Die ersten Islamprofessuren in Deutschland sind nunmehr etabliert. Sechs Professorenstellen für islamische Theologie sind in den vergangenen sechs Jahren in Frankfurt am Main, Münster, Osnabrück und Nürnberg-Erlangen entstanden und drei weitere Universitäten hätten angekündigt, weitere Islamprofessuren einzurichten. Der „Tagespiegel“ zieht Bilanz zur Entwicklung der Zusammenarbeit der Hochschulen mit den islamischen Religionsgemeinschaften.
Im säkularen Staat dürfen staatliche Universitäten die theologischen Lehrinhalte nicht alleine bestimmen, schreibt
Claudia Keller. „Schon gar nicht, wenn in diesem Studiengang Lehrer ausgebildet werden, die bekenntnisorientierten, also konfessionellen Religionsunterricht geben sollen. Doch wie soll man mit einer Konfession zusammenarbeiten, wenn es die eine Konfession im Islam gar nicht gibt?“ Immer mehr Universitäten suchten deshalb nach „provisorischen Wegen“, um mit islamischen Religionsgemeinschaften zusammenzuarbeiten.
Nachdem in Münster diese Zusammenarbeit vorübergehend gescheitert war, habe die Universität zur Ausbildung von Religionslehrern einen zweiten Lehrstuhl eingerichtet; dieses Mal „in Absprache mit dem Koordinierungsrat der Muslime“. Der nordrheinwestfälische Wissenschaftsminister höre sich bei der Personalfrage die Meinung der Religionsgemeinschaften an. In Osnabrück bestehe bereits eine Kooperation mit dem Runden Tisch des Landes Niedersachsen, an dem unter anderem die Schura Niedersachsen vertreten ist, ein Zusammenschluss der sechs größten islamischen Verbände. Dort seien auch ein Fortbildungslehrgang für Imame und ein Bachelorstudiengang für islamische Theologie geplant. Am Zentrum für islamische Religionslehre der Universität Nürnberg-Erlangen arbeite man mit ortsansässigen Moscheegemeinden zusammen. Und in Frankfurt habe die türkische Religionsbehörde Diyanet in Ankara mittlerweile drei religionswissenschaftliche Lehrstühle gestiftet. „Da die Aufbauarbeit in Deutschland nicht ganz aus eigenen Kräften geleistet werden kann, ist die Expertise aus den beiden wichtigsten Herkunftsländern deutscher Muslime, der Türkei und Bosnien-Herzegowina, hilfreich“, sagt dazu Hansjörg Schmid, Theologe an der Katholischen Akademie in Stuttgart.
Der Wissenschaftsrat, das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium in Deutschland, werde im Januar hingegen zur Gründung eines Trägerverbundes raten, so glaubten die Experten, in dem sich ähnlich wie in der Deutschen Islamkonferenz Wissenschaftler, Vertreter muslimischer Religionsgemeinschaften und muslimische Einzelpersönlichkeiten zusammenschließen und als Kooperationspartner für die Universitäten fungieren. (sa)
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