Dienstag 10. November 2009

Deutschland
Funkhaus Europa: Türkische Sendungen von drastischer Kürzung bedroht

Drastische Einschnitte sind in den türkischsprachigen Hörfunksendungen von Funkhaus Europa geplant: Mehr als die Hälfte der türkischen Sendungen sollen gestrichen werden. Für die türkische Hörerschaft sind die drohenden Kürzungen ausgerechnet zum 45. Geburtstag der Kultsendung „Köln Radyosu“ nicht hinnehmbar. Dies sende integrationspolitisch ein falsches Signal.

So soll das Wochenendmagazin „Café Alaturka“ ersatzlos gestrichen und das Jugendmagazin Çılgın nur noch in deutscher Sprache ausgestrahlt werden. Ebenfalls soll die werktäglich zwischen 6:05 und 7:00 gesendete türkische Morgenmagazin „Köln Radyosu“ und der Sendeplatz am Sonntagabend (19:30-20:00 Uhr) wegfallen. Dafür sollen die abendlichen Sendungen des Köln Radyosu um 30 Minuten auf eine Stunde verlängert werden. Ein schwacher Trost zum 45jährigen Bestehen des „Köln Radyosu“. „Ein tolles Geburtstagsgeschenk für alle Kolleginnen und Kollegen und unsere Hörer“, beschwert sich ein Mitarbeiter von Funkhaus Europa, der die Kürzungspläne erst aus Medienberichten erfuhr.

 

Aktivierende Wirkung

 

Dabei bringt das “Köln Radyosu” von heute Information aus Deutschland und den Hörern den Alltag in Deutschland näher. Es hat sich bis heute für die Integration, Information und Unterhaltung der türkischsprachigen Einwanderer eingesetzt – mit großem Erfolg. Während die deutschen Sendungen eher den Durchschnitt an Höreranrufen erzielen, zeigte „Köln Radyosu“ oftmals mit Hunderten von Anrufern, wie gut es bei den Hörern ankommt und zugleich auch seine aktivierende Wirkung.

 

Nun wird befürchtet, dass durch die erhebliche Reduzierung der Sendezeit bei den türkischen Hörern das Gefühl verstärkt wird, nicht ernst genommen zu werden oder gar in Deutschland wieder einmal benachteiligt zu werden. „Während in letzter Zeit die leidige Integrationsdebatte verstärkt auf dem Rücken der türkischstämmigen Menschen ausgetragen wird, hat Köln Radyosu seine verbindende Wirkung noch stärker in den Vordergrund gestellt. Eine Kürzung der Sendezeit wird gerade jetzt bei vielen Hörern den Eindruck verstärken, dass auch der WDR mit “den Türken” nicht anders umgeht, als sie es in der politischen Debatte erleben“, heißt es in einem Hörerbrief.

 

Dabei leben in Nordrhein-Westfalen etwa eine Million türkischstämmige Migranten – jeder 18. Bürger von NRW spricht türkisch: „Das sind sehr viele GEZ-Zahler!“ so eine Hörerin.

 

Derweil haben „Köln Radyosu“-Fans eine Öffnet externen Link im aktuellen FensterUnterschriftenaktion gestartet mit der sie gegen die Kürzungspläne der türkischsprachigen Sendungen protestieren. „Schnelles handeln ist jetzt gefragt“, so die Initiatoren „denn schon diese Woche wird die Entscheidung des WDR’s fallen.“

 

Integrationspolitisch falsches Signal

 

Auswirkungen werden diese Kürzungen auch auf Radioprogramme in anderen Bundesländern haben. Das multikulturelle Programm „Funkhaus Europa“ des WDR wird seit dem 1. Januar 2009 beispielsweise auf den Frequenzen des stillgelegten „Radiomultikulti“ in Berlin ausgestrahlt. Seref Erkayhan, stellvertretender Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland (tgd), bezeichnete die Reduzierung der Sendezeit als ein „integrationspolitisch falsches Signal an die Gesellschaft.“

 

Gleichzeitig erinnert er die Verantwortlichen des WDR an den Nationalen Integrationsplan (NIP) und fragt nach deren Umsetzung. Im NIP hatten sich öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten verpflichtet, mehr multikulturelle Sendungen in ihrem Programmangebot anzubieten. Auch fragt Erkayhan, „warum gerade bei Einsparungen oder knapper werdenden Ressourcen immer die türkischen Sendungen als erstes her halten müssen.“

 

Erkayhan weiter: „Wir fordern daher die angekündigte Neustrukturierung zu überdenken und stattdessen die Programmvielfalt und Sendezeit der muttersprachigen Sendungen auszubauen, wie die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten das im Nationalen Integrationsplan versprochen haben.“ (es/fy)

 


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