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Samstag 11. Juli 2009

Deutschland
Trauerfeier für getötete Ägypterin Marwa in Dresden

In Dresden nahmen heute etwa 1500 Menschen an der öffentlichen Trauerfeier für die vor 10 Tagen getötete Muslimin Marwa Sherbini teil. Weiße Rosen wurden „als Zeichen des Respekts vor dem Opfer und für ein friedliches Zusammenleben der Gesellschaft“ auf die Rathaustreppen gelegt.

Zur heutigen Gedenkfeier erschienen unter anderem der Islamratsvorsitzender Ali Kizilkaya, der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, der SPD-Parteichef Franz Müntefering, der ägyptische Botschafter Ramzy Ezzeldin Ramzy, Sachsens Justizminister Geert Mackenroth und Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange. Auf der abschließenden Kundgebung forderte Nabil Yacoub vom Dresdner Ausländerrat „die Saat des Extremismus“ nicht aufgehen zu lassen. Ägyptens Botschafter Ramsi sagte, die junge Mutter sei Opfer blinden Hasses geworden, die ihre Quelle in der Ignoranz hätte. SPD-Chef Müntefering mahnte politische Konsequenzen an: Rechtsextremisten und Rassisten dürften keine Chance mehr haben, sich in Parteien zu organisieren.

 

Die öffentliche Trauerfeier vor dem Dresdner Rathaus wurde von ägyptischen Studenten der TU Dresden, dem Ausländerrat, der Opferberatung sowie anderen Vereinen und Gruppen organisiert.

 

Nach langem Schweigen hat sich nun auch die Bundesregierung zu der Tat geäußert. Angela Merkel drückte im Rande des  G8 Gipfels im italienischen L’Aquila Husni Mubarak ihr Beileid für die Verstorbene aus.

 

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich „persönlich tief bestürzt“. Er betonte, dass Ausländerfeindlichkeit und Islamophobie in Deutschland keinen Platz haben. In einem Brief an seinen ägyptischen Amtskollegen Ahmed Abul Gheit versicherte Steinmeier, „dass wir alles tun, um solche Verbrechen zu verhindern. Wir stehen dafür ein, dass sich in Deutschland jeder ungeachtet seiner Herkunft, seiner Nationalität oder seines Glaubens sicher fühlt. Dies ist oberste Maxime für staatliches Handeln.“

 

Maria Böhmer, Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, besuchte am Freitag zusammen mit dem Botschafter Ägyptens, Ramzi Ezzeldin Ramzi, den Ehemann der getöteten Ägypterin im Krankenhaus. Er war bei der Messerattacke im Landgericht schwer verletzt worden. Böhmer zeigte sich entsetzt über die Tat und sagte: “In Deutschland ist kein Platz für rassistisch oder religiös motivierte Gewalt. Diese feste Überzeugung teile ich mit der übergroßen Mehrheit der Menschen in unserem Land. Jede Art von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ist auf das Schärfste zu verurteilen”.

 

In einer Presserklärung verurteilten des Weiteren die Grünen- Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir die Tat und machten darauf aufmerksam, dass die Politik der letzten Jahre zur Entstehung eines islamfeindlichen Klimas in Deutschland beitrage. „Seit dem 11. September 2001 haben auch in Deutschland Respekt und Toleranz gegenüber Muslimen stark gelitten. Dabei stellt unser Grundgesetz unmissverständlich klar: ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar‘. Auch staatliche Maßnahmen wie Rasterfahndungen, Kopftuchverbote, Pläne für Gesinnungstests sowie gesellschaftliche Hetze gegen den Bau von neuen Moscheen in einigen Städten haben eine ganze Gruppe von Mitbürgern öffentlich abgewertet, marginalisiert und unter Generalverdacht gestellt.“ (fy)


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