhammed Hamidullah werfen. Das vorliegende Buch beinhaltet zwei Abschnitte von Prof. Hamidullahs Werk „Der Islam – Geschichte,Religion, Kultur".





























