Im Folkwang Museum verlieh die Essener mfi management für Immobilien AG zum inzwischen siebten Male den mfi Preis für Kunst am Bau und erstmals auch einen Förderpreis. Der erste mfi-Förderpreis-Gewinner 2009 ist der Hamburger Künstler Boran Burchhardt, der für sein „Minarett-Projekt“ ausgezeichnet wurde. Sein Minarett-Projekt im Auftrag der Centrum-Moschee im Hamburger Stadtteil St. Georg fand viel Lob und Anerkennung bei der hochkarätig besetzten Jury. Für dieses Projekt hatte der Künstler die 20 Meter hohen Minaretten mit grünen Sechsecken bemalt.
Eine achtköpfige, hochkarätig besetzte Fachjury, unter anderem aus Kunsthistorikern, Kunstkritikern und Architekten, würdigte hier einen Künstler, der mit seinem Projekt die gewohnten Rahmenbedingungen und Kategorien von „Kunst am Bau“ in einer erweiterten Form von „Kunst im öffentlichen Raum“ facettenreich verwandelt. „Mit seiner Arbeit hat Boran Burchhardt ein ausdrucksstarkes Gegenbild zu den gängigen Medienbildern geschaffen, die den Raum der Moschee als Hort islamischer Fundamentalisten von einem religiösen Raum zu einem tief sitzenden Feindbild verwandelt haben. Diese Kraft zum Gegenbild markiert eine der Grundfesten der Kunst“, sagte Dr. Sabine Maria Schmidt.
Die Formen habe Burchhardt so gestaltet, dass sie auf viele Weise lesbar werden. Der Betrachter aus dem westlichen Kulturkreis denke an das Muster eines Fußballs. Für den Muslim sei das Sechseck ein religiöses Symbol und zeige die Gegenwart Gottes in der Welt. Die Farbe Grün stehe ferner für den Propheten, nach der Überlieferung war es seine Lieblingsfarbe, heißt es in einer Erklärung des mfi. Außerdem erinnern die Sechsecke an Honigwaben, so Ramazan Ucar, Vorsitzender des Bündnisses Islamischer Gemeinden in Norddeutschland, „und so wie die Bienen in ihren Waben Honig produzieren, so soll auch in einer Moschee Honig gepredigt werden, und kein Hass.“ Gerade diese Mehrdeutigkeit sei sowohl vom Künstler als auch vom Vorsitzenden der Glaubensgemeinschaft in St. Georg gewünscht, erklärte die Jury.
Der „mfi Förderpreis“ hat das Ziel, einen viel versprechenden Ansatz zu würdigen und damit die weitere künstlerische Entwicklung zu fördern. Der „mfi Preis“ zeichnet hingegen herausragende Kunstprojekte aus und würdigt die gelungene Zusammenführung von Kunst und Bauwerk. Der 69-jährige Hannoveraner Künstler Timm Ulrichs erhielt die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung für sein Werk „Versunkenes Dorf“. Die Ehrung der Preisträger wird in Anwesenheit der Künstler im Rahmen eines Festakts im nächsten Jahr vorgenommen. (sa)
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