Die Hälfte der rund 6.000 Sprachen, die heute weltweit gesprochen werden, ist nach Einschätzung der UNESCO vom Aussterben bedroht. Alle zwei Wochen sterbe eine Sprache aus, warnte die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur anlässlich des internationalen Tages der Muttersprache.
Die UNESCO versteht Sprache nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern auch als kulturelles Erbe und Ausdruck kultureller Identität. Sprache spielt eine wesentliche Rolle, damit sich Menschen in die Gesellschaft, in Beruf und Alltag sozial und kulturell integrieren können. Holger Klatte, Geschäftsführer des Vereins Deutsche Sprache (VDS), glaubt, dass jede Sprache schützenswert ist. „Genau genommen stirbt ja nicht die Sprache aus, sondern ihr Sprecher. Wenn nichts dafür getan wird, dass nachfolgende Generationen eine Sprache verwenden, gibt es diese Sprache irgendwann nicht mehr. Und das sollten wir verhindern, denn mit jeder Sprache, die nicht mehr gesprochen wird, geht eine Ausdrucksform von Kultur verloren“, sagte Klatte der Nordsee-Zeitung.
Hein-Peter Malzahn, Gymnasiallehrer in Oberhausen, macht im Gespräch mit dem Onlineportal „Der Westen“ insbesondere auf die Förderung der Muttersprache von Migrantenkindern aufmerksam. Die Muttersprache dürfe nicht untergehen, so Malzahn, „denn wer sie nicht beherrscht, kann auch keine Fremdsprache lernen.“ Bei türkischen Kindern habe sich dieses Dilemma besonders deutlich gezeigt: Es werde gefordert, dass sie korrektes Deutsch sprechen, dabei haben sie auch Türkisch nicht richtig gelernt. Aus Malzahns Sicht würden mehr Herkunftslehrer für den Integrationsunterricht benötigt, „das Land baut diese aber ab.“
Das kann Dr. Andrea Schäfer vom Fachbereich „Deutsch als Zweitsprache“ der Universität Duisburg-Essen bestätigen. „Wir haben ein monolingual ausgerichtetes Bildungssystem, Mehrsprachigkeit wird nicht berücksichtigt“, kritisiert Schäfer. Die Gesellschaft stehe insbesondere den großen Minderheitensprachen Türkisch, Russisch und Polnisch skeptisch gegenüber. „Wir müssen was tun!“, fordert sie die Überarbeitung des einsprachigen Schulsystems: Sprachschwierigkeiten dürfen niemanden auf seinem Bildungsweg behindern. Schließlich „bringt es einem türkischsprachigen Schüler ja nichts, wenn er super gut rechnen kann, aber die Aufgabe nicht versteht“, so Schäfer.
„Atlas der Bedrohten Sprachen“
Der Internationale Tag der Muttersprache ist seit 2000 ein UNESCO-Gedenktag zur „Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit“. Er macht vor allem auf die Sprachen aufmerksam, die von nur noch weniger als 10.000 Menschen gesprochen werden. In ihrem „Atlas der Bedrohten Sprachen“ listet die UNESCO rund 2.500 Sprachen nach Name, Bedrohungsgrad und Region auf. Darunter sind auch 230 Sprachen, die seit 1950 ausgestorben sind.
Die Gründe für das weltweite Aussterben von Sprachen sind vielfältig: Kriege, Vertreibungen und Stigmatisierungen gehören ebenso dazu wie Migration und Vermischung der Sprachen. Auch die neuen Technologien begünstigen das weltweite Vordringen einzelner „großer“ Sprachen - insbesondere des Englischen. Verschwindet eine Sprache, geht ein kulturelles Erbe von Gedichten über Legenden bis zu Sprichwörtern und Scherzen verloren. (sa)
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Hier können Sie auszugsweise einen Blick in "Die Lehre des Islam" von Prof. Dr. Muhammed Hamidullah werfen. Das vorliegende Buch beinhaltet zwei Abschnitte von Prof. Hamidullahs Werk „Der Islam – Geschichte,Religion, Kultur".































