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Montag 01. Februar 2010

Deutschland, Menschenrechte, Diskriminierung
Diskriminierung behindert Integration und Identifikation

Einer Studie des Londoner Open Society Institute zufolge sind dringend wirkungsvolle und langfristige Maßnahmen erforderlich, um die religiöse Diskriminierung in den europäischen Städten sowie auf nationaler und europäischer Ebene zu bekämpfen. Aus der erstmals europaweit durchgeführten Studie ergibt sich ferner, dass sich nur rund ein Viertel der in Berlin und Hamburg Befragten mit Deutschland identifizieren - im Gegensatz etwa zu London, wo sich 70 Prozent der Muslime als Briten verstehen, in Leicester sogar 82 Prozent.

„Europa muss sein Versprechen eine integrierende, offene Gesellschaft zu sein erfüllen, sagte die Leiterin des Projekts „At Home in Europe“, Nazia Hussain. „Das kürzlich erfolgte Verbot von Minaretten in der Schweiz ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass islamfeindliche Einstellungen ein echtes Problem in Europa darstellen. Zu viele Europäer glauben, dass die religiöse Identität in gewisser Weise eine Barriere für die Integration darstellt, obwohl die Mehrheit der befragten Moslems sich stark mit der Stadt und dem Land, in dem sie leben, identifizieren. Die Rolle der Stadt ist sowohl bei der Bekämpfung von Diskriminierung als auch bei der Wegbereitung für die Integration anderer Völker wesentlich“.

 

Das Gefühl der mangelnden Zugehörigkeit zu Deutschland habe vor allem mit den Erfahrungen in den Bereichen Bildung und Arbeit zu tun, erklärte Tufyal Choudhury, der für das Institut die gesamte Studie vorgenommen hat. Die gefühlte religiöse Diskriminierung habe in den vergangenen fünf Jahren zugenommen. Nur 11 Prozent der Muslime in Hamburg und Berlin haben laut Studie das Gefühl, von der Mehrheitsgesellschaft als Mitbürger gleicher Nationalität betrachtet zu werden. Zu Berlin fühlten sich allerdings 70 Prozent der Befragten zugehörig, erläuterte die Ethnologin Nina Mühe, die den Berliner Teil der Umfrage erstellt hatte.

 

„Die Menschen sind stolz, Kreuzberger und Berliner zu sein“, sagte Professor Werner Schiffauer von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder der Welt. Aber der Satz: 'Ich bin stolz, Deutscher zu sein', geht ihnen nicht über die Lippen.“ Es würde nachgewiesen, dass auf kommunaler Ebene das Zusammenleben viel besser funktioniere und vom gegenseitigen vertrauen und Anerkennung geprägt sei, sagte Schiffauer. „Die Mehrheit der befragten Muslime möchte in ethnisch und kulturell gemischten Wohngegenden leben.“ Es gebe entgegen der Wahrnehmung in Deutschland nicht das Bedürfnis, sich in eigenen Kiezen ethnisch abzuschotten.

 

Ebenso trat Schiffauer dem in Deutschland weit verbreiteten Eindruck entgegen, muslimische Eltern kümmerten sich aus Desinteresse zu wenig um den Schulerfolg ihrer Kinder. „Die Erklärungsmuster vieler Lehrer, dass muslimische Eltern nicht interessiert sind, stimmt so nicht“, betonte der Wissenschaftler. Oft seien es Unsicherheit und mangelnde Sprachkenntnisse, die Eltern aus dem für sie „komplexen Gebilde Schule“ fernhielten.

 

„Von der Politik muss das Signal in die Gesellschaft gehen, dass der Islam zu Deutschland gehört“

 

Der Berliner Beauftragte für Migration und Integration Günter Piening bezeichnete die Ergebnisse als Alarmzeichen. „Eine wachsende Zahl von Muslimen fühlt sich in Deutschland ins Abseits gestellt, egal wie viele Integrationsanstrengungen sie unternehmen“, sagte Piening: „Hier zeigen sich die Folgen einer viel zu spät erfolgten Anerkennungspolitik in Deutschland.“ So sei der Patriotismus der Muslime in Großbritannien mit 72 Prozent bedeutend höher, weil Ausländer dort viel leichter einen britischen Pass bekommen könnten. „Hier tut sich Deutschland, vor allem mit Mehrfach-Staatsbürgerschaften, viel schwerer als andere Länder in Europa“, sagte Piening. Von der Politik müsse das Signal in die Gesellschaft gehen, „dass der Islam zu Deutschland gehört“, forderte er. Zudem müsse den Behauptungen, vor allem Türken und Araber seien nicht integrationswillig, Einhalt geboten werden. Andererseits müssten aber auch die Muslime stärker motiviert werden, sich zu engagieren.

 

Das Institut gehört zur internationalen Soros-Stiftung und untersucht seit längerem das Lebensgefühl und die Integration von Muslimen und anderen Minderheiten in West-Europa. (sa)


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Diskriminierung

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