Änderung der katholischen Kirche am Karfreitags-Ritus ärgert breite jüdische Kreise. Zentralrat der Juden kritisiert Rückkehr zur „indirekten Judenmission“.
Die Liturgie-Änderungen fanden zwar schon im letzten Sommer statt. Doch zum Karfreitag hat die Einführung des vorkonziliaren Römischen Messbuchs für Verärgerung in den jüdischen Gemeinden geführt. Grund ist die Fürbitte am Karfreitag für die Juden, auf dass sie „Jesus Christus“ als Retter aller Menschen anerkennen sollen.
„Die Karfreitagsfürbitte impliziert eine subtile Aufforderung zur Judenmission, die ich als brüskierend, überheblich und als deutlichen Rückschritt im christlich-jüdischen Dialog bezeichnen muss", kritisierte Charlotte Knobloch, Vorsitzende des Zentralrats der Juden die Änderung der Liturgie. Solange es keine Rückkehr zur nachkonziliären Liturgie von 1970 gebe, werde es keinen Dialog mit der katholischen Kirche geben.
Gerade diesem deutschen Papst hätte sie zugemutet, dass er aufgrund seines Alters das Diskriminieren des Judentums, die Ausgrenzung des Judentums kennen gelernt hätte. Sie könne sich nicht vorstellen, „dass genau dieser deutsche Papst jetzt solche Formulierungen seiner Kirche aufdrängt“, sagte Knobloch weiter. In der umstrittenen Passage mit dem Titel „Für die Bekehrung der Juden“ heißt es: „Lasst uns auch beten für die Juden, auf dass Gott unser Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus als den Retter aller Menschen erkennen.“
Aus dem Vatikan wurde zwar eine Erklärung zur Karfreitagsfürbitte in Aussicht gestellt, eine Modifizierung soll es jedoch nicht geben. Die Fürbitte sei „aus katholischer Sicht theologisch völlig in Ordnung“, sagte Kardinal Walter Kasper, der Präsident der vatikanischen Kommission für den interreligiösen Dialog. Vom Glauben an Jesus Christus als Erlöser aller Menschen könne der Papst nun mal nicht absehen. (aek)
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