Repräsentative Gebäude ersetzen zunehmend die Hinterhofmoscheen. Häufig wird die Frage nach der Form einer Moschee als Stellvertreterfrage nach der Akzeptanz des Islam wahrgenommen. Moschee mit oder ohne Minarett und Kuppel – darüber erhitzen sich die Gemüter. Die Frankfurter Religionswissenschaftlerin Prof. Bärbel Beinhauer-Köhler sieht in der Diskussion über Bau- und Kunststile, die in manchen muslimischen Gemeinden geführt wird, auch eine Chance für den interkulturellen Kontakt.
In ihrem
Beitrag in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Forschung Frankfurt schreibt sie: „Der Umgang mit der Form könnte auch heute wegweisend sein. Weder Moscheen noch Kirchen sind Bauformen, die tatsächlich in die Frühzeit der Religionen zurückreichen. Beide haben sich erst in den ersten Jahrhunderten der Konstituierung einer Religion zu nur lokal als charakteristisch empfundenen Formaten entwickelt. Dabei gibt es gewaltige regionale und konfessionelle Varianten.“
Größe und Höhe eines Bauwerkes zeigten religionsunabhängig, geradezu als anthropologische Konstante, das Repräsentationsbedürfnis ihrer Bauherren. „Hier handelt es sich nicht um ein Spezifikum von Moschee oder Minarett“, erläutert die Religionswissenschaftlerin, die gemeinsam mit dem Giessener Politologen Prof. Claus Leggewie im vergangenen Jahr ein Buch mit dem Titel „Moscheen in Deutschland. Religiöse Heimat und gesellschaftliche Herausforderung“ veröffentlicht hat.
Entwicklung von Bau- und Kunststilen als Weg zur Reflektion der eigenen Identität
Historisch betrachtet scheint die Unversöhnlichkeit der Positionen von Nichtmuslimen, die Minarett und Kuppel als Provokation und störendes Element empfinden, und von Muslimen, die diese Formelemente unabdingbar empfinden, womöglich als vorübergehendes Stadium. Die Positionen sind nachvollziehbar, geht man wie die Religionswissenschaft davon aus, dass Religionen und Kulturen intern durch gemeinsame Symbole und Zeichen bestimmt sind. Dazu Beinhauer-Köhler: „Diese wecken Assoziationen von Identität und Zugehörigkeit oder Fremdheit und werden in der Regel nicht reflektiert. Hier ist auch das Gefühl von ‚Heimat’ berührt, das Nichtmuslime in Deutschland mit der Abwesenheit und gläubige Muslime mit der Präsenz als solcher erkennbarer Moscheen verbinden.“
Doch könnte sich in den kommenden Jahren auch hier etwas verändern, wenn die Zahl der Muslime mit akademischer Ausbildung im deutschsprachigen Raum ansteigt. Die Frankfurter Religionswissenschaftlerin verweist auf Architekten mit islamischem Hintergrund wie Alen Jasarevic, der das „Islamische Forum“ im bayerischen Penzberg geplant hat. Der multiethnische Trägerverein signalisiert nicht nur in seinem Namen eine bewusste Öffnung, er stimmte auch zu, dass der moderne Bau sich mit zwei symbolischen Türen den Besuchern demonstrativ öffnet und das Gebäude keine Kuppel trägt. Beinhauer-Köhler sieht neue Impulse für den Moscheenbau in Deutschland: „Diese Architekten verfügen in besonderem Maße über die Kompetenz, mit den Symbolbeständen verschiedener Kulturen zu arbeiten und Lösungen zu finden, die sinnvoll Funktion, unterschiedliche Stil- und Identitätsgefühle vereinen. So präsentiert sich das Minarett in Penzberg als eine kubische Lichtinstallation. Der Rahmen, durch den bei Dunkelheit die Innenbeleuchtung scheint, besteht aus kalligrafierten Koransuren, die in nahezu abstrakte Formen aufgelöst wurden.“
Das bedeute aber nicht, dass es einen Zwang gebe, sich den Baustile der „europäischen Moderne“ anzupassen, betont die Frankfurter Professorin. Die Auseinandersetzung mit und aktive Entwicklung von Bau- und Kunststilen als Weg zur Reflektion der eigenen Identität könne zu einem Element einer wechselseitigen Integration werden, ohne dass dies in einer kulturellen oder religiösen Profillosigkeit münden müsse.
Am 3. Oktober 2011 findet der bundesweite "Tag der offenen Moschee" statt. Unsere Sonderseiten zum...
Am 12. Juni hat die Türkei gewählt. Das Ergebnis der seit acht Jahren regierenden AKP (Partei für...
Unter den Islamwissenschaftlern gibt es nach wie vor viele aus dem westlichen Kulturkreis, die sich...
Diskriminierung
Keine Nachrichten in dieser Ansicht.
Publikationen
Hier können Sie auszugsweise einen Blick in "Die Lehre des Islam" von Prof. Dr. Muhammed Hamidullah werfen. Das vorliegende Buch beinhaltet zwei Abschnitte von Prof. Hamidullahs Werk „Der Islam – Geschichte,Religion, Kultur".






























