Das Wort Kurbân kommt von der Wurzel „karaba” und bedeutet „sich nähern, nah sein”. Die religiöse Bedeutung ist: „Den Segen Allahs zu gewinnen und jede Tat, die durchgeführt wird, um Seine Nähe zu erlangen.”
Kurbân und Koran kommen beide vom gleichen Metrum und von der gleichen Infinitivform. Die Eigenschaft dieses Metrums ist, dass es die ganze positive Bedeutung beinhaltet. So viel, wie viel es Annäherung gibt, so sollte jedes Mittel der Annäherung kontinuierlich sein. Jede positive Annäherung ist Kurbân.
Das Opfern hat nicht mit der letzten Offenbarung begonnen, sondern es ist eine seit dem ersten Menschen bekannte Form der Ibâda. Der Koran berichtet, dass der Akt des Opferns mit den Kindern Ibrâhîms begann. „Und verkünde ihnen der Wahrheit gemäß die Geschichte der beiden Söhne Adams, als sie ein Opfer darbrachten. Angenommen wurde es von dem einen von ihnen, aber nicht von dem anderen. Er sprach: "Wahrlich, ich schlage dich tot!" (Der andere) sprach: "Siehe, Allah nimmt nur von den Gottesfürchtigen an.” [5:27] Also ist diese Ibâda gleichaltrig mit der Menschheit und die erste bekannte Form der Ibâda.
In dem Leitfaden unseres Lebens, dem Koran, äußert sich Allah über die Ibâda des Opferns folgendermaßen: „Und für den Opferbrauch Allahs haben Wir für euch die großen Kamele bestimmt. An ihnen habt ihr viel Gutes. So sprecht den Namen Allahs über sie aus, wenn sie gereiht dastehen. Und wenn ihre Seiten (auf dem Boden) liegen, so eßt davon und speist den Genügsamen und den Bittenden. So haben Wir sie euch dienstbar gemacht, auf daß ihr dankbar sein möget. Ihr Fleisch erreicht Allah nicht, noch tut es ihr Blut, sondern eure Ehrfurcht ist es, die Ihn erreicht. In der Weise hat Er sie euch dienstbar gemacht, auf daß ihr Allah für Seine Rechtleitung preist. Und gib denen frohe Botschaft, die Gutes tun.” [22:36-37] Diese Verse zeigen, dass man den Zweck (die Weisheit) des Kurbân nicht in den materiellen Elementen wie Fleisch und in seinem sozialen oder ökonomischen Beitrag suchen soll, sondern in der geistigen (moralischen) Dimension.
In der ganzen Geschichte betrachteten viele Völker, das Opfern an eine Gottheit, als Gottesdienst und Brauch. Es gibt kein Glaubenssystem, welches das Opfern nicht anerkennt; selbst solche mit einem Götzenkult. Die Vorherigen sahen das Opfern als ein Bedürfnis der Angst und der Zuflucht um den Zorn der Götter zu lindern. Das war manchmal ein Tier, ein Mensch oder eine Sache. Das Verbot des Koran: „Schneide (opfere) nicht im Namen eines anderen außer Allah” existiert gerade deswegen. Der Koran sagt ausdrücklich: „Und jedem Volk gaben Wir eine Anleitung zur Opferung, auf daß sie des Namens Allahs für das gedenken mögen, was Er ihnen an Vieh gegeben hat. So ist euer Gott ein Einziger Gott; darum ergebt euch Ihm.” [22:34] Es darf nicht vergessen werden, dass eine Sache, die „im Namen Allahs” vollzogen wird, den Menschen an seine Stellung gegenüber Allah erinnert. Es erinnert ihn daran, dass er es ohne Ihn (Allah) nicht machen kann, dass er sich nicht selbstgerecht sein kann, dass er Ihm bedürftig ist und Ihm gegenüber schuldig ist.

Die Ibâda Kurbân hat keine materielle Bedeutung, sondern trägt den Sinn, das Wohlgefallen Allahs zu gewinnen und seiner Liebe näher zu kommen, welches das Gefühl des Takwâ Allah gegenüber stärkt. Kurbân symbolisiert die Zuwendung an den Herrn der Welten. Dies ist die Zuweisung der Materie an Allah, die dem Menschen zugewiesen wurde. Kurbân sollte das Mittel der Liebe zu Allah sein. Im Allgemeinen ist Kurbân eine Ibâda, bei der bestimmte Tiere zu einer bestimmten Zeit, geschächtet werden, um sich Allah zu nähern.
