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Sonntag 07. Februar 2010

Deutschland, Menschenrechte, Diskriminierung
Hetze gegen Muslime trägt Früchte: Ärztin verweigert die Behandlung

In einer Donaueschinger Zahnarztpraxis verweigerte eine Kieferorthopädin dem 16-jährigen Cihad Celik die Regulierung seiner Zahnspange, weil sie dessen Vornamen als „Kriegserklärung gegen alle Nicht-Islamisten“ interpretierte. Die Familie erwägt eine Strafanzeige. Der Antisemitismus-Forscher Wolfgang Benz sieht in der Diskriminierung ein Beweis dafür, dass die Hetze gegen Muslime in Deutschland Früchte trägt.

Im baden-württembergischen Donaueschingen hat sich eine Ärztin geweigert, einen 16-jährigen Jungen zu behandeln, der den Vornamen Cihad trägt. Im Gespräch mit dem „Schwarzwälder Bote“ sagte die Ärztin, ihr sei der Name des Jungen beim Blick auf das Patientenblatt „wirklich übel aufgestoßen“. Sie habe damit Gewaltbereitschaft assoziiert und empfinde den Namen als Kriegserklärung gegen alle „Nicht-Islamisten“. Sie wolle „nichts mit gewaltbereiten Menschen zu tun haben“.  Inzwischen bereue sie es sehr, den Jungen mit der Zahnspange am vergangenen Dienstag nicht behandelt zu haben. Der Junge könne ja nichts dafür, dass seine Eltern ihn so genannt haben, so die Orthopädin. „Ich will mich einfach entschuldigen“, sagte die Ärztin dem „Südkurier“.

 

Der Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung, Wolfgang Benz, zeigte sich „zutiefst erschreckt“ über den Vorfall: „Das ist ein Beweis dafür, dass die Hetze gegen Muslime in unserem Lande Früchte trägt“, sagte Benz am Freitag der Frankfurter Rundschau. Das sei „mehr als theoretische sogenannte Islam-Kritik, die sich irgendwo in den Zeitungsfeuilletons abspielt“, so Benz. „Das ist eine praktische Wirkung, da wird einem Menschen, der einen bestimmten Namen hat, von dem man auf seine kulturelle Zugehörigkeit schließt, die ärztliche Behandlung verweigert. Ich bin entsetzt.“  Es werde zum Teil mit den gleichen Mitteln, mit denen einst gegen Juden gehetzt wurde, Stimmungsmache gegen Muslime gemacht.

 

Dabei ist der türkische Vorname „Cihad“ in der Türkei „so gebräuchlich wie bei uns Christian“, erklärt Johannes Zimmermann vom Islamwissenschaftlichen Institut der Universität Heidelberg. Der eigentliche Sinn des Wortes Dschihad sei sich bemühen, anstrengen, kämpfen um das moralisch Gute; selbst das tägliche Arbeitengehen, um die Familie zu versorgen, falle unter den Begriff. Eine ganz banale Deutung seines Namens steuert der 16-Jährige mit den Worten bei: „Wenn ich meiner Oma einen Kaffee anbiete, ist das Cihad“. (sa)


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Diskriminierung

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