Bei einer Verhandlung in einem Beleidigungsprozess kam es am Mittwoch zu einem tödlichen Messerangriff gegen eine muslimische Frau, die als Zeugin geladen war. Der Täter hatte die Frau vor einem Jahr als „Islamistin“, „Terroristin“ und „Schlampe“ beschimpft. Weil er in seinem Strafverfahren die Frau erneut massiv beleidigte, hatte die Staatsanwaltschaft vor dem Landgericht auf eine Haftstrafe gedrängt.
Im August 2008 hatte der Täter die Frau, die ein Kopftuch trug, auf einem Spielplatz massiv beleidigt. Nach einer Anzeige wegen Beleidigung verurteilte das Amtsgericht Dresden den Mann wegen der Beleidigung zu einer Geldstrafe. In dem nun verhandelten Berufungsverfahren vor dem Landgericht ging es um die Höhe der Strafe.
Bei der Tat wurde auch der Ehemann der 31-Jährigen verletzt. Ein Bundespolizist habe den Ehemann mit seiner Dienstwaffe ins Bein geschossen, weil er ihn in dem Tumult irrtümlich für den Angreifer gehalten habe. Die Justiz prüfe daher, ob gegen den Polizeibeamten ermittelt werden müsse. Der Mann werde im Uniklinikum behandelt. Sein Zustand sei noch immer kritisch, sagte Oberstaatsanwalt Christian Avenarius. Die Frau war im dritten Monat schwanger und hinterlässt einen dreijährigen Sohn.
Ausländerhass als Motiv des Überfalls
Sachsens Justizminister Geert Mackenroth (CDU), der wenige Stunden nach der Bluttat den Tatort besichtigte, sprach von einer „Tragödie“. Mit der Familie der getöteten jungen Frau habe er „ganz tiefes Mitgefühl“. Zugleich sicherte er zu: „Wir werden alles tun, dass die Hintergründe aufgeklärt werden.“
„Das war eindeutig eine ausländerfeindliche Tat eines fanatischen Einzeltäters“, teilte die Dresdner Staatsanwaltschaft schließlich am Freitag mit. Aber „nicht jeder, der Ausländer hasst, tötet“, sagte Avenarius gegenüber der Frankfurter Rundschau. Der Täter werde deshalb von einem Psychologen begutachtet. Die Staatsanwaltschaft wolle die Ermittlungen in wenigen Monaten zum Abschluss bringen und dann Anklage erheben. Avenarius sagte, unklar sei auch, ob der Täter durch Chauvinismus in Russland oder deutsche Rechtsextremisten geprägt worden sei.
Muslimische Frauen fühlen sich bedroht
Nabil Yacoub, lanjähriger Vorsitzender des Dresdner Ausländerrats, sagte gegenüber der Sächsischen Zeitung, dass Frauen anderer Stipendiaten, die wie das Opfer ein Kopftuch tragen, bereits mehrfach über Anfeindungen geklagt hätten. „Wir wollten ihnen Mut machen, sich an die Behörden zu wenden, damit die Verwaltung Bescheid weiß“, sagte Yacoub. Der Anschlag habe auch in Ägypten große Schlagzeilen gemacht. Die Botschaft habe sich eingeschaltet.
Die ägyptische Familie hielt sich im Rahmen eines Stipendiums seit vier Jahren in Deutschland auf. Der Mann arbeitete als Pharmakologe am Max-Planck-Institut, seine Frau arbeitete in einer Apotheke. In drei Monaten wollten sie in ihre Heimat zurückkehren.
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