Donnerstag 24. Dezember 2009

International, Palästina
Gaza: Auch nach einem Jahr kein Wiederaufbau möglich

In einem neuen Bericht kritisieren 16 Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen, dass auch nach einem Jahr der israelischen Offensive immer noch kein Wiederaufbau im Gazastreifen möglich ist. Die israelische Regierung habe seit Ende des Angriffs auf Gaza nur 41 LKW-Ladungen zugelassen, kritisieren die Organisationen, darunter medico international, Oxfam und Amnesty International UK.

Bislang sei lediglich ein Bruchteil der Schäden an Häusern, ziviler Infrastruktur, öffentlichen Einrichtungen und Geschäften behoben worden. Der Zivilbevölkerung, sowie den UN- und Hilfsorganisationen wird bis auf wenige Ausnahmen verboten, Materialien wie Zement und Glas zu importieren, steht im Bericht. „Alle Bewohner des Gazastreifens werden durch die Blockade für die Taten einiger Weniger bestraft”, sagt Tsafrir Cohen, Repräsentant von medico international in Israel und Palästina.

 

Paul Bendix, Geschäftsführer von Oxfam Deutschland, sagt unterdessen: „Bloße Verlautbarungen helfen den Menschen im Gazastreifen nicht weiter. Die internationale Gemeinschaft muss endlich ihrer Verantwortung gerecht werden und wirksam auf die Beendigung der Versorgungsblockade drängen. Die Bevölkerung von Gaza muss die Möglichkeit erhalten, ihre Häuser selbst wieder aufzubauen und sich neue wirtschaftliche Perspektiven zu erarbeiten.”

 

Im Bericht wird festgehalten, dass die Folgen des Einfuhrverbots für Baumaterialien enormen Schaden haben: Die Blockade verursacht häufige Stromausfälle und Engpässe in der Gas- und Wasserversorgung. Teile des Stromnetzes wurden während des Konflikts bombardiert und müssten dringend repariert werden. Laut Bericht leiden 90% der Bevölkerung unter Stromausfällen von vier bis acht Stunden pro Tag.


Die schlechte Wasserqualität sei eine Hauptsorge der Hilfsorganisationen in Gaza. Stromausfälle verursachen zudem tägliche Unterbrechungen der Wasserversorgung. Diese seien auch durch nicht zu reparierende Wasserleitungen und -tanks behindert, da Ersatzteile von Israel nicht als essenzielle humanitäre Güter betrachtet werden und deshalb nicht eingeführt werden dürfen, so der Bericht. Durch Druckverlust in den Leitungen wird die Wasserversorgung durch verschmutztes Grundwasser kontaminiert. Durchfall verursacht 12% der Todesfälle junger Menschen.

 

Durch die Blockade ist die Armut in Gaza enorm gestiegen. 80% der Menschen sind inzwischen von Hilfe abhängig. Unternehmen und Farmen mussten ihren Betrieb einstellen und Arbeiter entlassen. Das Ausfuhrverbot hat die Bauern hart getroffen. Durch den Krieg wurden 17% der Agrarfläche samt Gewächshäuser und Bewässerungssysteme zerstört. Weitere 30% der Agrarfläche sind durch Erweiterung der israelischen Sperrgebiete verloren gegangen.

 

Im Bericht wurde auch die internationale Gemeinschaft kritisiert. Sie habe die Bevölkerung des Gazastreifens verraten und in ihrem Elend allein gelassen, weil sie nichts unternommen habe, um die israelische Blockade des Küstenstreifens zu beenden. „Die Weltmächte haben händeringend Erklärungen abgegeben, aber keine wirksame Aktion ergriffen, um diese verheerende Politik zu beenden", erklärte der Direktor von Oxfam, Jeremy Hobbs.

 

Der Bericht drängt daher die EU dazu, eine sofortige und konzertierte Aktion zu beginnen, um die Blockade von Gaza zu beenden. Europäische Außenminister sollten  Gaza persönlich besuchen und sich selbst ein Bild von den Folgen der Blockade für die Bevölkerung machen. „Die sofortige Öffnung der Gaza-Übergänge für Baumaterialien vor dem Wintereinbruch wäre ein wichtiger Schritt”, sagt Tsafrir Cohen von medico international. (ab)

 


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