Wenn eine Muslimin mit Kopftuch Blicke erntet; Blicke aus Neugier, Unverständnis oder Hass, und Blicke, die Töten könnten. Wenn eine Muslimin nicht nur diese Blicke ertragen muss, sondern auch anhören muss, wie man sie bemitleidet, weil sie unterdrückt werde, wie man sich lustig über sie macht, weil man sie nicht respektiert, wie man sie beleidigt, weil man von der Würde dieses Menschen nichts hält oder sie als Minderwertig betrachtet. Wenn eine Muslimen, nicht einmal, nicht mehrmals, sondern in all den Jahren, in denen sie hier lebt, etwa weil sie hier geboren wurde oder aufgewachsen ist, so viel ertragen muss, weil sie anders ist. Wenn sie nicht nur Blicke und Beleidigungen erdulden muss, sondern auch benachteiligt wird, etwa bei der Suche nach einer Ausbildung, einem Job oder einer Wohnung. Wenn sie zusätzlich bespuckt oder geschlagen wird, etwa beim Vorbeigehen einen Faustschlag in den Magen bekommt oder einen Ellenbogencheck, was erwartet man dann von ihr als Reaktion?
All diese Beispiele, die ich genannt habe, sind ein kleiner Ausschnitt aus meinen Erfahrungen mit Musliminnen, die mir ihre Erlebnisse erzählen. „Islamistin“, „Fundamentalistin“, „Terroristin“ sind bereits geläufige Bezeichnungen für Musliminnen. Dank den geistigen Brandstiftern und Spaltern in unserer Gesellschaft, sind solche Bezeichnungen salonfähig geworden. Wem aber nützt das Ganze? Haben wir wirklich aus unserer Vergangenheit gelernt? Marwa ist nicht das einzige Opfer von Islamfeindlichkeit. Es gibt täglich hunderttausende Opfer. Sie alle sind Opfer von Diskriminierungen, die sie oft für sich behalten. „Ich hör da gar nicht mehr hin“, „ach, lass sie doch reden. Die haben doch eh keine Ahnung“, „wenn Du wüsstest, was die Leute einem ständig sagen…“ sind Kommentare einiger Musliminnen, die trotz der Beleidigungen zur Schule, zur Arbeit oder zum Einkaufen gehen. Es bleibt ihnen ja auch keine andere Wahl. Dass viele Musliminnen mit Kopftuch hier geboren wurden und die deutsche Sprache beherrschen, ist tatsächlich vielen Menschen nicht bewusst. Sie machen sich – teilweise gruppenweise – über jemanden lustig, ohne auch nur im Geringsten zu realisieren, dass man sie versteht. Wir verstehen sie, sie aber uns nicht, und das scheint mir bei der ganzen Sache ein wesentlicher Punkt zu sein. Denn während Marwa ihren Mörder verstand und ihn verklagte, hat dieser in keiner Weise begriffen, weswegen er überhaupt verurteilt wurde. Und wenn all die Islam- und Muslimhasser nicht begreifen, warum sie mit ihrem Hass falsch liegen, dann muss der Staat mit all seinen Institutionen – vor allem mit seinen Schulen – beginnen, die Ursache für diesen Hass zu bekämpfen: Unwissenheit. Diese Unwissenheit basiert nicht allein auf dem Fehlen von sachlichem Wissen, sondern vor allem auf dem falschen Glauben, man wisse, was der Islam sei. Denn der Hass richtet sich gegen Unbekannte, die man zu kennen glaubt. Der Mörder von Marwa, kannte Marwa nicht wirklich. Doch das, was er wusste, hat ihn dazu gebracht, ihr in aller Öffentlichkeit das Leben auszulösen, und zwar auf eine derartig brutale Art, die dieser Gesellschaft erst einmal erklärt werden muss.
So wünscht man sich hierzulande endlich eine sachliche Diskussion frei von Heuchelei über die systematische Diskriminierung von Muslimen und vor allem Musliminnen in Deutschland. Ja, es gibt eine Islamophobie in Deutschland und wir müssen beginnen, diese Krankheit zu heilen, bevor sie weitere Opfer fordert. Denn Marwa ist nicht die einzige Muslimin, die als „Islamistin“ oder „Terroristin“ beschimpft wurde.
Am 3. Oktober 2011 findet der bundesweite "Tag der offenen Moschee" statt. Unsere Sonderseiten zum...
Am 12. Juni hat die Türkei gewählt. Das Ergebnis der seit acht Jahren regierenden AKP (Partei für...
Etymologisch gesehen bedeutet das Wort „Sunna“ gewohnte Handlungsweise, Brauch, oder überlieferte...
Bevor man danach fragen kann, wie denn Notfallbegleitung für Muslime aussehen kann, muss erst die...
Diskriminierung
Keine Nachrichten in dieser Ansicht.
Publikationen
Hier können Sie auszugsweise einen Blick in "Die Lehre des Islam" von Prof. Dr. Muhammed Hamidullah werfen. Das vorliegende Buch beinhaltet zwei Abschnitte von Prof. Hamidullahs Werk „Der Islam – Geschichte,Religion, Kultur".






























