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Mittwoch 15. Juli 2009

Deutschland, Menschenrechte
"Islamfeindlichkeit ist feststellbar"

Dr. Peter Widmann, Wissenschaftlicher Assistent am renommierten Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA), bestätigt, dass in „spezifischen Teilen der Bevölkerung“ eine Feindschaft gegenüber Muslimen festzustellen ist. „Die Gewalttätigkeit ist bisher zum Glück sicherlich ein Einzelphänomen geblieben, aber die Ideologie geht möglicherweise auf ein breiteres Phänomen zurück. Islamfeindlichkeit ist feststellbar und auch schon in verschiedenen Studien nachgewiesen worden“, sagte der Politikwissenschaftler am Montag in einem Interview mit der Islamischen Zeitung. Diese Ideologie sei auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen, mahnt Widmann.

Zur Entstehung dieser Feindseligkeiten erklärte Wiedmann unter anderem, dass in den Mainstreammedien und auf dem Buchmarkt eine pauschale Dämonisierung des Islams zu beobachten sei. Das gelte insbesondere für die Bildwelt, die in den letzten Jahren präsentiert wurden. „Wenn wir uns daran erinnern, dass der Spiegel vor einiger Zeit ein Titelbild brachte, auf dem die Schlagzeile „Die stille Islamisierung“ stand und dann ein Halbmond über dem Brandenburger Tor zu sehen war, dann wird damit eine Dominanzfantasie, wonach der Islam die Weltherrschaft will, repräsentiert. Dies hängt dann in allen Städten an den Kiosken und bestätigt möglicherweise vage Befürchtungen, welche die Bevölkerung hegt. Dies wirkt sogar auf jene Menschen, die den Spiegel gar nicht lesen. Hierbei kann durchaus davon ausgegangen werden, dass solche Präsentationsweisen zumindest einen bestätigenden Effekt haben, vages Unbehagen erzeugen und ihm eine anti-muslimische Richtung geben“, sagte Widmann.

 

Für die Überwindung der Islamfeindlichkeit gibt es kein Pauschalrezept, erklärt der Politikwissenschaftler: „Es bleibt nichts anderes übrig, als in der Öffentlichkeit für Aufklärung zu streiten. Im vorliegenden Fall der Islamfeindlichkeit heißt das etwa, öffentlich deutlich zu machen, wo eine seriöse Kritik an Muslimen, an muslimischen Verbänden und an Regierungen von muslimisch geprägten Ländern aufhört und wo ein pauschales Feindbild beginnt. Dies wäre ein Punkt, an dem solche Unterscheidungen öffentlich deutlich gemacht werden müssten, um die Diskussion voran zu bringen.“

 

Die Islamfeindlichkeit richtet sich gegen die Integration

 

Die Islamfeindlichkeit sei gegen eine sich vollziehende Integration gerichtet, ist sich Widmann sicher. „Betrachten wir die Debatten um Moscheen, dann handelt es sich dabei ja nicht Gebetsräume in Hinterhöfen, sondern diese Debatte flammen dort auf, wo diese Moscheen sichtbar werden und wo eine sichtbare, bauliche Integration einer Religion im Stadtbild stattfindet. Ein zweites Beispiel wären die Kopftuch-Debatten. Diese entzünden sich ja nicht an Reinigungskräften, die Kopftücher tragen, sondern vielmehr an Menschen, die im öffentlichen Dienst, beispielsweise als Lehrerinnen, Karriere machen wollen; die gewissermaßen im Prozess der Integration begriffen sind“, konstatiert Wiedmann.

 

In der Mehrheitsgesellschaft werde einigen deutlich, dass sich mit der Integration auch die Dominanzverhältnisse einer Gesellschaft ändern, so etwa die Dominanz über die Symbolik im öffentlichen Raum. „Das erfüllt Menschen mit Unbehagen. Sie beobachten einen sozialen Wandel, der sie mit Angst erfüllt. Diese projizieren sie auf den Islam, wobei die Abwehr eine spezifische Schärfe gewinnt.“ Widmann mahnt, dass dieses gesellschaftliche Klima Angstgefühle fördert, die dann auf Minderheiten gerichtet werden können, die aus Sicht mancher Menschen die Bedrohung personifizieren. Es sei zu befürchten, so Widmann, dass dieses Maß an Ressentiment noch steigen wird, wenn Finanz- und Wirtschaftskrise, aber auch die Abkopplung von Teilen der Bevölkerung vom gesellschaftlichen Reichtum sich fortsetzen beziehungsweise verschärfen. (sa)


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