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Montag 14. September 2009

Deutschland
Interkultureller Rat: Muslimisches Leben gehört zur Normalität in Deutschland

Laut dem Interkulturellen Rat in Deutschland ist Islamfeindlichkeit gegenwärtig die am meisten verbreitete Form des Rassismus. Der Politologe Torsten Jäger, Geschäftsführer des Interkulturellen Rats und Leiter des Clearing Projekts „Zusammenleben mit Muslimen“ plädiert für eine Sensibilisierung auf beiden Seiten. Die Gesellschaft müsse sich daran gewöhnen, dass muslimisches Leben in Deutschland zur Normalität gehöre. Um der Islamfeindlichkeit entgegen zu wirken brachte der Interkulturelle Rat das Buch „Antimuslimischer Rassismus: Konflikte als Chance“ heraus.

Im Rahmen des Clearing Projekts vermittelt Torsten Jäger zwischen Muslimen und Nichtmuslimen. Im Interview mit taz.de erklärte Jäger, dass es bei den monatlich 100 Anfragen es um Moscheebauten, Teilnahme am Schwimmunterricht und Kopftuch an Schulen ginge. Bei dem Konflikt Schwimmunterricht versuche er zunächst mit der Schule zu klären, ob getrennter Schwimmunterricht zu realisieren ist. Auf die Frage wie er reagiere, wenn sich die Schule sich gegen getrennten Schwimmunterricht entscheidet, antwortete der Politologe: „Dann verweisen wir zum Beispiel auf das Bundesverwaltungsgericht, das bereits 1993 die Schulen verpflichtet hat, alle zumutbaren Möglichkeiten auszuschöpfen, ab der Pubertät einen getrennten Sportunterricht einzurichten. Wenn es trotzdem keine Einigung gibt, können wir nur die Meinungsunterschiede festhalten und dokumentieren, wir haben ja keine juristische Handhabung.“

 

Entgegen der Darstellung in den Medien und der Öffentlichkeit handele es sich bei dem Konflikt zwischen Eltern muslimischer Schülerinnen und den Schulen um die Teilnahme am Schwimmunterricht um Einzelfälle. Auch wenn der Vermittlungsversuch nicht immer erfolgreich sei, so führe er zumindest zu einer Sensibilisierung für die Thematik.

 

Die Sensibilisierung sehe das Clearing Projekt als die Hauptaufgabe. „Die Gesellschaft muss sich daran gewöhnen, dass es eine gewisse Normalität muslimischen Lebens in Deutschland gibt. Dazu gehören auch Frauen, die Kopftücher tragen, auch in Schulen, Universitäten oder Gerichtssälen. Das ist auch ein Thema, mit dem wir häufig befasst sind.“, so Torsten Jäger.

 

Auf den Einwurf der Interviewerin, dass viele darin eine schleichende Islamisierung sehen, entgegnete er: „Das ist aber nicht der Fall. Es ist ein Zeichen dafür, dass ein Teil der vier Millionen Muslime, die in Deutschland leben, sich auch in gesellschaftliche Bereiche vorgearbeitet haben, aus denen sie lange Jahre ausgegrenzt waren.“

 

Antimuslimischer Rassismus

Um der seit dem 11. September 2001 steigenden Islamfeindlichkeit entgegen zu wirken hat der Interkulturelle Rat in Deutschland die Aufsatzsammlung "Antimuslimischer Rassismus: Konflikte als Chance" herausgegeben. Das Buch, das vergangenen Donnerstag vorgestellt wurde, beinhaltet Aufsätze von Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Lebensbereichen, die der Frage nachgehen was gegen Islamfeindlichkeit unternommen werden kann. Antimuslimischer Rassismus zeige sich in Form von Demonstrationen gegen den Bau von Moscheen, in antimuslimischen Blogs im Internet und in Erfolgen islamfeindlicher Initiativen bei Kommunalwahlen. Der Tod der muslimischen Ägypterin Marwa al-Sherbini in einem deutschen Gerichtssaal zeigte wozu Islamfeindlichkeit führen kann. Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman A. Mazyek, der Staatssekretär des Innenministeriums, Peter Altmaier, die Islamwissenschaftlerin Kathrin Klausing und der Geschäftsführer des Interkulturellen Rates, Torsten Jäger, beteiligten sich mit einem Beitrag an der Entstehung der Aufsatzsammlung, dessen Herausgeber Jürgen Micksch ist. (fy)


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