In einem Telefongespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“, berichtet der norwegische Narkosearzt Mads Gilbert über die humanitäre Krise in Gaza. Israel verwende geächtete Brandbomben und Munition mit angereichertem Uran.
Der norwegische Anästhesist und Medizinprofessor an der Universität Tromso, befindet sich seit Neujahr zusammen mit seinem Kollegen, dem Chirurgen Erik Fosse, im Schifa-Krankenhaus in Gaza. Sie seien die einzigen Mediziner aus Europa, die sich derzeit im Gazastreifen aufhalten. Gilbert erklärte, dass die norwegische Regierung „sehr großen diplomatischen Druck auf die ägyptische Führung ausgeübt“ hat, damit ihr Aufenthalt in Gaza überhaupt genehmigt wurde.
Er forderte Ärzte aus dem Westen auf, nach Gaza zu kommen. „Die Welt kann nicht sehen, was hier passiert. Die westlichen Medien sind hier nicht da. Wir sind die einzigen westlichen Vertreter hier. Wir sind Ärzte, wir sollen helfen. Gleichzeitig müssen wir Medien aus aller Welt am Telefon informieren. Seit mein Kollegen und ich hier sind, arbeiten wir rund um die Uhr“, sagte Gilbert. Auf die Frage ob er sich fürchte, sagte er „1,5 Millionen Palästinenser sitzen in diesem größten Gefängnis der Welt fest. Sie fürchten sich nicht. Warum sollten wir uns fürchten?“
Die ägyptische Regierung lasse derzeit weder Helfer noch Ärzte in den Gazastreifen einreisen, berichtet auch Adem Bark, Projektkoordinator der Internationalen Hilfsorganisation in Gaza, aus Kairo. Auch verlaufe der Transport der Verletzten nach Ägypten schleppend. Bei der Zentrale in Frankfurt haben sich bereits über zwanzig Ärzte aus Deutschland gemeldet, sagte Vorstandsmitglied Ömer Gülmez. Sie warteten jedoch bisher vergeblich auf eine Genehmigung des ägyptischen Gesundheitsministeriums.
Die Lage der Krankenhäuser in Gaza ist nach Angaben palästinensischer Gesundheitsbeamte sehr schlecht. Gilbert berichtet, dass die Wucht eines israelischen Anschlags auf eine Moschee nahe der Klinik, alle Scheiben des Krankenhauses zerstört habe. „Es sind im Moment sieben Grad Celsius draußen, alle Patienten frieren, Ärzte und Helfer natürlich auch.“ Nach seinen Angaben machen die israelischen Angriffe auch vor Sanitätern und Krankenhäusern nicht Halt. „Heute sind zwei Ambulanzen getroffen worden. Zwei Pfleger wurden getötet, sie wurden gezielt angegriffen“, sagte er.
“Israel verwendet geächtete Brandbomben und Munition mit angereichertem Uran”
Der „Irish Times“ sagte Gilbert, dass Israel bei seinen Angriffen auch Phosphorbomben einsetzt. Damit verstößt Israel gegen Genfer Konventionen, die den Einsatz von Phosphorbomben verbieten. Neben der Brandwirkung und den schweren Verletzungen, die ein Hautkontakt verursacht, sind weißer Phosphor und seine Dämpfe hochgiftig. Für einen Erwachsenen sind bei direkter Aufnahme schon geringe Mengen tödlich. Man sei zudem Spuren der Dime-Bombe (Dense Inert Metal Explosive) begegnet. Wie mittlerweile auch von offizieller Seite bestätigt, setzte Israel im Libanonkrieg 2006 diese Bomben ein.
Mads Gilbert machte des Weiteren Angaben zu der aktuellen Situation in Gaza. „Gaza ist ein komplettes, von Menschen angerichtetes Desaster. Es ist kalt, es gibt keine Nahrung, keinen Treibstoff. Die Israelis verwenden geächtete Brandbomben und Sprengköpfe mit abgereichertem Uran. Viele Körper sind in Fetzen gerissen und verbrannt. Das verstößt gegen internationales Recht, gegen die Menschlichkeit, es ist gegen das, was es heißt, ein anständiger Mensch zu sein.“
Die Zahl der zivilen Opfer steige rapide an. Am Montagabend seien es 540 Tote und 2550 Verletzte. 30 Prozent der Toten und 45 Prozent der Verletzten sind Frauen und Kinder. „Unter den Toten sind 117 und unter den Verletzten bisher 744 Kinder.“ (fy/sa)
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