Donnerstag 19. November 2009

Deutschland
München: Redeverbot für israelischen Historiker Ilan Pappe

In einem offenen Brief reagierte der israelische Historiker und Friedensaktivist Ilan Pappe auf das Raumverbot, das ihm im Oktober von der Stadt München erteilt wurde. Er bezeichnete das Verbot als Zensur und zog einen Vergleich zu den Erfahrungen seines Vaters im Deutschland der 30er Jahre.

Die Stadt München hatte im Oktober einen Vortrag Ilan Pappes im Pädagogischen Institut abgesetzt, nachdem die Deutsch-Israelische Gesellschaft in einem Brief an den OB die Lesung als "antiisraelische Propagandaveranstaltung" bezeichnet hatte.

 

„Mein Vater wurde als deutscher Jude in ähnlicher Weise in den frühen 30er Jahren zum Schweigen gebracht, und es ist traurig, Zeuge der Wiederkehr der gleichen Zensur im Jahre 2009 zu sein“, beklagte Ilan Pappe in dem offenen Brief an Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD). Er habe nirgendswo sonst in Europa eine solche Bereitschaft zur Unterwerfung angesichts der Einschüchterung durch einige wenige Leute erlebt, „die sich anmaßen, Repräsentanten der jüdischen Erfahrung und Katastrophe zu sein“. Die Stadt München werde einsehen, „dass diese Zensurmaßnahme ein schlimmer Fehler war“, heißt es in dem Brief weiter.

 

Die Haltung der Stadt wurde von den Grünen, den Linken und der ATTAC München kritisiert. Der Fraktionsvorsitzender im Rathaus, Siegfried Benker von den Grünen bezeichnete die Entscheidung als einen „Akt politischer Feigheit“. Er reichte eine kleine Anfrage zur Aufklärung der Angelegenheit ein. Der Kreisverband der Linken sagte, es sei zwar verständlich, dass Deutschland wegen seiner Vergangenheit „in hohem Maß politisch sensibel reagieren“ müsse, wenn es um jüdische Belange gehe, doch der Versuch, Israel wegen der deutschen Vergangenheit durch Informationsverweigerung
und Raumverbote gegen Kritik zu immunisieren, sei „moralisch unglaubwürdig und politisch inakzeptabel“. Die Stadt schulde Pappe eine Entschuldigung.

 

Auch die Nichtregierungsorganisation ATTAC äußerte in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister Münchens Ude Kritik. Wenn es bei Vorträgen in städtischen Einrichtung die Zustimmung der Stadt bedürfe, sei damit die Meinungsfreiheit gefährdet.

 

Ilan Pappe, der in Großbritannien als Professor tätig ist, ist bekannt für seine umstrittenen Ansichten über die Gründung Israels. Seit der Veröffentlichung seines Buches "Die ethnische Säuberung Palästinas", wird er in Isreal angefeindet. (fy)


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