andalusien messe

 

Montag 14. Juni 2010

Deutschland, Diskriminierung
Jahrbuch für Islamophobieforschung 2010 erschienen

Im Studienverlag ist soeben das Jahrbuch für Islamophobieforschung 2010 erschienen. Im Zentrum des Jahrbuchs stehen sachlich fundierte und wissenschaftlich systematische Analysen islamophober Geschehnisse in den drei deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz. „Angesichts der wachsenden Bedeutung der Islamfeindlichkeit war eine sachliche Auseinandersetzung mit diesem Thema schlicht notwendig“, sagte der mit dem Bruno-Kreisky-Anerkennungspreis 2010 ausgezeichnete Herausgeber, Farid Hafez, der „Islamischen Zeitung“.

Neben einer Einführung in den wissenschaftlichen Sprachgebrauch des Islamophobiebegriffs, skizzieren die Autoren und Autorinnen aktuelle Vorfälle wie den Dresdner Mord an Marwa el-Sherbini und seine mediale Rezeption. Die Autorinnen Iman Attia und Yasemin Shooman kritisieren unter anderem, dass die Tat zunächst lediglich als tragischer Mord im Gerichtssaal bezeichnet und die antimuslimische Dimension von den etablierten Medien und der Politik nicht benannt wurde. Außerdem sei betont worden, dass der Täter ein Russlanddeutscher sei – und das Problem damit externalisiert. Zugleich wurde im Zuge einer Täter-Opfer-Umkehr über mögliche Gewaltreaktionen von MuslimInnen spekuliert, kritisieren Attia und Shooman.

 

Im ersten Band findet sich auch ein Beitrag zum Schweizer Minarettverbot. Der Beitrag von Georg Kreis zeigt auf, dass abgesehen von der speziellen Konstellation eine weiter zurückreichende und von rechtsnationalen Kräften bewusst geschürte Abneigung den Hintergrund dieses Plebiszit bildet. Alarmistische Warnrufe gegen „muslimische Überfremdung“ lassen sich nach Kreis bereits 1989/90 feststellen.

 

Das Jahrbuch bedient sich unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen, um das Phänomen der Islamophobie zu beleuchten. Im Zentrum dieser interdisziplinären Publikation stehen sachlich fundierte und wissenschaftlich systematische Analysen islamophober Geschehnisse in den drei deutschsprachigen Ländern. Dabei werden Fallstudien mit aktuellem Bezug zum Jahresgeschehen aus den unterschiedlichsten Bereichen wie Medien, Politik, Recht, Alltagsdiskriminierung sowie theoretische Reflexionen geboten. (sa)


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