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Freitag 30. Oktober 2009

Deutschland
"Islamophobie ist kein Randphänomen"

In einem Artikel in der Frankfurter Rundschau setzt sich der Kulturanthropologe Werner Schiffauer mit den gesellschaftlichen Konflikten in Deutschland auseinander, die mit dem Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini zu Tage getreten sind. Schiffauer zufolge ist Islamophobie nicht nur ein Randphänomen.

In Deutschland seien rassistische Einstellungen nicht mehr nur in rechten Gruppierungen sondern auch in der Mitte der Gesellschaft zu beobachten. Insbesondere Islamophobie reiche bis in die Mitte der Gesellschaft. So hätten seit dem 11. September Beleidigungen und Pöbeleien gegenüber Frauen mit Kopftüchern zugenommen. Negative Äußerungen über Muslime, wie zum Beispiel die Aussprüche Thilo Sarrazins über „Kopftuchmädchen“, würden in der Mitte der Gesellschaft auf große Zustimmung stoßen.

 

Der Ausspruch des Russlanddeutschen im Gerichtssaal "Sie haben in Deutschland nichts zu suchen." sei dieselbe Haltung, die aus dem Interview von Thilo Sarrazin hervorginge. Beide richteten sich gegen einen sichtbaren Islam. Ein Islam mit Kopftuch, habe in Deutschland nichts zu suchen.

 

Die Konsequenzen daraus beschreibt Schiffauer folgendermaßen:  „Es gibt eine Grundstimmung in der Gesellschaft, die einem Täter das Gefühl geben kann, in Übereinstimmung mit der Mehrheit zu handeln. Der Mord an El-Sherbini war auch die Tat eines Außenseiters. Der Russlanddeutsche Alex W. ist in Deutschland nie angekommen. Der Frust darüber war wohl auch ein Motiv. Rassismus gedeiht dort, wo sich jemand ausgegrenzt fühlt.“ In Ostdeutschland seien es die „Sitzengebliebenen, die den Hass auf Ausländer schüren“.  

 

Die Politik müsse zunächst ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es Rassismus nicht nur in Randgruppen gibt. Ferner müsse sie eine Kultur der Auseinandersetzung mit allen Einwanderergruppen und Minderheiten schaffen. „So könnten wir den Opfern das Gefühl geben, Teil dieser Gesellschaft zu sein. Das Katastrophale an dem Mordfall war auch, dass Muslime den Eindruck gewinnen mussten: Es ist gefährlich, sich wie Marwa El-Sherbini zu wehren. Und die verzögerte politische Reaktion war mehr als skandalös: Letztlich hat die deutsche Politik erst reagiert, als sie merkte, wie es in Ägypten brodelte.“ so Schiffauer. (fy)


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