Hamburgs Bischöfin Maria Jepsen kann sich einen wöchentlichen Muezzin-Ruf in der Hansestadt grundsätzlich vorstellen. Die CDU sieht darin eine Provokation. Die SPD ist skeptisch. Dabei liege noch kein Antrag vor.
„Wenn es nicht mit großen Lautsprechern übertragen würde, glaube ich, würde ein Ruf zum Freitagsgebet nicht unbedingt stören, sondern deutlich machen: Die Muslime sind auch hier bei uns, sie verstecken sich nicht, sie geben ein Zeichen“, sagte die Hamburger Bischöfin in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Vor allem aber müssten die Bewohner des Stadtteils einverstanden sein. "Es müsste sehr ausführlich mit ihnen beraten werden", sagte Maria Jepsen. Das sensible Miteinander dürfe nicht zerstört werden.
Sie könne sich zudem nicht vorstellen, dass die Menschen in Hamburg für ein Bauverbot von Minaretten stimmen würden, wie in der Schweiz. "Wenn so etwas aufkäme, würden wir es sicher im Interreligiösen Forum miteinander bereden", sagte Jepsen. "Was wir an Integrationsarbeit im religiösen Bereich leisten, wird manchmal gar nicht so wahrgenommen."
Wolfgang Beuß von der CDU lehnt hingegen den Muezzin-Ruf in Hamburg kategorisch ab. "Rufe eines Muezzins vom Minarett einer Moschee kann ich mir in Hamburg kaum vorstellen, und ich befürworte so etwas auch nicht", sagt der Fraktionsvize und kirchenpolitischer Sprecher der CDU. "Minaretten sind kein bloßer Bauschmuck, sondern politische und religiöse Symbole, sie verkörpern einen Machtanspruch. Sie dienen daher keineswegs dem Religionsfrieden", so Beuß gegenüber der Welt. "In unserer Gesellschaft herrscht eine latente Angst vor religiöser Überfremdung." Den Ruf eines Muezzins würden viele Menschen, so glaubt Beuß, als Provokation empfinden. Das leiste einer feindseligen Stimmung Vorschub.
"Es fällt mir nicht leicht, mir das vorzustellen", sagte auch der SPD-Fraktionschef Michael Neumann. Gleichwohl sei der Islam in Deutschland angekommen. Man müsse solche Entscheidungen pragmatisch fällen. (sa)
Diskriminierung
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