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Montag 26. Oktober 2009

Deutschland, Recht, Diskriminierung
Mordprozess im Fall Marwa El-Sherbini beginnt

Im Dresdner Landgericht beginnt heute der Prozess um den Mord an der schwangeren Muslimin Marwa El-Sherbini, die am 1. Juli in einem Gerichtssaal erstochen wurde. Der Täter ist wegen Mordes an der schwangeren 31-Jährigen und versuchten Mordes an ihrem 32-jährigen Ehemann angeklagt. Für den Prozess, der unter strengen Sicherheitsauflagen stattfindet, sind bislang elf Verhandlungstage bis zum 11. November vorgesehen.

Marwa El-Sherbini war Anfang Juli als Zeugin im Prozess gegen den 28-jährigen Alex W. eingeladen. Es ging um eine Beleidigung. Alex W. hatte die Kopftuch tragende Frau im Sommer 2008 auf einem Spielplatz als „Islamistin“, „Terroristin“ und „Schlampe“ beschimpft. Während der Verhandlung zog der Angeklagte ein Küchenmesser und stürmte auf die Zeugin los. Marwa erlag ihren schweren Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mörder einen „ausgeprägten Hass auf Nichteuropäer und Moslems“ als Motiv für seine Tat vor. Ein Gutachter erklärte Alex W. inzwischen für voll schuldfähig.

 

Für den Prozess gelten strenge Sicherheitsauflagen. Im Schwurgerichtssaal wurde unter anderem eine mobile Wand aus fünf Zentimeter dicken Panzerglas eingebaut, der Zuschauer und Prozessbeteiligte trennt. Etwa 200 Polizisten sollen das Gerichtsgebäude absichern.

 

„Teil der Verantwortung liegt bei der Justiz“

 

Der islamfeindliche Mord hat die islamische Welt und die Muslime in Deutschland sehr bewegt und zahlreiche Proteste und Großdemonstrationen ausgelöst. Das Institut für Medienverantwortung ruft deshalb die deutschen Medien dazu auf, zum Mordprozess umfassend und kritisch zu berichten. Es gehe auch um den Ruf Deutschlands, seiner Justiz und seiner Polizeibeamten. „Gerade im Ausland wird man kritisch beobachten, ob die deutschen Behörden und Medien selbstkritisch mit dem tragischen Ereignis umgehen“, erklärte die Institutsleiterin, Dr. Sabine Schiffer, in einer Pressemitteilung.

 

Schiffer bemängelte zudem die mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen im Gerichtssaal, obwohl der Täter in seiner ersten Vernehmung gedroht habe, „Waffen oder Sprengstoff" mitzubringen, wenn er welche gehabt hätte. Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung habe der Ehemann von Marwa El-Sherbini aus diesem Grunde Strafanzeige gegen den Gerichtspräsidenten und den Vorsitzenden Richter des Verfahrens eingereicht. „Wir versuchen gegen den Polizisten und gegen das Gericht selbst ein Verfahren anzustrengen“, sagte auch der Bruder des Opfers Tarek El-Sherbini, der Badischen Zeitung mit Hinweis auf den Polizeibeamten, der während der Messerattacke in den Gerichtssaal stürmte und statt auf den Angreifer auf Marwas Ehemann schoss, der versucht hatte, seine Frau zu schützen. „Schließlich ist Marwa nicht in einem Supermarkt, sondern in einem Gericht ermordet worden“, sagt er. Also liege ein Teil der Verantwortung bei der Justiz. (sa)


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