Bevor man die Prüfung von Ibrâhîm (as) und Ismâîl (as) nicht verstanden hat, kann man die Ibâda Kurbân nicht wirklich verstehen. Für die, die dies nicht verstehen können ist Kurbân ein „Tier” und das Opferfest ein „Schlachtfest”. Ibrâhîm wurde zuerst mit dem Leben geprüft. Dann mit dem Geliebten. Die Prüfung des Lebens, hat er im Feuer abgelegt. Er verbrannte nicht. Die Prüfung des Geliebten hat er mit dem Opfern abgelegt. Diese Ibâda blieb der Menschheit, als eine Gelegenheit sich Allah zu nähern und ein Merkzeichen der Ergebenheit, als Erbe ([37:102-108]). Dieses Gebot erinnert einerseits an Ibrâhîm (as), andererseits wird die gleiche Ergebenheit und die gleiche Opferbereitschaft (Hingabe) fortgeführt. Außerdem erlebt man die Freude des Festes (türk. Bayram) wie Ibrâhîm (as), der diese Belohnung erhielt. Durch diese Ibâda wird die Botschaft Ibrâhîms und Ismâîls in das heutige Zeitalter getragen. Denen, die den Sinn der Ibâda Kurbân nicht erschließen, bleibt das Fleisch als Anteil ihres Opfers. Diejenigen, die wie Ismâîl (as) sind, erhalten als ihren Anteil die Dschanna.
Das Tier, das geopfert werden soll, sollte das gesundeste, das makelloseste und das beste Tier sein. Daran erkennt man, dass bei dieser für Allah vollzogenen Ibâda, welche man Seinem Weg widmet, unbedingt von dem Besten gewidmet werden sollte. Neben der geistigen Dimension dieser Ibâda gibt es noch eine andere wichtige Eigenschaft, und zwar ist es der Beitrag dazu, dass das soziale Gleichgewicht zwischen den Menschen aufgebaut wird. Gleichwie die Zakât mit der die reichen Menschen den Armen helfen und somit in der Gesellschaft Frieden und soziale Gerechtigkeit geschaffen wird, entspricht auch das Opfern dem gleichen Zweck. Ein Drittel des auf dem Wege Allahs geopferten Tieres wird den Armen gegeben. Somit wird der Esstisch von Armen erfreut, die sich das wohl kaum hätten leisten können. Während den Armen geholfen wird, wird gleichzeitig ein Drittel des Fleisches den Verwandten und den Nachbarn gegeben und somit werden die Beziehungen zu Verwandten und Freunden gestärkt. Auf diese Weise nähern sich die Menschen, die diese Ibâda vollziehen, Allah, helfen den Armen und stärken die guten Beziehungen zwischen den Menschen. Es wird ein weiteres Mal gesehen, dass wie bei dieser Ibâda auch, im Islam und in den anderen Gottesdiensten sich große Weisheiten befinden.
Eine Frage über den Verdienst des Kurbân beantwortete unser Prophet Muhammad (saw) folgendermaßen: „Es gibt für jedes Haar (Feder) eine Huld (Hasena)“. Darauf fragte man Ihn: „Oh Gesandter Gottes, Wolle?“, und Er sagte: „Für jedes einzelne Haar der Wolle gibt es eine Huld (Hasena)“. (Ibni Mâdscha)
Wenn ich im Rahmen des Kurbân von der wichtigsten, den an die Menschheit geleisteten Diensten der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş und zwar der „Opfertierkampagne“, die jedes Jahr stattfindet, nicht berichte, denke ich, dass dieser Artikel unvollständig sein wird. Diese Kampagne ist tatsächlich ein Dienst an die Menschheit und besonders die in Europa lebenden Muslime schicken (spenden) Opfertiere an notbedürftige Menschen. Um diese Spenden zu überbringen reisen hunderte freiwillige in ungefähr 80 Länder. Sie beaufsichtigen die Schächtungen der Opfertiere, damit diese auf beste Weise durchgeführt werden. Dadurch wird am anderen Ende der Welt, in Ländern und Gebieten, deren Namen die meisten von uns noch nicht einmal gehört haben, eine wichtige Aufgabe vollbracht. Als jemand, der an diesen Arbeiten teilgenommen und die geistige Freude erlebt hat, kann ich sagen, dass sich diese Arbeit nicht nur auf die Kurbân-Ibâda beschränkt sondern dass sie die Herzen der Muslime auf der ganzen Welt vereint.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Opferfest und das Opferfest soll Sie segnen. Ich wünsche von Allah, dass unsere Opfer angenommen werden.
„Sprich: Mein Gebet und meine Opferung und mein Leben und mein Tod gehören Allah, dem Herrn der Welten.” [6:162]
Bundestagspräsident Norbert Lammert setzt sich in einem Schreiben an seinen türkischen Amtskollegen...
„Wer mit offenen Augen und Ohren in einem von Türken, Arabern, Afghanen bewohnten Stadtteil lebt,...
Diskriminierung
Keine Nachrichten in dieser Ansicht.
- Fitra – Die Natur des Menschen aus islamrechtlicher Sicht
- „Wer Kinder hat, soll mit ihnen Kind sein“
- Profilierung auf Kosten Gottes
- „Islamische Studien“ in Sicht
Publikationen
Hier können Sie auszugsweise einen Blick in "Die Lehre des Islam" von Prof. Dr. Muhammed Hamidullah werfen. Das vorliegende Buch beinhaltet zwei Abschnitte von Prof. Hamidullahs Werk „Der Islam – Geschichte,Religion, Kultur".






































