Im Marwa-Mordprozess versucht der Mörder der 31- jährigen Marwa- el Sherbini, offenbar durch ausfallendes Verhalten den Prozess zu kippen. Seit Prozessbeginn verweigert der angeklagte Russlanddeutsche jegliche Kooperation. Indessen sorgten seine Wahlverteidiger mit islamfeindlichen Aussprüchen für Aufsehen: Schuld an der Tat sei der Islam.
Der Angeklagte, der sich wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verantworten muss, tretet seit Montag vermummt und mit Sonnenbrille vor das Gericht. Am Mittwoch randalierte er im Gerichtssaal, stampfte mit den Füßen und schlug seinen Kopf auf die Tischplatte. Er soll sich zudem Verletzungen zugezogen haben. Prozessbeobachter vermuten, dass er damit versuche den Prozess zu verzögern. Die Vorsitzende Richterin ermahnte ihn sich angemessen zu verhalten und drohte, ihn notfalls von der Verhandlung auszuschließen.
Am Montag sorgte der Wahlverteidiger des Angeklagten, Veikko Bartel für Aufsehen, als er behauptete Schuld an der Tat sei der Islam. Das Gericht müsse untersuchen, "welches Bild der Islam von sich selbst zeichnet beziehungsweise zeichnen lässt", um herauszufinden, was seinen Mandanten „zu einem Menschen gemacht hat, der eine solche Tat begehen kann", sagte der Verteidiger Veikko Bartel.
Zum Verfahrensauftakt waren der ägyptische Botschafter, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Ayyub Köhler, und zahlreiche Medienvertreter aus der arabischen Welt als Prozessbeobachter anwesend. Ayyub Axel Köhler sagte: „Wir haben den Prozess als Auftakt gesehen, der zeigt, dass man einen fairen und gerechten Prozess führen wird.“ Auch Ägyptens Botschafter in Deutschland, Ramzy Ezzeldin Ramzy, zeigte sich zuversichtlich. Er habe keine Überraschungen gesehen, sagte er. „Wenn das Verfahren so weitergeht, wird es bald zu einem Urteil kommen.“
An den ersten drei Prozesstagen wurden unter anderem der Ehemann der Verstorbenen, Elway Okaz, der Richter, der am Tag der Tat die Berufungsverhandlung geleitet hat, Tom Maciejewski und der Pflichtverteidiger des Angeklagten, der nach der Tat im Gerichtssaal sein Mandat niederlegte, verhört. Insgesamt sollen 30 Zeugen verhört werden. Ein Urteil wird zum 11. November erwartet. (fy)
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