Mittwoch 02. September 2009

Islam, Glaubenspraxis, Ramadan
Die Moschee im Ramadan

Moscheen sind der Ausgangspunkt des Zusammenhalts in der Gesellschaft. Allein die Gebete – seien es die täglichen Gebete, die Tarâwih-Gebete im Ramadan oder die Festtagsgebete – verdeutlichen die Gleichheit der Individuen der Gesellschaft.

Der arabische Begriff für Moschee, Dschâmî, bedeutet „vereinen, ergänzen, vereinheitlichen“. Demnach sind Moscheen Orte der Zusammenkunft von Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten, die Moschee hebt solche Unterschiede auf. Sie ist ein Ort der Gleichheit, Geschwisterlichkeit und Einheit.

 

Die Moschee spielt seit der Anfangszeit des Islams eine zentrale Rolle im Leben der Muslime. Die erste Institution des Islams ist die Moschee. Sie ist es, die auch bei jeder neuen Stadtplanung ins Zentrum gesetzt wurde.   

 

Die Moschee versinnbildlicht wesentliche Ziele des Islams wie Solidarität, Versöhnung, das Bemühen der Erwiderung des Schlechten mit Gutem, einen vorbildlichen Charakter, Unterstützung und Aufrichtigkeit, quasi schon in ihrer Architektur. Seit ihrer Anfangszeit spricht sie zu jedem, der sie besucht: Seht her, ich habe einen Mihrâb. Der Mihrâb ist nicht nur der Platz des Imâms, der die Gemeinde im Gebet leitet. Mihrâb kommt von der Wurzel „Harb“ und meint den Ort des Bemühens gegen alles Schlechte. Ich habe auch einen Minbar, welcher den Ort des Wissens bezeichnet. Somit ist der Minbar der Ort, von dem aus der Islam unser Herz und unseren Verstand erreicht. Ferner habe ich einen Kursi. Dieser ist aber nicht nur ein Stuhl, auf dem man sitzt, um besser gesehen zu werden, sondern auch ein Zeichen des hohen Stellenwertes des Wissens.

 

Diese Eigenschaften machen die Moschee zu einem wichtigen Ort, an dem der Islam gelehrt und gelebt wird, wir Kraft und Motivation schöpfen, uns besser kennenlernen und unsere Bekanntschaften pflegen, unser Wissen und unsere Freundschaft erneuern, stärken und vertiefen, einem Ort, der unsere Identität und Geschichte prägt.

 

Eine der wichtigsten Eigenschaften der Moschee ist ihre Rolle bei der Sozialisation des Einzelnen. Der Muslim betet nicht nur in der Moschee, sondern denkt auch über sich und seine Mitmenschen nach und entwickelt ein gesundes Verhältnis zu anderen. Das religiöse Wissen, welches durch Ansprachen oder die Freitagspredigt (Hutba) vermittelt wird, wird ergänzt durch die Ruhe und den Frieden der Atmosphäre. In diesem Sinne ist die Moschee der Ort, an dem religiöses Leben, Sozialisation und Aneignung, sowie Praktizierung des Wissens zusammenkommen.

 

Moscheen sind konkrete Symbole des Islams. In Europa erfüllen die Moscheen jedoch eine umfassendere Funktion als etwa in der Türkei oder anderen Teilen der islamischen Welt. Ihre Funktion kommt den Moscheen in der Anfangszeit des Islams oder der Osmanen nahe. In Europa sind die Moscheen Kulturzentren in der Mitte der Gesellschaft. Diese Funktion ist in vielen Ländern der islamischen Welt nur noch symbolisch, in Europa ist sie real. Dass sich die Moscheen zu solchen Zentren entwickeln können, wird in einigen Ländern durch eine günstige soziale Atmosphäre ermöglicht. Die Tatsache, dass die meisten Muslime Migranten sind, spielt dabei auch eine wichtige Rolle.

 

In unserer Zeit, in der das Zusammenleben und die Kommunikation immer bedeutender werden, fungieren die Moscheen als Zentren der muslimischen Gemeinschaft. Die globalisierte Welt, die auch ein verstärktes Bemühen um die Bewahrung der kulturellen und religiösen Identität erfordert, spielt auch für Moscheen eine bedeutsame Rolle; die Moscheen sind Orte dieses Bemühens. Zugleich sind sie Orte der Pflege nachbarschaftlicher und freundschaftlicher Beziehungen. Somit tragen sie nicht nur zur Bewahrung einer muslimischen Identität bei, sondern fördern auch den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt.                

 

Die Moscheen in Europa sind Orte der Lösung von sozialen, aber auch psychologischen Problemen. Dort werden Spenden für Bedürftige allerorts gesammelt. So entwickeln und organisieren Moscheen in einigen Kommunen gemeinnützige Aktionen. Hierzu zählen beispielsweise die Iftâr-Zelte, die während des Ramadan in vielen Stadtzentren aufgestellt werden. Diese sind ein wahres Symbol für Solidarität, da jeder, unabhängig von seiner Religion, willkommen ist.

 

Die Moscheen sind auch Orte des Wissens, so wie die Suffa in Medina zur Zeit des Gesandten Gottes. Nicht nur an den Wochenenden oder in den Ferien, sondern nahezu täglich werden verschiedene Möglichkeiten für Jung und Alt, Mann und Frau angeboten, um sich religiöses Wissen anzueignen oder auch die Landesprache zu erlernen. Denn die Moscheen sind sich bewusst, dass sie die Zentren des muslimischen Lebens sind und somit eine umfassende Verantwortung für die Bildung der Muslime tragen.

 

Moscheen sind also der Ausgangspunkt des Zusammenhalts in der Gesellschaft. Allein die Gebete – seien es die täglichen Gebete, die Tarâwih-Gebete im Ramadan oder die Festtagsgebete – verdeutlichen die Gleichheit der Individuen der Gesellschaft. Die Muslime beten hier gemeinsam hinter einem Imâm, Seite an Seite, Reihe für Reihe, als Geschöpfe Gottes ohne Unterscheidung der sozialen und finanziellen Stellung oder kulturellen Herkunft. Schließlich sind die Moscheen, insbesondere in Europa, nicht nur Orte des Gebets, sondern eine unersetzliche Institution zur Etablierung und Wahrung von Identität und Zusammenhalt.


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