Mittwoch 09. September 2009

International
Erster Studiengang für scharia-konformes Finanzwesen

Erstmals wird auf einer Hochschulebene das islamische Finanz- und Vertragsrecht gelehrt. An der Straßburger Hochschule für Management nehmen rund 36 Studenten unter anderem aus Deutschland und Frankreich an den Vorlesungen zur islamischen Finanzwelt teil.

Nach Großbritannien bietet nun auch Frankreich Kurse für Interessierte, die sich mit dem islamischen Finanzwesen vertraut machen wollen. Eingeschriebene Studenten des Fachs werden in den Fächern wie „Einführung in die islamische Kultur“, „Islamisches Recht“ oder „Islamisches Banken- und Finanzwesen“  unterwiesen.

 

Gelehrt wird in dem einjährigen Studiengang der Umgang mit Finanzprodukten, die mit der Scharia, dem Gesetz des Islam, vereinbar sind. So muss beispielsweise das Zinsverbot beachtet werden. „Im Islam darf man nicht Geld mit Geld machen", sagt Sage, ein französischer Banker mit deutscher Studienerfahrung. Tabu ist der Handel mit Derivaten oder Zertifikaten, die mit zu den Auslösern der Finanzkrise gehören.

 „Die Wirtschaftskrise hat uns Zulauf gebracht", sagt der Jurist Michel Storck, der die etwa 30 Studenten an der Universität und der Hochschule für Management in Straßburg ausbildet.

 

Für den nächsten Jahrgang hätten sich bereits mehr als doppelt so viele Kandidaten beworben. „Bank- und Versicherungsangestellte, die ihren Job verloren haben, satteln um auf islamische Finanzen. Da wächst der Bedarf", sagt Storck. Bei Sage war die Neugier Antriebskraft. "Ich habe davon in der Zeitung gelesen und wollte nach zehn Jahren Berufserfahrung in Straßburg, Frankfurt und Shanghai sowieso eine Studienpause einlegen", sagt er.

 

Nach Schätzungen der Finanzratingagentur Moody's hat der islamische Finanzmarkt ein Volumen von mehr als 700 Milliarden Dollar. Weltweit gibt es 300 Banken, die nach der Scharia arbeiten. „Dieser Markt wächst pro Jahr um etwa 25 bis 30 Prozent, doch das islamische Banking wird immer ein Nischenprodukt bleiben", sagt Sage. Nach seinem Abschluss würde er gern im Nahen Osten arbeiten. „Ich habe mich in Qatar beworben."

„2010 wird es in Frankreich die erste islamische Bank geben", so die Meinung von Storck. Islamische Banken dürfen nicht in Unternehmen investieren, die mit verbotenen Produkten wie Alkohol, Schweinefleisch, Tabak oder Waffen handeln.

In Deutschland ist man noch nicht so weit. Es bieten zwar einige Banken islamische Finanzprodukte an, eine Islamische Bank gibt es jedoch nicht. (ab)

 


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