Einer gemeinsamen Presseerklärung der humanitären Organisationen medico international, Ärzte für Menschenrechte (Israel), Palestinian Medical Relief Society (Ramallah) und Al-Mezan Center aus Gaza zufolge, treffen die israelischen Angriffe insbesondere das Gesundheitssystem im Gazastreifen. Das israelische Militär ziele auch auf eindeutig zivile Einrichtungen.
Durch die Blockade und vorhergehender Komplettsperrungen stehe das Gesundheitssystem im Gazastreifen ohnehin kurz von dem Zusammenbruch. „Jetzt müssen Menschen versorgt werden, die hoch komplexe Behandlungen durch Spezialisten benötigen. Dies ist in der derzeitigen Lage nicht möglich“, heißt es in der Erklärung.
Die Organisationen fordern die Besatzungsmacht Israel auf, die Verantwortung für die durch die Bombardements Verwundeten zu übernehmen und ihnen den Zugang zu gesundheitlicher Versorgung in Krankenhäuser zu ermöglichen. Israel müsse die Neutralität medizinischer Einrichtungen schützen und die Einfuhr sämtlicher benötigter medizinischer Güter aller Art genehmigen. Die Schließung sämtlicher Zugänge nach und aus Gaza durch Israel, darunter die gänzliche Schließung des Erez-Übergangs seit letztem Freitag, verhindere die Evakuierung von Patienten und Verwundeten.
Krankenhäuser befinden sich in einem Ausnahmezustand
Dem Bericht zufolge sind insbesondere die Regierungskrankenhäuser überfüllt. Die Verwundeten müssten aufgrund des Mangels an Betten auf den Fluren behandelt werden. Der Direktor des Schifaa` Krankenhauses Dr. Hassan Khalaf erklärte, dass sich das Krankenhaus faktisch in einem Ausnahmezustand befinde. Bis Sonntag 13:30 seien 240 Verwundete aufgenommen worden. Die Zahl der Verletzten steige stündlich. In den zwölf Operationssälen werde 24 Stunden durchgehend operiert. Die Überlastung durch den Mangel an OP-Sälen habe dazu geführt, dass weitere vier Räume der Entbindungsstation zu Operationssälen umfunktioniert wurden und dass das Krankenhaus keine Schwangeren mehr zur Entbindung zulassen kann.
Der Chefonkologe des Europäischen Krankenhauses in Khan Younis Dr. Zaki Zakzouk erklärte, dass derzeit ein Mangel an 0 minus Blutkonserven herrsche. Auch Kühlräume und Ambulanzen die Blutkonserven vom Shifaa´ Krankenhaus bringen könnten seien nicht vorhanden. Um die Folgen des Ausnahmezustands zu bewältigen hätten die privaten Kliniken wie „Almamdawi“ und das Rote Kreuz ihre sonstigen Behandlungen eingestellt.
Zerstörung der Lager für medizinische Hilfsmittel
Am Sonntag habe das israelische Militär zudem das größte Lager für Medikamente und medizinische Hilfsmittel des Gesundheitsministeriums in Gaza bombardiert. Es sei der Hauptversorger der Shifaa Klinik gewesen.
Auch unterbinde Israel die Krankentransporte aus dem Gazastreifen. Die israelische humanitäre Organisation „Ärzte für Menschenrechte – Israel“ berichtet, dass die Verantwortlichen am Erez-Übergang von nun an keine Papiere mehr für Krankentransporte aus Gaza ausstellen. Das betreffe auch schwer Verwundete und lebensgefährlich Verletzte. Jordanien erklärte zwar seine Bereitschaft, die Verletzten aufzunehmen, aber um nach Jordanien zu gelangen müssten die Patienten eine Ausreisegenehmigung der israelischen Behörden für den Erez-Übergang erhalten. Der Refah-Übergang zu Ägypten sei für Krankentransporte erst gestern Nacht geöffnet worden. Aufgrund der Schwere der Fälle können viele Verletzte jedoch nicht nach Ägypten transportiert werden. Die Mehrheit der Verwundeten haben nach Angaben von „medico international“ Kopf- und innere Verletzungen. Die meisten von ihnen seien bewusstlos und benötigten künstliche Beatmung, sowie die Begleitung durch ein Ärzteteam in Ambulanzen, die sie in die sechs Stunden entfernten Kairoer Klinken bringen könnten. Ärzte in Gaza befürchten, dass die Verwundeten eine solche Reise nicht überleben würden. Auch herrsche Mangel an Krankenwagen.
Israel öffnete gestern lediglich den Kerem-Shalom-Übergang, um Hilfsgüter durchzulassen. Laut dem palästinensischen Gesundheitsministerium in Gaza sind diese Hilfsgüter jedoch bei weitem nicht ausreichend.
Israel bedroht Zivilisten
Viele Patienten hätten der israelischen Organisation „Ärzten für Menschenrechte – Israel“ ferner berichtet, dass sie übernacht aufgezeichnete Drohungen per Telefon erhielten. Die erste Drohung habe sie aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen, da sie demnächst bombardiert würden. Die zweite Drohung warne davor, Militante zu unterstützen oder Waffen zu verstecken, da sie ansonsten bombardiert würden. (sa)
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