Der Vorsitzende des Bündnisses Islamischer Gemeinden in Norddeutschland (BIG), Ramazan Uçar, hat die Entscheidung der Stadt Rendsburg zum Muezzinruf begrüßt. „Die Genehmigung des Gebetsrufes ist ein wichtiges Zeichen für die Muslime in Rendsburg aber auch bundesweit. Integration ist wechselseitig und stellt somit auch Anforderungen an die Mehrheitsgesellschaft“, betonte Uçar. Die Religionsfreiheit gelte auch für die Muslime in Deutschland und „sie haben ein Recht darauf, ihre Religion öffentlich zu leben. Der Gebetsruf ist Teil des religiösen Lebens von Muslimen, sowie die Kirchenglocken Teil des religiösen Lebens der Christen sind“, sagte der Theologe.
Die gegenseitige Akzeptanz spiele hier eine wichtige Rolle, unterstrich Uçar. Der Dialog der Religionen und insbesondere der Dialog mit der Bevölkerung seien wichtige Bausteine, um Missverständnisse und Ängste abzubauen. Die BIG setzte sich in diesem Sinne etwa mit dem jährlich stattfindenden Tag der offenen Moscheen und mit vielen über das Jahr verteilten Veranstaltungen verstärkt für ein besseres Zusammenleben ein. „In Rendsburg werden wir uns auch weiterhin für vertrauensbildende Maßnahmen mit der Bevölkerung einsetzen. Als wohlwollendes Zeichen dieser vertrauensbildenden Maßnahmen werden wir zunächst nicht in vollem Umfang Gebrauch von unserem Recht auf die Ausrufung des Gebetsrufes machen, sondern ihn nur an Freitagen zum Freitagsgebet ausrufen“, sagte Uçar abschließend.
„Nach langen hitzigen Debatten um den Gebetsruf in Rendsburg sind wir der Auffassung, mit dem Ausrufen des Gebetsrufes an Freitagen zum Freitagsgebet eine gute Lösung gefunden zu haben“, ist sich der stellvertretende Vorsitzende der BIG, Ahmet Yazıcı, sicher. Er hoffe, dass sich die Wogen glätten und allmählich der Alltag wieder eintritt. Die Initiative „Kein öffentlicher Gebetsruf“ hatte im Vorfeld des Genehmigungsverfahrens eine Unterschriftenkampagne gestartet - begleitet von offenen Drohungen im Internet. Was als Protest gegen die Lärmbelästigung begann, entwickelte sich im Laufe der vergangenen Monate zu einer „Anti-Islam-Bewegung“. Das Islamische Zentrum habe die Pflicht, sich dem hiesigen Kulturkreis anzupassen, so der Sprecher der Initiative bei der Übergabe der Unterschriften im Oktober letzten Jahres. (sa)
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