Freitag 11. November 2011

Presseerklärungen
„Die Studie zur Zwangsverheiratung ist ein Beitrag zur Fundierung und Entislamisierung der Debatte.“

Die aktuelle Studie zur Zwangsverheiratung in Deutschland ist ein richtiger Schritt hin zu einer Fundierung der Debatte. Eigentlich hätte dies geschehen müssen, bevor eine breite politische Diskussion angestoßen und sogar Gesetze erlassen wurden, die nicht zur Problemlösung beitragen“, so der stellvertretende Vorsitzende der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), Mustafa Yeneroğlu, anlässlich der Veröffentlichung der vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebenen Studie „Zwangsverheiratung in Deutschland – Anzahl und Analyse von Beratungsfällen“. Yeneroğlu weiter: 

 

„Die Studie trägt - wenn auch in bescheidener Weise - zur Fundierung bei. Mit der Studie liegen nämlich zum ersten Mal bundesweite Zahlen vor, auf die man sich bei der politischen Diskussion stützen könnte. Die bisherigen Maßnahmen gegen Zwangsverheiratung basieren vor allem auf „qualitativen Studien, die sich in der Regel nur auf die Situation einzelner Städte bzw. Bundesländer beziehen“ (S. 13). So auch die vorsichtige, aber grundlegende Kritik der Studie.

 

Des Weiteren trägt die Studie zur „Entislamisierung“ der Diskussionen um Zwangsverheiratung bei. In der Studie wird festgehalten: ‚In der Forschung besteht ebenso Einigkeit darüber, dass sich Zwangsverheiratungen nicht auf bestimmte religiöse Traditionen zurückführen lassen, sie kommen in unterschiedlichen sozialen, ethnischen und kulturellen Kontexten überall auf der Welt – und auch in Europa – vor.‘ (S. 36).

 

Dieses Ergebnis lässt die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kristina Schröder, jedoch unbeachtet. In ihrem FAZ-Beitrag vom 8. November 2011 schreibt sie: ‚Aus gutem Grund warnen viele Wissenschaftler vor zu kurzen und zu einfachen Kausalketten. Trotzdem darf uns der religiöse Aspekt nicht kaltlassen. Der Zusammenhang zwischen kulturellem Hintergrund und menschlichem Handeln ist eine soziologische Selbstverständlichkeit. Trotzdem wird dieser Zusammenhang in Hinblick auf den Islam oft verleugnet oder wegdefiniert.‘

 

Die aktuelle Studie ist ein notwendiger, verspäteter Schritt. Bleibt zu hoffen, dass sie von der Politik zum Anlass genommen wird, das bestehende Problem der Zwangsverheiratung neu und richtig einzuordnen und sie nicht weiterhin für integrations- und religionspolitische Ansätze zu instrumentalisieren. Nur wenn Sachlichkeit gegeben ist, werden auch die Beiträge der islamischen Religionsgemeinschaften stärker zur Geltung kommen. Andernfalls werden sie als ‚Quasi-Mitschuldige‘ behandelt und zum Teil des Problems gemacht, was kontraproduktiv ist und den Opfern in keinster Weise hilft.

 

Die IGMG jedenfalls wird sich – wie bisher auch – weiterhin mit der Thematik Zwangsverheiratungen auseinandersetzen und ihren Beitrag zur Sensibilisierung der Bevölkerung leisten. Entgegen ideologisch motivierter Erklärungsversuche muss widerholt werden, dass Zwangsverheiratungen nicht dem muslimischen Menschenbild entsprechen. Bemühungen, eine Affinität darzustellen, tragen nicht zur Versachlichung der Debatte bei.“


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