Mittwoch 23. Dezember 2009

International
Schweiz: Migrantinnen in den Medien oft in der Opferrolle

Laut einer von der Eidgenössischen Kommission für Migrationsfragen in Auftrag gegebene Studie werden Frauen mit Migrationshintergrund in den Medien und in der Politik oft vorurteilhaft dargestellt. Die Stereotype sollen durchbrochen werden, fordert sie die EKM.

Migrantinnen erscheinen in den Medien oft als „unselbständig, passiv, abhängig und wenig integriert“. Doch die Realität ist viel vielschichtiger, so Simone Prodolliet, die Geschäftsführerin der EKM. „Migrantinnen sind auch hoch gebildet, sprechen mehrere Sprachen, arbeiten in Kaderpositionen oder verdienen ihren Unterhalt als Unternehmerinnen.“ Laut Studie unter dem Namen „Frauen in der Migration“ haben rund 28 Prozent der erwerbstätigen Migrantinnen einen Universitätsabschluss oder eine höhere Berufsausbildung. Bei den Schweizerinnen liegt der Vergleichswert bei 24 Prozent. Dennoch würden Frauen in Integrationsfragen als schwer erreichbare Zielgruppe auftauchen.

 

Was fehlt sei eine auf alle Bedürfnisse aller Zugewanderten eingehende Integrationspolitik, die auch von anderen Profilen aufgehen muss, wird in der Studie kritisiert. Beispielsweise sollten mehr Angebote für gezielte Weiterbildungen und für gut Qualifizierte und Vereinfachungen bei der Anerkennung von Diplomen geben.

 

EKM empfehlt Berücksichtigung von Potenzialen

 

Im Integrationsdiskurs sollten nicht nur Probleme, sondern auch Potenziale zu berücksichtigt werden, so die EKM. Es sei unbestritten, dass es spezielle Sprachkurse für Mütter mit kleinen Kindern brauche. Des Weiteren empfiehlt die Kommission, die rechtliche Situation von Migrantinnen zu stärken. Dazu gehöre auch ein Aufenthaltsrecht, die unabhängig von dem Zivilstand sei. Heute sind Frauen bei der Aufenthaltsbewilligung oft an ihre Ehemänner gebunden.

 

Auch sollten frauendiskriminierende Praktiken von bestimmten Migrationsgruppen nach Ansicht der Kommission bekämpft werden. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, Gleichstellungsfragen auf die gesamte Bevölkerung zu beziehen, fordert die EKM. Hinzu komme, dass bestimmte Religions- oder Migrationsgruppen mit der Diskriminierung von Frauen in Verbindung gebracht würden. Das lenke davon ab, dass auch bei einheimischen Frauen in punkto Gleichstellung noch einiges im Argen liege, etwa bei der Lohngleichheit. (ab)


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